Die Karriereleitern für Rektoren scheinen an der Hochschule Esslingen eher kurz zu sein. Foto: Horst Rudel/Archiv

Nach Vorbehalten gegen seine Arbeit bewirbt sich Christian Maercker nicht mehr für eine weitere Amtszeit. Er geht davon aus, dass er sich mit der von ihm initiierten Neustrukturierung der Fakultäten nicht nur Freunde gemacht hat.

Esslingen - Von September an wird in jedem Fall ein neuer Rektor die Geschicke der Hochschule Esslingen lenken. Denn Christian Maercker wird nach sechs Jahren an der Spitze der Einrichtung nicht mehr zur Wahl am Dienstag, 22. Januar, antreten. Der 54-jährige Biologe hat seine neuerliche Kandidatur zurückgezogen, nachdem ihm die aus Mitgliedern des Hochschulrats und des Senats zusammengesetzte Findungskommission signalisiert hat, mit seiner Arbeit nicht zufrieden zu sein. In erster Linie habe er sich mit der von ihm angestoßenen Neustrukturierung der Fakultäten wohl nicht nur Freunde gemacht, vermutet Christian Maercker.

Die Bosch-Managerin Heidi Stock leitet die Findungskommission und ist die Vorsitzende des Hochschulrats. Auf die Frage, welche Gründe gegen Christian Maercker als Rektor sprächen, könne sie aus rechtlichen Gründen „leider keine konkrete Antwort geben, auch wenn ich gerne würde“. Die Findungskommission habe mit allen Kandidaten Vorstellungsgespräche geführt. Darauf basierend würden dem Senat und dem Hochschulrat am Dienstag Kandidaten zur Wahl vorgestellt. Laut einer Auskunft der Hochschule Esslingen sind es noch vier Frauen und Männer, die sich um den Chefsessel bewerben – darunter Peter Väterlein, der von 2010 bis 2016 bereits Prorektor der Hochschule war.

Maercker spürt keine Unterstützung mehr

Christian Maercker ist nicht mehr mit von der Partie. Zwar habe er sich „nochmal beworben“, seine Kandidatur aber nach Gesprächen mit der Findungskommission und mit Dekanen der Hochschule zurückgezogen. Ihm sei deutlich gemacht worden, dass „man mich künftig in den Gremien nicht mehrheitlich unterstützen wird“.

Eine Kandidatur mache vor diesem Hintergrund keinen Sinn, weshalb er beschlossen habe zurückzuziehen – auch „um den zügigen Ablauf bei der Wahl nicht zu behindern“, wenn letztlich ohnehin keine Aussicht auf die nötige Mehrheit der Stimmen bestehe, erklärte Christian Maercker auf Anfrage unserer Zeitung.

Die von ihm initiierte Neustrukturierung der Hochschule, mit der er die Einrichtung „besser und flexibler“ habe aufstellen wollen, habe wohl auch „Ängste vor Veränderung“ geweckt, so Christian Maercker. Das habe den Prozess gehemmt, in dessen Zug er die Anzahl von elf Fakultäten deutlich habe reduzieren wollen – nicht, um Geld zu sparen, sondern „um Synergien zu schaffen“, wie er betont. Beispielsweise könnten neue Studiengänge aufgenommen und im Gegenzug solche eingestellt werden, die nicht mehr nachgefragt seien oder am Arbeitsmarkt eine untergeordnete Rolle spielten. Freilich fürchteten einige Dekane, im Zuge der neuen Organisation an Einflussnahme zu verlieren, wenn sie dann Teil einer großen Fakultät wären. Christian Maercker zufolge ist die in Esslingen „breit kommunizierte“ Neustrukturierung der Fakultäten an anderen Universitäten „bereits erfolgreich umgesetzt worden“. Davon, dass dies der richtige Weg sei, ist Maercker nach wie vor überzeugt. Denn er vertrete die Ansicht, die Hochschulen seien „Gefangene ihrer eigenen Strukturen, was die Weiterentwicklung betrifft“.

Unmut herrschte bereits vor knapp drei Jahren

Der Rektor Christian Maercker hatte aber schon im Vorfeld an der Hochschule Esslingen keinen leichten Stand. Bei der Wahl der Prorektoren im Frühjahr 2016 waren zwei der drei von ihm vorgeschlagenen Bewerber durchgefallen. Schon damals hatte er vermutet, dass ihm der Senat, in dem unter anderem die Dekane der einzelnen Fakultäten vertreten sind, einen Denkzettel verpasst habe. Christian Maercker wertete das Votum vor knapp drei Jahren als „verdeckte Unmutsäußerung“ ihm gegenüber, weil er die Notwendigkeit von Sparmaßnahmen „offenbar nicht ausreichend vermittelt“ habe.

Auch Christian Maercker selbst war im Jahr 2013 nach Querelen an die Spitze der Hochschule Esslingen gewählt worden. Der Senat hatte dem damaligen Rektor Bernhard Schwarz das Vertrauen entzogen, der wegen seines autoritären Führungsstils in die Kritik geraten war.

Christian Maercker ist noch bis zum 31. August als Rektor im Amt. Danach führt ihn sein Weg wohl wieder zurück an seine Stamm-Hochschule in Mannheim. Die dortige Fakultät Biotechnologie sei offenbar „bereit, mich aufzunehmen“.

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