Bodo Schiffmann hat auf seinem privaten Paypal-Konto Geld für Flutopfer gesammelt. Doch niemand will es bisher. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Der Sinsheimer Querdenken-Arzt Bodo Schiffmann bekommt sein für Hochwasseropfer gesammeltes Geld nicht los und hat jetzt ein ernstes Problem.

Sinsheim - Dieses Dixiklo sponsert Ihnen Querdenken – solche Schilder sind im Hochwassergebiet an der Ahr in Rheinland-Pfalz zwar noch nicht aufgetaucht. Doch so ähnlich hat sich das Bodo Schiffmann wohl vorgestellt.

 

Der HNO-Arzt aus Sinsheim gilt als einer der Stars der Coronaleugner-Bewegung, und er hat auf einem Paypal-Konto von seinen Anhängern eifrig Geld gesammelt. „Zu 100 Prozent“ werde es den Hochwasseropfern zugute kommen, heißt es im Spendenaufruf vollmundig.

Nicht als Querdenker, sondern als Mensch und Christ habe er die Sammlung initiiert, behauptet Schiffmann. Allerdings hat er an die Auszahlung eine Bedingung geknüpft: „Die Diskriminierung von Menschen, die sich gegen die Impfung oder das Tragen von Masken entscheiden, muss sofort beendet werden“, erklärte er gegenüber dem Politmagazin „Report Mainz“.

Plakate auf Baumaschinen gefordert

Was das bedeutet, hat er auf seinem Kanal im Messengerdienst Telegram präzisiert. Als Abnehmer suche er „Unternehmen und Bauleute, die kein Problem damit haben, dass sie mit Querdenkern zusammenarbeiten“. Sie könnten „vielleicht ihre gesamte Baumaschine mit Querdenken plakatieren“ und dabei für künftige Demos werben. Wer damit nicht einverstanden sei, gehe eben leer aus.

Gut möglich, dass diese Bedingung der Grund dafür ist, warum bisher tatsächlich niemand das Geld genommen hat. Nur 130 Dixiklos hat Schiffmann gekauft. Selbst der Ortsbürgermeister der stark zerstörten Gemeinde Schuld winkte ab. Dabei handelt es sich um ein erkleckliches Sümmchen. Bis zum Dienstag waren laut einem von Schiffmann geposteten Screenshot 697 630 Euro zusammengekommen. Dann sperrte der Zahlungsdienstleister den Account. „Aufgrund eines potenziellen Risikos wurde der Zugriff auf Ihr Konto dauerhaft eingeschränkt“, schrieb Paypal. Offenbar gibt es Zweifel, dass das Geld wie versprochen verwendet wird.

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Die Bankenaufsicht habe die Sperrung nicht beantragt, sagte eine Sprecherin der Bafin. Auch die Heidelberger Staatsanwaltschaft erklärte, es nicht veranlasst zu haben. Allerdings lägen Anzeigen in der Sache gegen den Arzt vor, die nun geprüft würden. Schon im Februar hatte die Polizei Schiffmanns Praxisräume durchsucht. Damals war es um falsche Maskenatteste gegangen.

Der Zahlungsdienstleister selbst ließ eine Anfrage unserer Zeitung am Mittwoch unbeantwortet. Allerdings gäben die Allgemeinen Geschäftsbedingungen Paypal einen großen Spielraum, erklärte der Würzburger IT-Anwalt Chan-jo Jun in einem Video im Kurznachrichtendienst Twitter. Demnach könnten Konten schon aufgrund von Beschwerden gesperrt werden. Er hatte Schiffmann deshalb dringend geraten, das Geld schnellstmöglich an die Spender zurückzuzahlen. „Vor einer Woche wäre das noch möglich gewesen“, sagte er jetzt.

Schiffmann kommen die Tränen

Für Schiffmann sei die Kontosperrung ein ernstes Problem. Ob Zugriff oder nicht: Als Inhaber des Privatkontos hafte er für die zweckgebundene Verwendung, erklärte Jun. Das Versprechen, 100 Prozent an Hochwasseropfer auszuzahlen, falle ihm nun auf die Füße. Gelinge dies nicht, stehe Betrug im Raum. Eine Weitergabe an offizielle Hilfsorganisationen fällt aus, weil dort Verwaltungskosten anfallen. Offenbar scheint Schiffmann seine schwierige Lage allmählich bewusst zu werden. Auf seinem Telegram-Video kommen ihm die Tränen. Dabei habe er doch gerade Abnehmer für das Geld gefunden: drei Familien mit schwerbehinderten Kindern, eine ältere Dame im Rollstuhl – und „all so ein Kram“. Ob sie seine Bedingungen erfüllt hätten, sagte er nicht.