Ein Knackpunkt für die Radwegeführung in Heiningen: Hier geht’s  zum Eichert und zur Klinik. Aber wie könnte man die Abzweigung für Radfahrer gestalten? Foto: Giacinto Carlucci

Verkehrsplaner Peter Sautter will Lust aufs Radfahren auf ruhigen Wegen jenseits der Ortsdurchfahrt von Heiningen wecken. Eine Problemstelle ist die Abzweigung Richtung Eichert. Der Feldweg wäre für Mitarbeiter der Klinik ideal.

Heiningen - Es gab mal die Frage, was Heiningen mit seiner schönen neuen Ortsdurchfahrt für die Radfahrer tun kann. Das ist verzwickt, weil die Straße nicht breit genug ist für idealerweise zwei Radschutzstreifen. In der Ortsmitte ist eine Antwort insofern erfolgt, als Tempo 30 gilt und der Radfahrer so einen gewissen Schutz hat.

 

Es gibt noch eine andere Antwort. Die gibt der Radverkehrsplaner, den die Gemeinde jetzt hat: Peter Sautter will die Leute gar nicht auf die Ortsdurchfahrt lenken, weil er auf die potenziellen Radfahrer zielt – und die würden sich auf der Ortsdurchfahrt nicht wohlfühlen, glaubt er. „Für die subjektive Sicherheit ist die Hauptstraße überhaupt nicht geeignet“, erläuterte er im Gemeinderat.

Wie kommen die Mitarbeiter per Fahrrad zur Klinik am Eichert?

Nach Ansicht von Sautter gibt es viele Menschen, die das Rad nehmen würden, das sie im Keller stehen haben, aber die nicht die nötige Sicherheit auf den Straßen sähen. Was da alles möglich wäre: Mit dem Rad zum Einkaufen fahren, zum Kindergarten, zum Arbeitsplatz, in der Freizeit. Sautter und der Gemeinderat zielen speziell auch auf Heininger, die an der Klinik am Eichert arbeiten. Da ist der Radweg eine ebene Strecke. Sie müssen oder müssten allerdings irgendwie über die Straße kommen, die nach Göppingen führt und stark befahren ist.

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Und das ist ein Problem oder auch eine harte Nuss, über die der Gemeinderat nachdenkt. Soll man die Straße außerorts an der Abzweigung Richtung Eichert umbauen? Sautter hat es mal aufgezeichnet. Man bräuchte Aufstellflächen, man müsste die Straße aufweiten. Bürgermeister Norbert Aufrecht: „Es würde Geld kosten.“ Wenn das Land, dem die Straße gehört, sowieso was machen würde, wäre es anders, sagt er. Andererseits sieht Aufrecht auch Chancen. Denn: „Das Land will Radverkehr.“ Er hat gerade in Heiningen dafür ein Beispiel: Im Herbst solle die Lücke am Radweg nach Bezgenriet geschlossen werden. Das Land gibt dafür Geld.

Es gibt weitere Problemstellen, die der Radwegplaner ausgemacht hat. An der Kreuzung von der Mörikestraße zur Bergstraße kommt der Radfahrer nicht so einfach raus auf die Hauptstraße. An der Hauptstraße gibt’s zwar gleich zwei Ampeln für Fußgänger, bei Grün könnte sich der Radfahrer einklinken. Nur kann er mit seinem kleinen Gewicht die Induktionsschleife nicht auslösen, die unter der Einmündung liegt. Sautters Vorschlag: Eine Taste für Radfahrer aufstellen, das koste nur ein paar hundert Euro.

Kein Geld für einen Kreisverkehr

Viel Verkehr herrscht an der Abzweigung zur Voralbhalle. Wenn dort ein Kreisverkehr käme, von dem schon mal die Rede war, würde das dem Radverkehr nützen, sagt Sautter. Allerdings hat Heiningen dafür kein Geld. Wie Sautter den Verkehr durch den Ort führen will: Von der Jebenhäuser Straße parallel zur Hauptstraße. Wichtig dabei wäre ein Durchstich, wenn von der Gartenstraße eine Zufahrt zum Baugebiet Breite III gebaut wird. Sodann könnte eine Fahrradstraße dem Radfahren in Heiningen Schub verleihen. Aber die werde kaum irgendwo möglich sein, sagt Sautter.

Doris Röhm (Frauenliste) findet es gut, den Radfahrer von der Hauptstraße wegzuführen in die zweite Reihe. In der Ortsdurchfahrt sei es unangenehm. Rolf Reick (Freie Wähler) wünscht sich Zahlen dazu, wie viele Radfahrer eine Querung an der Göppinger Straße nutzen. Sautter sagt es so: Im Moment seien es zu wenig.

Steigung nach Heiningen kein Problem mehr dank E-Bike

Für den Schultes Norbert Aufrecht ist die Göppinger Straße und das Heubachtal die Hauptachse für den Weg nach Göppingen. Wenn man eine Querung baue, kriege man vielleicht mehr Leute auf die Strecke, auch Schüler oder Senioren. Aus der Gegenrichtung sei die Steigung nach Heiningen herauf heutzutage mit dem E-Rad keine Anstrengung mehr.

Wie schnell kann das neue Konzept umgesetzt werden? Das fragt Matthias Kreuzinger (Bürgerliste/CDU). Der Planer will die Strecke oder Strecken mit der Gemeinde abstimmen, gerne mit einem Arbeitskreis, den Rainer Vogl (Grüne) vorschlägt. Das nütze der Sache unbedingt.

Schutzstreifen bringen kaum Sicherheit

Pseudosicherheit
  Der Radverkehrsplaner Peter Sautter schreibt Schutzstreifen nur eine Pseudosicherheit zu. Die Schutzstreifen würden auch nicht angenommen, sagt er. Richtig sei: 50 Zentimeter Trennung von Radweg und Straße. Aber den Platz gebe es nicht. Die Mindestbreite von 1,25 Meter sei auch zu schmal.

Trennung
Der Heininger Bürgermeister Norbert Aufrecht hört vom ADFC, dass diese Institution gar nicht mehr begeistert sei von Schutzstreifen. Der ADFC fordere eine bauliche Trennung von Radweg und Straße, wie beispielsweise in Holland.

Umbau
Der Schultes setzt auf Ausschilderung. Sollten die Radwege dann massenhaft genutzt werden, wären bauliche Veränderungen ein Thema.