Im Blickpunkt: der neue Queen-Sänger Adam Lambert Foto: Lichtgut, Heinz Heiss

Vor 25 Jahren starb der Sänger Freddie Mercury. Seine Band, Queen, ohne den charismatischen Frontmann, das könne nicht gehen: Lange genug bestätigten Queen selbst diese Position. Doch mit Adam Lambert hat die Show, die immer weitergehen soll, wieder eine Chance.

Stuttgart - Als hätten sie es provoziert: Fünf Sekunden nachdem das Publikum den bekannten „We Will Rock You“-Rhythmus, also „klopf, klopf, klatsch“, applaudiert, fällt der ­Vorhang. Der Konzertbesucher sieht das große Q, in dessen Innern ein gigantischer Bildschirm die Bewegungen von Brian May, Roger Taylor und Adam Lambert vergrößert. A

n den Seiten und frontal führen Stege über die Köpfe hinaus, rechts und links hängen studentenzimmerwandgroße Flachbildschirme. Queen, eine der wichtigsten Rockbands der Geschichte, begeistern die Schleyerhalle.

Freddie Mercury kann niemand ersetzen

Den legendären, doch 1991 verstorbenen Frontman Freddie Mercury kann niemand ersetzen. Das weiß jeder. „Quecksilberfred“, wie ihn ein Fan liebevoll am Bierstand ­bezeichnet, bleibt unvergessen. Was kann ­also ein Nachfolgesänger anstellen? Imitiert er Mercury, kommt er niemals an das  Original heran. Zieht er sein eigenes Ding durch, entfernt er sich wohl zu sehr vom Idol. Es gibt keine Idealbesetzung jenseits Mercury. Und doch versuchen es Queen nun mit Adam Lambert. Der ersetzt Mercury so gut wie nur möglich.

Zu Beginn gestikuliert Lambert nicht ­weniger obszön, als es Freddie Mercury tat. Mit seinen Lenden stößt er in die Luft, was Brian May ein Grinsen auf die Mundwinkel zaubert. Mit fast väterlichem Stolz in den Augen blickt er auf Lambert, der nach Mays Aussagen ein „Geschenk Gottes“ für die Band ist.

Mit dem Song „One Vision“ starten Queen kraftvoll in den Abend. Die Lampen können nicht schneller aufblitzen, als Brian May die Saiten der Gitarre abgreift. May beweist ­dabei britischen Stil. Andere werfen sich auf den Boden oder klettern am Bühnengerüst herum. Er konzentriert sich auf sein herausragendes Spiel.

Das Publikum aus Sicht der Gitarre

Eine großartige Idee ist die am Gitarrensattel angebrachte Kamera. Einerseits filmt sie die flinken Finger Mays, andererseits macht sie ihn zum Kameramann: richtet er sein Instrument gen Publikum, erscheinen die Gesichter der Menge auf dem Riesenbildschirm. Kurz darauf läuft er durch die eigenen Reihen und schickt beispielsweise das Konterfei des Drummers Roger Taylor auf die Leinwand.

Als Lambert schließlich „Killer Queen“ anstimmt, bemerkt man seine Musical­erfahrung. Er gibt eine Figur, wedelt mit ­goldenem Fächer, gibt sich adlig. Zuvor noch in der mit Goldnieten besetzenden Leder­jacke, trägt der Sänger nun einen glitzernd-glamourösen Umhang. Elstergleich liebt er das ­Funkelnde. Sich auf einem pompösen Divan räkelnd, singt er seine Zeilen. Dann spuckt er eine Sektfontäne ins Publikum. „Danke, dass ihr mir heute Nacht eine ­Chance gebt“, verkündet er. Die Masse ­jubelt ihm zu.

Bereits nach wenigen Minuten hat ­Lambert die Queen-Fans von seiner Tauglichkeit überzeugt. Und ja: Technisch ist Lambert vielleicht sogar der bessere Sänger. In puncto Stimmoriginalität kann er ­Mercury ­freilich nicht das Wasser reichen. Aber wer könnte das?

Die einstige Arbeit Mercurys teilen sie sich auf: Brian May singt „’39“, während er die Akustikgitarre streichelt. Roger Taylor widmet seine Vocals dem Titel „It’s A Kind Of Magic“. Bei „Love Of My Life“ erscheint Mercury zum ersten Mal auf der Leinwand, nachdem May angekündigt hatte: „Machen wir’s für Freddie!“

Der Geist dieses Mannes sucht die Band auch fast 25 Jahre nach Mercurys Tod noch heim. Ein Drittel der Zeit wirken die ­Herrschaften melancholisch.

Die neuen Queen spiegeln ihr Publikum wider. Während May und Taylor die ältere Fangeneration, häufig mit langem oder ausfallendem Haar, vertreten, stehen Lambert und der zweite Drummer, Rufus Taylor, für die Jungen auf der Bühne. Rufus ist der Sohn Roger Taylors und liefert sich mit seinem ebenfalls trommelnden Vater ein amüsantes Schlagzeugduell.

Hinter einem Netz aus Laserstrahlen stimmt Lambert schließlich „Who Wants to Live Forever“ an und zündet damit die ­Hitlunte. Es folgen „I Want It All“ , „Radio Gaga“ und das Meisterwerk „Bohemian Rhapsody“. Man muss ihn loben, er ­beherrscht sein Handwerk. Höchstens fehlt ihm bei „Another One Bites The Dust“ die Energie.

Schließlich packen die Herren und Jungs in der Zugabe die wohl gängigsten Lieder obendrauf. Für „We Will Rock You“ bräuchte es an sich nur die Perkussionen, denn den Text kennt die Menge ohnehin. „We Are The Champions“ geht schließlich im Konfetti­regen und dem angesichts einer irren Show absolut verdienten Applaus unter.