Feldwege gibt es auf den Fildern einige – und auch Natur satt. E-Bikes nach juristischer Definition dürfen hier aber nicht gefahren werden. Pedelecs schon. Foto: Thomas Rathay

Immer mehr Menschen setzen auf Fahrräder mit Elektromotor. Ein Händler, ein Sportler und ein Arzt berichten, welche Auswirkungen das hat.

Filder - Ob zur Schule, zur Arbeit oder in der Freizeit – das Fahrrad wird als Verkehrsmittel immer beliebter. Das gilt auch für Räder mit Elektromotor. Laut dem Statistikportal Statista besaßen 2015 insgesamt zweieinhalb Millionen Leute in Deutschland ein Elektrofahrrad oder Pedelec. In diesem Jahr sind es gemäß Statista schon fast sechs Millionen.

Diese Entwicklung spüren auch Händler. Seit 2012 verkauft Jörg Roßricker in Harthausen Pedelecs. E-Bikes hat er nicht im Sortiment, denn für ihn haben sie mit einem klassischen Rad wenig zu tun. „Damit darf man ja nicht einmal auf den Feldwegen fahren“, sagt der Geschäftsführer des Fahrradhandels Drahtesel. Immer weniger Kunden kaufen bei ihm normale Fahrräder, „Schüler sind dabei ausgenommen“. Aber auch sie steigen teils um. Bei jungen Kunden ist es aber „oft eine Kostenfrage“, erzählt Roßricker. Für den Motor fallen laut dem Händler in der Regel rund 1000 Euro zusätzlich an.

Mountainbiker fahren schon mit E-Antrieb

Der Trend hin zum Pedelec ist auch bei Sportlern angekommen. „Manche unserer Mitglieder fahren solche Fahrräder“, sagt Karl-Heinz Liebemann, Vorsitzender des Radsportvereins Vaihingen. Für den Radrennsport kann er sich Motoren nur schwer vorstellen, beim Mountainbiken seien sie aber schon etabliert. Der Sieger der deutschen E-Mountainbike-Meisterschaften, Fabian Scholz, stammt aus den Reihen der Vaihinger. Bei dieser Disziplin müssen Gebirge bezwungen werden, und das höhere Gewicht bietet eine bessere Haftung auf dem Untergrund.

„Es werden sich auch Pedelec-Gruppen bei uns bilden“, prophezeit Liebemann und sieht das keinesfalls negativ. „Sportler, die aufgrund von Verletzungen oder gesundheitlichen Gründen nicht im vollen Besitz ihrer Kräfte sind, können durch die Extraleistung früher ins Training einsteigen.“ Aber auch im Alltag sieht er die Vehikel als sehr nützlich an: „Wäre mein Arbeitsplatz nicht im selben Haus, in dem ich auch wohne, würde ich schon längst ein Pedelec besitzen.“ Für sich als Trainer sieht Liebemann in einem motorisierten Rad durchaus einen Vorteil: „So schnell wie meine jungen Schüler fahren, werde ich irgendwann auf ein Pedelec umsteigen müssen.“

Viele unterschätzen Gewicht und Geschwindigkeit

Der Radhändler Jörg Roßricker sieht ebenfalls Vorteile – aber auch Gefahren. Gut sei: Die Umwelt wird entlastet, „Leute fahren damit zur Arbeit und verzichten auf das Auto“, sagt der Mann aus Harthausen. „Dadurch gibt es auch weniger Belastung für den Verkehr.“ Außerdem bewegen sich die Menschen mehr. Und zwar auch jene, die nicht mehr so viel Kraft haben oder krank sind.

Dennoch warnt er auch: „Wenn man aus der Übung ist, sollte man nicht glauben, dass alles wie früher funktioniert.“ Das Pedelec übernimmt nicht alle Aufgaben für den Fahrer. Viele Nutzer unterschätzen das Gewicht des Akkus; er kann zwischen sechs und sieben Kilogramm wiegen. Auch die Geschwindigkeit ist tückisch, weil man das Gefühl dafür verlieren kann – anders als wenn man aus eigener Kraft tritt. Zudem erwarten Autofahrer nicht, dass ein Fahrrad mit einer derart hohen Geschwindigkeit unterwegs ist. „Die Fahrt mit einem Pedelec bringt ein erhöhtes Unfallrisiko mit sich“, sagt Roßricker. „Allerdings nur, wenn es sich um keinen geübten Fahrradfahrer handelt.“ Er dachte bereits an ein Fahrsicherheitstraining in Kooperation mit der Stadt Filderstadt – diese Idee zerschlug sich aber.

Schwere Unfälle gibt es aber auch

Laut einer Statistik der Polizei Stuttgart kam es 2018 zu fast 100 Unfällen, in die Pedelecs verwickelt waren. Ein Jahr zuvor waren es 59. Sicherlich auch, weil immer mehr Leute Pedelec fahren. Weniger als ein Sechstel der involvierten Pedelecfahrer verletzten sich schwer, so die Statistik. Die restlichen kamen mit leichten Blessuren oder heil davon.

Dass die meisten Pedelec-Unfälle eher glimpflich ausgehen, bestätigt Markus Ebel, Arzt in der Filderklinik. „Im aktuellen Jahr finden sich unter bisher über 3000 chirurgischen Patienten lediglich sechs in Verbindung mit einem Fahrrad“, sagt er. Verschiedene Fälle in der Region zeigen aber, dass es anders ausgehen kann. So sind beispielsweise 2016 ein 79-Jähriger in Kernen (Rems-Murr-Kreis) und ein 80-Jähriger in Stuttgart-Weilimdorf nach einem Sturz vom Pedelec gestorben.

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