2001 erscheint der erste Harry-Potter-Film "Harry Potter und der Stein der Weisen". Foto: Verleih

Hauptdarsteller sind vor Premiere des letzten Zweiteilers auf Sinnsuche für die Zeit danach.

London - Für Fans ist die heutige Weltpremiere von "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes" das Ende einer Ära. Doch für Emma Watson (20), Daniel Radcliffe (21) und Rupert Grint (22) beginnt nach sieben Büchern, acht Filmen und zehn Jahren ein neues Leben. Aufgewachsen vor Millionenpublikum, müssen die drei reichen, jungen Singles nun einen ganz realen Fluch bannen: Auf ewig mit den Filmkindern Hermine, Harry oder Ron verwechselt zu werden.

Champagner und Tränen sollen geflossen sein, als die letzten Szenen für den epochalen Blockbuster abgedreht waren. Gemischte Gefühle sind da verständlich: Emma, Daniel und Rupert haben immerhin seit ihrem zehnten Lebensjahr zusammen vor der Kamera gestanden; eine Zeit, in der das britische Schüler-Trio ganz allmählich groß geworden ist. Doch zwischen dem, was die erwachsenen Stars jetzt sein wollen und was die Fans sie sein lassen, liegen Welten.

Neun Jahre keine Sommerbräune

Den am meist debattierten Bruch mit ihrer Filmrolle hat Emma Watson gewagt: Ihr wallendes, braunes Haar, das sie jahrelang um Hermines Willen gehegt hat, musste als Erstes dran glauben. "Ich war neun Jahre lang vertraglich verpflichtet, sie nicht zu kürzen und auch Sommerbräune zu vermeiden", verrät sie. Als alles vorbei war, hat sie die Chance beim Schopf gepackt und sich einen raspelkurzen Bubikopf zugelegt. "Die Locken fielen, und ich habe mich sofort erwachsen gefühlt", sagt sie. Die Wandlung zur Frau gefällt längst nicht jedem: In einer Umfrage wünscht die Mehrheit der Briten sich Hermines Frisur zurück - und natürlich auch eine Fortsetzung von Harry Potters Abenteuern.

Eine ähnliche Erfahrung musste auch der berühmte Zauberlehrling höchstpersönlich machen, als er 2008 im Broadway-Stück "Equus" mit nacktem Oberkörper auftrat. Zum Schock der wehmütigen Fans machte Radcliffe da eine ganz andere Figur als der kleine Harry in ihrer Erinnerung. "Vielleicht lass' ich mir ein paar Tattoos stechen, um von diesem Kinderimage loszukommen", seufzt Radcliffe nun in einem Interview. Der 21-Jährige schwankt zwischen Karriere, Aufholjagd und Rebellion. "Nach all den Jahren neu anzufangen, macht mich nervös", gesteht er, "ich werde hart arbeiten müssen, um im Geschäft zu bleiben und versuchen, die Filmfigur Harry Potter abzuschütteln."

Zur Volljährigkeit hat er sich eine Junggesellenbude in New York spendiert, dem Vernehmen nach vom Innendesigner mit angesagten Möbeln und einer ordentlichen Stereoanlage eingerichtet. Ehrenplätze in seinem neuen US-Domizil werden wohl zwei Harry-Potter-Brillen bekommen - Andenken, die Radcliffe aus den Londoner Filmstudios mitgenommen hat.

Glück im Job - Pech in der Liebe

Doch bei allem Glück im Job - Radcliffe spielt ab 2011 in einem Broadway-Musical - fehlen ihm zum Glück in der Liebe offenbar die passenden Zaubersprüche. "Ich gucke mir gern Dokumentationen an, bin fasziniert von Archäologie und halte es gern einfach: Ein Cricket-Spiel oder Kneipenbesuch macht mich schon glücklich", sagt er, "ich bin halt nicht cool. Und die Mädchen, die mir gefallen, würden wegen meines Ruhms nicht mit mir zusammen sein wollen.

"Ähnlich trist klingt auch Emma Watson, die ihre neue Freiheit in den USA nicht so recht genießen kann. An der exklusiven "Brown University" in Rhode Island studiert sie mittlerweile Literatur und Geschichte, froh darüber, im Meer ihrer Mitstudenten untertauchen zu können. Doch auch sie klagt: "Ich würde mich gern verlieben, aber es gibt keine Männer, die sich mit mir verabreden wollen." Ihr Rocker-Kumpel George Craig macht indes Watsons vollen Terminkalender dafür verantwortlich, dass "wir unsere Freundschaft bisher nicht auf eine andere Ebene heben konnten."

30 Millionen hat Emma Watson verdient

Im Rückblick bereut es die 20-Jährige, nicht "ein bisschen frecher" gewesen zu sein und will in Zukunft "mehr riskieren". Sie hat angekündigt, Mandoline lernen zu wollen und ein Buch zu schreiben. Sicherlich wird sie sich auch bei Gelegenheit mit Filmfreund Radcliffe darüber austauschen, wie sie ihr Vermögen am schönsten investieren könnten. Der Schatz des Harry-Potter-Helden soll größer sein als das Finanzpolster der britischen Kronprinzen William und Harry; auch Emma Watsons Schauspielerbe wird auf 30 Millionen Euro geschätzt. "Ich habe mit meinem Vater erst vor drei Jahren über das Geld gesprochen", sagt sie, "und mir ist ganz schlecht geworden, als er gesagt hat, wie viel es ist." Auch die Tage, in denen die kleine Hermine mit 60 Euro Taschengeld ausgekommen ist, dürften nun endgültig vorbei sein.

Am besten arrangiert mit seinem Leben nach Harry Potter hat sich Rupert Grint, der im Film Ron Weasley spielt. "Ich wollte nie etwas anderes machen", sagt er, "die Alternative, nur zur Schule zu gehen, wäre doch unendlich langweilig gewesen." Nur die Sommerferien habe er zehn Jahre lang vermisst - in der Zeit mussten die Kinder nämlich drehen. Der bodenständige Grint lebt noch immer in Hertfordshire, pflegt ein Faible für Antiquitätenshows im Fernsehen und tourt aus Spaß mit einem Speiseeis-Mobil durch die Landschaft.

Die große Liebe zu finden sei jetzt, nach Ende der weltberühmten Fantasie-Serie, für ihn das wichtigste Ziel: "Dafür war bis jetzt ja keine Zeit." Sein Talent als Harrys Sidekick will Grint indes schon bald in Komödien ausleben. Als Einziger aus dem magischen Trio hat er das Unabänderliche bereits akzeptiert: "Ich weiß, dass ich für den Rest der Welt immer der Rothaarige aus Harry Potter sein werde."

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