Eine wirklich nette Familie – und ein bisschen flexibler als viele andere, schon ein halbes Jahrhundert lang Foto: Egmont Ehapa

Was hätte Barbapapa in der Corona-Krise gemacht? Irgendetwas Kluges, Hilfreiches, Erstaunliches bestimmt. Die Fantasiefiguren der Barbapapa-Welt sind sehr sympathisch – und feiern nun ihr großes Jubiläum.

Paris - Manchmal entstehen die besten Ideen aus reinen Zufällen. So war es auch vor 50 Jahren im Pariser Jardin du Luxembourg. Am 19. Mai 1970 spazierte der US-amerikanische Biologielehrer Talus Taylor mit der französischen Architekturstudentin Annette Tison im Park und beobachtete ein Kind mit seinen Eltern, das etwas brabbelte wie „baa baa baa baa“. Die angehende Architektin klärte ihn auf: Es ging um Zuckerwatte, die das Kind haben wollte, auf Französisch „barbe a papa“ - Großvaters Bart.

Die rosafarbene Süßigkeit inspirierte den Nachmittag - und Taylor und Tison begannen ihrer Überlieferung nach, in einem Straßencafe die Konturen einer runden rosa Figur zu kritzeln: die Geburtsstunde von einem, der ein Kleinkinder-Weltstar werden sollte: „Barbapapa“.

Farbige Fantasiefiguren

Die Barbapapas sind eine Familie farbiger Fantasiefiguren. Eigentlich sind sie birnenförmig; wie Knetgummi können sie aber beliebig ihre Form ändern und sich so sehr nützlich machen, etwa als Treppe, wenn es brennt; als Schubkarre oder Eisenbahn, wenn etwas zu transportieren ist; als Brücke, wenn es ein Hindernis zu überqueren gilt - oder als Tisch oder Stuhl. Sie sind freundlich, hilfsbereit und lustig - ideale Helden für vierjährige Kinder, die davon träumen, jede Grenze überwinden zu können.

Um sich zu verwandeln, braucht Barbapapa nicht mehr als seinen Zauberspruch: im französischen Original „Hup Hup Hup, Barbatruc“. In der deutschen Synchronisation heißt es: „Ra-Ru-Rick, Barbatrick“ - und auf Englisch „Clickety Click − Barba Trick“.

Klima war früh ein Thema

Es heißt, Barbapapa sei im Garten geboren - wie eine Blume. Er ist immer einsatzbereit, und seine Hilfsbereitschaft buchstäblich grenzenlos. Auch Barbamama ist schwer auf Zack - selbst wenn sie noch stark in den klassischen Rollenbildern verhaftet ist. Sie kocht gerne für ihre sieben Kinder, kümmert sich um Haus und Garten. Aber wenn nötig, kann sie auch Dämme reparieren und sogar Lava aus Vulkanen umleiten!

Wie ihre Eltern können auch die Barba-Kinder ihre Form ändern, wie sie es gerade wollen: dick oder dünn, kurz oder lang, rund oder eckig. Der gelbe Barbakus liebt und beschützt Tiere und Pflanzen. Als Naturwissenschaftler weiß er auch alles über Klima und Umweltverschmutzung - und das schon in den 70er Jahren!

Die grüne Barbalala singt für ihr Leben gern - und spielt eine Menge Instrumente. Barbaletta, orange, ist eine echte Intellektuelle, Aktivistin und Leseratte - aber keine einfache Persönlichkeit. Oft hat sie Streit mit Barbabum, weil beide gerne Chef sein möchten.

Muckis und Parfum

Der rote Barbabum liebt seine Muckis und stemmt ständig schwere Gewichte. Außerdem spielt er gerne Detektiv mit seiner Sherlock-Holmes-Mütze, Lupe und seinem treuen Hund Lolita. Barbabum ist sehr von sich überzeugt - aber er ist ein guter Freund.

Der schwarze Barbabo ist der Künstler in der Familie. Er trägt sein Haar zeitgemäß: verwegen lang. Seinen Skizzenblock hat er immer bei sich. Malen, zeichnen, modellieren: Barbabo hat Kunst drauf. Aber: In seinen kreativen Phasen kann er ziemlich empfindlich sein.

Barbabella, die violette, beschäftigt sich am liebsten mit ihrem Aussehen; sie findet sich nämlich äußerst schön, mag Schmuck, Kleider und Parfum und verbringt viel Zeit mit Schminken. Angst hat sie vor kleinen behaarten Tieren wie Raupen oder Spinnen. Ihre Brüder finden das albern.

In mehr als 30 Sprachen

Der blaue Barbarix, Erfinder und Wissenschaftler, ist der Klügste der sieben. Seine Spielwiese sind Chemie, Astrophysik oder Genetik, Mixturen und Maschinen. Seine Erfindungen sind meist nützlich, manchmal aber auch katastrophal.

Die beiden Autoren, Annette Tison (1942-2010) und Talus Taylor (1933-2015), heirateten und schufen ab 1970 elf Bücher über die Barbapapas, die in mehr als 30 Sprachen übersetzt wurden. Bis 1999 entstanden insgesamt 150 TV-Episoden a fünf Minuten. Die Erstausstrahlung im deutschen Fernsehen fand am 5. November 1974 im Ersten statt.

Wie alle nostalgischen Kinderzimmerhelden erlebte auch Barbapapa eine Wiederauferstehung im Merchandising-Regal. Die Barbas gibt es auf Tassen und Kinderbesteck, als Spielzeugkegel und Sirupflasche, als Holzspieluhr, Lichterkette und für die Playstation. „Kommt und besucht mal Barbapapa!“

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