Immer wieder steht Monika Knopf vor Baustellenschildern, wo Radverbindungen plötzlich enden. Foto: Philipp Braitinger

Bei den milden Temperaturen sind viele Menschen mit dem Rad unterwegs. Nicht angekündigte Baustellen erschweren auf den Fildern aber immer wieder das Vorankommen. Warum?

Für Monika Knopf ist das Fahrrad seit vielen Jahren das Verkehrsmittel Nummer eins im Alltag. Mehrere tausend Kilometer legt sie das ganze Jahr über zurück. Viel ist sie in ihrer Heimatstadt Leinfelden-Echterdingen und in der Umgebung unterwegs. Immer wieder wird sie dabei jedoch von Baustellensperrungen ohne gute Umleitungsausschilderung überrascht.

 

Das zeigt aus Knopfs Sicht, dass Radfahrer – trotz vieler Bekenntnisse, den Radverkehr zu fördern – häufig immer noch als Verkehrsteilnehmer zweiter Klasse behandelt werden. „Mit Autofahrern würde man sich so etwas nicht erlauben“, ist sich Monika Knopf, die sich im Vorstand des örtlichen ADFC engagiert, sicher. Dass sie mit ihrer Einschätzung nicht allein ist, zeigt ein Blick in den ADFC-Radfahrklimatest. Wie eine gute Radfahrer-Umleitung aussehen sollte, ist in einem Leitfaden der Arbeitsgemeinschaft Fahrrad- und Fußgängerfreundlicher Kommunen (AGFK) nachzulesen.

Einige Negativ-Beispiele hat Monika Knopf in den vergangenen Wochen und Monaten mit Fotos dokumentiert. Einmal versperrte ihr ein Bauzaun die Weiterfahrt, als sie aus dem Körschtal nach Hause wollte. An einer anderen Stelle war plötzlich bei der Messe der Weg gesperrt. Es gab zwar eine Umleitung. Dafür mussten Radfahrer aber umständlich eine Treppe überwinden oder durch einen kleinen und matschigen Pfad im Wald fahren. Die Liste an Widrigkeiten ließe sich noch fortsetzen.

Probleme auf Wald- und Forstwegen auf den Fildern

„Das ist so eine Ignoranz“, ärgert sich Knopf inzwischen. Auch auf Wald- und Forstwegen würden die Verkehrsverbindungen für Holzfällarbeiten zuweilen mitten im Wald mit einem Band gesperrt. Und dann? Wer sich gut auskennt, kann den Bereich umfahren. Wer keine guten Ortskenntnisse besitzt, im Wald vielleicht auch keinen Empfang mit dem Handy hat und sich keine neue Route planen kann, ist aufgeschmissen. „Es ist das fehlende Verständnis“, vermutet Knopf.

Die zuständigen Ämter betonen, dass für Wegesperrungen eine „Verkehrsrechtliche Anordnung“ beantragt werden muss. Dafür würden dann alle Verkehrsarten betrachtet, erklärt der Filderstädter Ordnungsamtschef Jan-Stefan Blessing. Lediglich bei kleineren Baustellen in Nebenstraßen werde zuweilen auf eine Umleitung verzichtet. Theoretisch sei alles gut geregelt. Dass es in der Praxis mitunter dann trotzdem Probleme gebe, schließt Blessing aber nicht aus.

Nach einem Hinweis gehe man den Problemen nach. „Dann kann man nachjustieren“, verspricht er. Denn gute Bedingungen für den Radverkehr brächte die Stadt ihrem Ziel näher, den nicht-motorisierten Verkehr vor allem innerhalb der Stadt zu stärken. Ein entsprechender Mobilitätsentwicklungsplan 2030 wird erarbeitet.

Radfahren im Landkreis Esslingen

Auch der Landkreis Esslingen erklärt, dass Radfahrer wie Fußgänger, Autos und der Busverkehr bei einer Sperrung berücksichtigt werden müssen. Eine gesonderte Umleitungsführung ausschließlich für Radfahrende werde aber nur dann ausgeschildert, wenn die bestehende Umleitung nicht für alle Verkehrsteilnehmenden gleichermaßen nutzbar und verkehrssicher ist. Eine spezielle Dienstanweisung, die Baufirmen oder andere Akteure generell dazu verpflichtet, eine separate, ausschließlich dem Radverkehr vorbehaltene Umleitung einzurichten und auszuschildern, gebe es nicht.

Auch Radfahrer müssen bei einer Sperrung berücksichtigt werden – heißt es aus den Ämtern. Foto: picture alliance/dpa

„Maßgeblich ist, dass die eingerichtete Verkehrsführung insgesamt verkehrssicher ist und von allen vorgesehenen Verkehrsteilnehmenden genutzt werden kann“, erklärt die Landkreissprecherin Nicole Klöckner. Dass Radfahrer zuweilen trotzdem den Eindruck hätten, dass Umleitungen für sie schlechter ausgeschildert seien, entstehe wohl vor allem dort, „wo der Radverkehr nicht über eigene, baulich getrennte Anlagen geführt wird oder wo die örtlichen Gegebenheiten eine parallele Führung von Kfz- und Radverkehr erschweren“.

Leinfelden-Echterdingen will die Rad-Infrastruktur ausbauen

In Leinfelden-Echterdingen wird zur Entlastung der Straßen vom Autoverkehr ebenfalls auf einen Ausbau der Infrastruktur für Radfahrer gesetzt. Ziel sei es, den Radverkehrsanteil von zwölf Prozent im Jahr 2014 auf 17 Prozent bis zum Jahr 2030 zu erhöhen, teilt Sprecher Thomas Krämer mit. Bei wichtigen Radverkehrsverbindungen sei es der Anspruch der Stadt, für Baustellen auch eine Umleitungsstrecke auszuweisen. Es würden aber alle Baustellen einzeln betrachtet und geschaut, ob andere Wegeführungen möglich sind.

Ostfildern betont, auf Baustellen in seinem offiziellen Baustellenkalender hinzuweisen, erklärt Sprecherin Tanja Eisbrenner. Für die Mitarbeiter vor Ort gelten ferner die bereits erwähnten verkehrsrechtlichen Anordnungen. Darin stehe auch, wie die Umleitungen einzurichten und auszuweisen seien. „Die Vorgaben sind klar formuliert und müssen ohne Interpretationsspielraum umgesetzt werden“, so die Sprecherin. Auch Ostfildern habe das Ziel, den Autoverkehr zu reduzieren. Der Radverkehr soll von derzeit 19 Prozent auf 24 Prozent bis zum Jahr 2040 steigen. Dafür werde regelmäßig überprüft, ob die Beschilderung verständlich und sichtbar ist.

Die Landeshauptstadt Stuttgart betont, dass bei Einschränkungen auf Hauptradrouten und anderen wichtigen Radverbindungen Umleitungen in der Regel angeordnet werden. Grundsätzlich seien die Ausschilderungen aus Sicht der Ämter nicht schlechter als für den Autoverkehr, so die Einschätzung. Allerdings reagierten Radfahrer, ähnlich wie Fußgänger, empfindlich auf Umleitungen.

„Deshalb versucht die Verwaltung im innerstädtischen Bereich zunächst, den Radverkehr möglichst direkt weiterzuführen“, erklärt Sprecher Oliver Hillinger. Dabei kann es passieren, dass Radfahrer auf den Gehweg oder die Straße müssen. Schwieriger wird es außerorts, auf Wirtschaftswegen. Denn dort sei oft unklar, welche Ziele die Radfahrer hätten. Im Einzelfall gebe es jedoch stets auch die Möglichkeit, sich an die Ämter zu wenden, um eine Ausschilderung zu verbessern.

So wird das Fahrrad frühlingsfit

Inspektion
Vor allem bei Verschleißteilen wie Kette oder Bremse lohnen sich regelmäßige Pflege und vielleicht sogar eine Inspektion beim Profi. Denn Schmutz und alter Schmierstoff schädigen Kette, Kassette und Schaltwerk. Wenn das Fahrrad über den Winter im Keller stand, sollte vor der ersten Fahrt im Frühjahr ein Bremstest stehen.

Frühjahrsputz
Auch das Fahrrad kann einen Frühjahrsputz gebrauchen, wenn der Drahtesel nicht ohnehin das ganze Jahr über im Einsatz ist. Dazu zählt: den Winterdreck vom Rahmen putzen, Schrauben nachziehen und die Kette ölen.