An einem illegalen Trail unterhalb der Gronauer Platte ist ein Baumstamm frisch abgesägt und auf die Mountainbike-Strecke gelegt worden. Foto: Andreas Hennings

Trotz der neuen offiziellen Trails sind darüber hinaus weitere Pfade im Wald ausgefahren. Über mögliche Lösungen für dieses Problem sind sich die Beteiligten uneins.

Oberstenfeld - Das Mountainbiken floriert in der Corona-Zeit. Vom „Faktor fünf“ spricht Stefan Pyttlik von den Trailsurfern mit Vereinssitz in Gagernberg. Heißt: In den vergangenen Wochen dürften fünfmal so viele Hobbysportler unterwegs gewesen sein, wie normalerweise. Neben den Trails in Beilstein erfreuen sich dabei die vor etwas mehr als einem Jahr offiziell freigegebenen Strecken bei Oberstenfeld, Gronau und Prevorst großer Beliebtheit. Das wirkt sich aus: Täglich flatterten neue Mitgliedsanträge ins Postfach der Trailsurfer, sagt der Vorsitzende Pyttlik, der mit seinen Mitstreitern die Trails initiiert hatte und sie noch besser strukturieren möchte. So hat der Verein in Abstimmung mit dem Landratsamt Schilder in Auftrag gegeben, mit denen Sammelpunkte im Fall eines Unfalls gekennzeichnet werden sollen. Bald sollen sie montiert werden. Dass so etwas hilfreich sein kann, zeigt ein tragischer Fall vom Sonntag, bei dem sich bei Weilimdorf ein 30-Jähriger beim Downhill im Wald lebensgefährlich verletzte, nachdem er beim Sprung über eine Rampe gestürzt war.

Doch neben der Verletzungsgefahr hat der florierende Freizeitsport eine weitere Kehrseite: Denn im Wald bei Oberstenfeld wird auch weiterhin auf illegalen Pfaden gefahren. Womit eingetreten ist, was man durch das Anlegen der offiziellen Trails unbedingt verhindern wollte. Der Ärger ist groß. An einem Pfad unterhalb des Fischteichtrails und der Gronauer Platte, der trotz Verbotsschilds bis ins Tal ausgefahren ist, wurde jetzt sogar ein Baumstamm abgesägt und quer über den Trail gelegt – womit augenscheinlich die Durchfahrt verhindert werden soll. Zudem taten zuletzt der BUND und der Nabu in den Nachrichtenblättern Oberstenfelds und Beilsteins ihren Ärger über das illegale Fahren kund. Und das Landratsamt Ludwigsburg appellierte über diesen Weg, auf den Bau von illegalen Trails zu verzichten.

Auf Nachfrage zeigt sich Willi Leible, Beisitzer bei der Nabu-Ortsgruppe Oberstenfeld, konsterniert. „Die Leute fahren überall. Es ist schlimm und aussichtslos – ein Kampf gegen Windmühlen. Ich habe im Nabu auch schon erklärt, dass ich mich um dieses Thema nicht mehr kümmern werde. Und spricht man einen Mountainbiker darauf an, erntet man einen dummen Kommentar.“ Die erlaubten Trails seien mit der Zeit zu langweilig, mutmaßt er. Und so werde auch gefahren, wo Feuersalamander leben und der Rotmilan ein Nest baute – ehe er verschwand. „Ich weiß natürlich nicht, ob es an den Mountainbikern lag. Aber seit Mitte März ist er weg“, hat Willi Leible beobachtet. „Bestimmt alle 20 Minuten“ brettere an Wochenenden ein Fahrer illegale Pfade hinunter, so seine Beobachtung. Neben der Gronauer Platte werde auch bei der Krugeiche quer durch den Wald gefahren, ebenso auf einem Pfad von der abgegangenen Seitenburg hinunter zur Vogeltränke. Er vermisst ein Einwirken der Trailsurfer auf die Biker. „Das ist frustrierend. Sie könnten an den Parkplätzen auf das Thema hinweisen. Das habe ich, als ich noch Naturschutzwart war, auch getan.“

Auch die Trailsurfer wissen um die „zwei, drei Brennpunkte“. Stefan Pyttlik sieht mit dem Status quo bestätigt, was er bereits während der Planung befürchtet habe. „Die offiziellen Trails gehen nicht bis ins Tal. Wer aber mit dem Mountainbike mühsam den Berg hochgefahren ist, hat kein Interesse daran, dann ab halber Höhe wieder auf einem breiten Forstweg runterzufahren.“ Auch seien Trails nicht miteinander verknüpft. „Diese fehlende Kanalisierung ist die Ursache für das illegale Fahren“, ist er sich sicher.

Pyttlik betont, dass auch die Trailsurfer an vernünftigen Lösungen interessiert seien. Aus diesem Grund sei man ja überhaupt erst als Verein angetreten. Zudem stehe man für die offiziellen Trails gerade und kümmere sich um sie. Und man wolle auch die Natur schützen. „Wir waren es, die sich an den BUND gewendet haben und gesagt haben: Wir müssen reden.“ Von der unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes Ludwigsburg gebe es derweil keine Gesprächsbereitschaft, um Verbesserungen herbeizuführen. Der Verein setzt dabei auf den Ausbau des Trail-Netzes, damit sich die Nutzung verteile und die Situation entspanne. „Es ist klar, dass sich das hier so konzentriert, wenn es die einzigen legalen Trails im Landkreis sind. Auch in Stuttgart ist das alles illegal.“ Dort seien Trails weggerissen worden, was für noch mehr Ärger gesorgt habe. „Das kann keine Lösung sein“, ist Pyttlik überzeugt. Die Trailsurfer wünschen etwa eine Verbindung zwischen der Gronauer Platte und der Krugeiche.

Von der Pressestelle des Landratsamts Ludwigsburg heißt es, man sei den Trailsurfern entgegengekommen und habe eine geeignete Alternativstrecke ausgewiesen. „Es finden Gespräche zwischen den Waldbesitzern, dem Landratsamt und den Trailsurfern statt.“ Zu einem möglichen Ergebnis könne man derzeit keine Aussage machen. Aus Sicht von Stefan Pyttlik tut sich allerdings nichts. Vorschläge, die man gemacht habe, etwa am Joachimtrail mit einer Alternativstrecke ein Waldbiotop zu umfahren, würden seit langem ausgesessen. Und bei anderen Lösungsansätzen bekomme man „immer nur“ zu hören, dass es sich um Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH) handele, weshalb eine Veränderung nicht möglich sei. „Beim Landratsamt Heilbronn funktioniert das aber, und einen Meter über die Kreisgrenze dann nicht mehr.“

Ein weiteres Argument führt er mit der Forstwirtschaft an. Die gebe es auch in FFH-Gebieten. Wenn aber Mountainbikes fahren, sei es plötzlich ganz schlimm. „Das ganze Argument verpufft dadurch.“ Der Vereinsvorsitzende sieht eine Lösung in alten Wegen, die in alten Karten eingezeichnet seien und für die noch Wegerecht gelte. „Das wird immer kleingeredet“, sagt der Trailsurfer, der daher zum Entschluss kommt: „Man lässt das alles bewusst eskalieren.“ Er vermisse die richtige Balance bei der Themenbehandlung, in Anbetracht der vielen Menschen, die inzwischen ihre Freizeit auf dem Bike verbringen. „Da stehen wenige gegen ganz viele.“ Und er wehrt er sich gegen den Vorwurf von Nabu und BUND, dass Mountainbiker sich nicht benehmen könnten. „Das Schreiben in den Nachrichtenblättern ist sehr hart und pauschal formuliert.“

Der Oberstenfelder Bürgermeister Markus Kleemann verweist bei der Problematik zunächst auf die Verbesserung, die man bis jetzt erreicht habe. „Man muss sehen, dass wir am Anfang gar nichts hatten und nur illegal gefahren wurde. Es hat eine Steuerung stattgefunden. Ich halte das für einen sehr positiven Prozess.“ Er lobt hierbei das Engagement des Vereins. „Die Trailsurfer haben den Outdoor-Award ja nicht umsonst bekommen. Sie sind ehrenamtlich sehr engagiert und wirken in der Sache auf ihre Mitglieder ein. Allerdings kommen ja auch Fahrer von auswärts.“ Dass es leider schwarze Schafe gebe, „ist problematisch und nicht im Sinne der Vereinbarung“. Schließlich habe man in einem langwierigen Prozess mit vielen Beteiligen eine Lösung gefunden, mit der alle leben könnten. „Wir sind auch angehalten, gegen Verstöße vorzugehen. Unser Gemeindevollzugsdienst kontrolliert. Und wer erwischt wird, wird bestraft“, sagt Kleemann, an den aus der Bevölkerung Beschwerden wegen des illegalen Fahrens herangetragen worden seien. Im Nachrichtenblatt hat er fürs Thema sensibilisiert. „Wir wollen keine Verbotskeule schwingen. Aber ans Landeswaldgesetz haben sich alle zu halten.“ Das jetzige Trail-Angebot sei gut, auch wenn auf Waldwegen ins Tal gefahren werden muss. Entsprechend bleibt er dabei: „Ich hoffe, dass diese Lösung langfristig für alle Seiten zufriedenstellend ist.“

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