Die Regenbogenfahne wurde bei der Kundgebung zum Idahobita auf dem Stuttgarter Marktplatz öfter gesehen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Beim Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie fordert die queere Gemeinschaft in Stuttgart mehr Aufklärung, andere Gesetze und eine bessere Unterstützung. Gewalt gegen Mitglieder der Gemeinschaft gehöre immer noch zum Alltag.

Zwischen den Fahnen für Stadt, Land und Bund weht diesen Mittwoch vor dem Stuttgarter Rathaus die farbenfrohe Regenbogenflagge. Der Grund: Am 17. Mai findet jedes Jahr der Internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie, kurz: Idahobita, statt.

 

Auf dem Stuttgarter Marktplatz haben sich zu diesem Anlass zahlreiche Menschen – an die 100 sind es am Nachmittag – versammelt, um sich an Aktionsständen zu informieren oder den Reden vom Podium zu lauschen. Dabei geht es den Sprechenden vor allem darum, deutlich zu machen, dass Gewalt gegen Mitglieder der queeren Gemeinschaft keine Seltenheit ist: „Die Gewalt hat deutlich zugenommen, das zeigen die aktuellen Statistiken zur Hasskriminalität“, so Holger Edmaier vom Veranstaltungsteam. Dabei nimmt er Bezug auf die aktuellen Fallzahlen für politisch motivierte Kriminalität. Die Betroffenen solcher Gewaltdelikte ermutigt er, die Gewalt in jeglicher Form anzuzeigen: „Die Polizei greift erst ein, wenn wir schon auf die Fresse bekommen haben“, heißt es weiter vom Podium. Deshalb sei es wichtig, die Gesellschaft zu verändern, damit so etwas gar nicht erst passiere. Schließlich habe jeder, ergänzt sein Kollege Detlef Raasch, „ein Recht auf ein sicheres, ordentliches und vernünftiges Leben“.

Anspucken und schlagen sind an der Tagesordnung

Dabei sei die Gewalt, die man aufgrund seiner sexuellen Orientierung erfahre, vielfältig. „Queerfeindlichkeit ist nicht nur körperliche Gewalt“, so der Landtagsabgeordnete Florian Wahl (SPD), der am Nachmittag eine Rede hält. Auch Beleidigungen, Diskriminierung und mangelnde Unterstützung seien Formen von Gewalt, der queere Menschen jeden Tag ausgesetzt seien. Dass diese Gewalt keine Seltenheit ist, darüber sind sich alle Anwesenden einig: „Anspucken, schlagen oder das Zerreißen der Regenbogenfahne: All das ist für viele an der Tagesordnung“, berichtet einer der Zuschauer mit dem Künstlernamen „Hades of Drag“.

Als Mitglied der queeren Gemeinschaft sei es dabei besonders wichtig, heute Stellung zu beziehen und hier zu sein: „Für Leute, die nicht hier sein können, weil sie im privaten oder religiösen Kontext verfolgt werden“, so Hades of Drag weiter. Um gegen diese allgegenwärtige Gewalt vorzugehen beziehungsweise sie gar nicht erst entstehen zu lassen, wünschen sich die Anwesenden in erster Linie „authentische Gesetze“, wie es Detlef Raasch formuliert. Landtagsabgeordneter Oliver Hildebrand (Bündnis 90/Die Grünen), der ebenfalls am Nachmittag eine Rede hält, plädiert dabei auch dafür, das „veraltete Transsexuellengesetz zu ersetzen“. Weiter fordert er, dass das Selbstbestimmungsgesetz in diesem Jahr verabschiedet werde. Ebenfalls ein wichtiger Punkt, um Homo-, Bi-, Inter- und Transsexuelle vor Gewaltübergriffen zu schützen, sei im Bildungssektor angesiedelt.

Kinder und Jugendliche sollen, so führt es Holger Edmaier aus, mit Vielfalt und dem Wissen aufwachsen, dass Menschen verschieden sind. Wie verschieden sie sein können, zeigt ein Blick in das Publikum voller fröhlicher Menschen jeder Altersklasse, die diese Forderungen mit einem Applaus unterstützen.