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Nur um ein Haar ist die dänische Zeitung "Jyllands-Posten" einem verheerenden Terroranschlag entgangen. Zwei der mutmaßlichen Attentäter stehen jetzt in Chicago vor Gericht.

Kopenhagen/Chicago - Nur um ein Haar ist die dänische Zeitung "Jyllands-Posten" einem verheerenden Terroranschlag entgangen. Offenbar hatten islamische Fanatiker einen späten Racheakt an dem Medienhaus geplant, das 2006 mit der Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen weltweite Proteste ausgelöst hatte.

Mit einem Lastwagen, voll beladen mit Bomben sollte das Zeitungsgebäude, samt den darin arbeitenden Journalisten in die Luft gejagt werden. Zwei der Hauptdrahtzieher des geplanten Anschlags, der US-Bürger David Headley und der Kanadier Rana Tahawwur, sind jetzt in Chicago von der US-Justiz der Planung von Terroranschlägen und Unterstützung terroristischer Vereinigungen angeklagt worden. Headley soll darüber hinaus eine Schlüsselrolle bei den Terroranschlägen von Mumbai im November 2008 gespielt haben.

Die beiden 49 Jahre alten Männer stammen ursprünglich aus Pakistan und hätten sich auf das Attentat in Dänemark bis ins Detail vorbereitet. Headley hieß vor seiner Namensänderung Daood Gilani und soll laut der dänischen Zeitung Politiken schon US-Geheimdiensten behilflich gewesen sein. Er fiel Agenten auf, weil er regelmäßig Beobachtungstouren mit Notizblock und Kamera rund um das Gebäude der "Jyllands-Posten" gemacht hatte, unweit vom Wohnort des Zeichners Kurt Westergaard, der kürzlich nur knapp einem Mordanschlag in seinem Eigenheim durch einen somalischen Extremisten entkommen war.

Headley soll zudem vor Jahren regelmäßig nach Indien gereist sein, um dort geeignete Terrorziele auszuspähen. Seine Beobachtungen und Aufzeichnungen sollen letztlich in dem blutigen Anschlag in Mumbai im November 2008 gegipfelt haben, bei dem 160 Menschen starben.

Die US-Bundespolizei FBI hatte den Terrorverdächtigen am 18.Oktober 2009 in Chicago verhaftet, als er gerade ein Flugzeug nach Pakistan besteigen wollte. Die Ermittler hatten ihn monatelang observiert und aufgedeckt, dass er mit einer pakistanischen Terrorgruppe in Kontakt stand, die mit seiner Hilfe weitere Anschläge in Indien und Europa plante.

Auch gegen den vermeintlichen Anführer seiner Gruppe wurde ein US-Haftbefehl erlassen. Dabei soll es sich um Ilyas Kashmiri, Führer der pakistanischen Terrorgruppe Harakat ul-Jihad-I-Islami handeln, die auch enge Kontakte zur ElKaida haben soll, schreibt die Zeitung Politiken in ihrer Internetausgabe am Freitag. Kashmiri soll sich zurzeit in der pakistanischen Region Waziristan aufhalten. Er soll das Hirn der Terrorattacke gegen die Zeitung sein und sich um die kostspielige Finanzierung und die Bewaffnung durch Glaubensbrüder in Westeuropa gekümmert haben.

Dass neue Terrorattacken kommen würden, davor warnte der rechtsliberale dänische Ministerpräsident Lars Lokke Rasmussen bereits nach dem kürzlich gescheiterten Mordanschlag an einem der Zeichner der Mohammed-Karikaturen. Richtig geglaubt hat es unter den für ihre Gelassenheit bekannten Dänen dennoch niemand. "Die machen sich alle nur verrückt", so der Tenor. Nun ist das Entsetzen groß. Eigentlich hatten die meisten Dänen geglaubt, den Karikaturenstreite nach vier Jahren überstanden zu haben. Die Diskussion ging sogar schon so weit, dass eine wachsende Mehrheit die Ansicht vertrat, in Dänemark würden vor allem Rassisten und Moslemhasser die Presse- und Meinungsfreiheit als Deckmäntelchen für primitivere Beweggründe ausnutzen.

Doch das Gerede über Terroranschläge war keine Übertreibung von Sicherheitsfanatikern in Uniform. Die Nachricht erschütterte das ganze Land: Wegen der bloßen Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen sollen islamische Fanatiker geplant haben, das ganze Redaktionsgebäude der in Aarhus beheimateten größten dänischen Tageszeitung, ebenso wie deren Hauptstadtbüro in Kopenhagen in die Luft zu sprengen. Die rechtskonservative "Jyllands-Posten" hatte mehrere Zeichner beauftragt zwölf Karikaturen des moslemischen Propheten Mohammed einzureichen, die im Herbst 2005 publiziert wurden. Die Veröffentlichung der Karikaturen löste Monate später 2006 gewaltsame Proteste gegen Dänemark in großen Teilen der islamischen Welt aus.

Der Anschlag auf die "Jyllands-Posten" wurde vereitelt, die Sicherheitsvorkehrungen unmittelbar verschärft. Aber ein Ende des Terrors sei nicht in Sicht, solange ElKaida nicht ausgelöscht sei, sagte Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen.

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