Der Landschaftsarchitekt Dirk Meiser sieht den Quartiersplatz nicht als Solitär, sondern in präzise bestimmten Bezügen. Foto: Georg Linsenmann

Im Stadtarchiv wurden die Pläne für den Quartiersplatz des Wohngebietes Neckarpark vorgestellt. Die Gestaltung des Platzes stieß bei den Bürgern auf positive Resonanz, kritisch hinterfragt wurde die Zahl der Parkplätze und die Gestaltung des Durchlasses zum Seelberg.

Bad Cannstatt - Vor Jahresfrist hatte das Stuttgarter Büro Lohrberg den ersten Planentwurf für den Quartiersplatz am Stadtarchiv vorgestellt, der einmal nichts Geringeres als den zentralen öffentlichen Raum des künftigen Quartiers abgeben soll. Dass die Landschaftsarchitekten hier die völlig ungewöhnliche Aufgabe haben, einen öffentlichen Platz zu entwerfen, bevor die Gebäude drumherum gebaut werden, dies also mit einer ganz anderen Freiheit und funktionalen Gewichtung ins Werk setzen können, das schien Dirk Meiser zu beflügeln. An Hand eines Luftbildes mit eingezeichnetem Grundriss nannte er die in Angriff genommene Grüne Mitte ein „großes Handtuch“ - und den Platz am Stadtarchiv, so der Arbeitstitel, „das Ufo, das demnächst hier landen wird“.

Als eitler Solitär freilich ist der Platz nicht gedacht, vielmehr in präzise bestimmten Bezügen: „Wir sehen den Quartiersplatz als Teil einer Freiraumabfolge, die das neue Wohnquartier vom Seelberg-Durchlass über die Grüne Mitte bis zum Knoten Daimler-/Mercedesstraße durchdringt und irgendwann am Neckarufer endet“, betonte Meiser. Die Dimension der „steinernen Mitte“ machte er mit einem Vergleich deutlich: „Als zentraler Freiraum von rund 6600 Quadratmeter Fläche ist der Platz am Stadtarchiv in etwa so groß wie der Stuttgarter Rathausplatz.“ An der breitesten Stelle misst er rund 70, an der schmalsten Stelle im Norden rund zwölf Meter.

Boule und Wasserspiele

Durchgehend „im wilden Verbund“ gepflastert und als sehnenartiges Netz strukturiert, wird er mit einem Boulefeld, einem interaktiven Wasserspielfeld und multifunktionalen Unterstand versehen. Gestalterisch wichtig ist die locker gestellte „Versammlung der Bäume“, wobei die Bäume jeweils mit einer Ringbank gefasst sind. Elemente, die die Funktionen des weitgehend verkehrsfreien Platzes unterstützen sollen: als Mittelpunkt des Quartiers, als Treffpunkt und Begegnungsort, als „Kommunikations- und Transferraum“ sowie als Veranstaltungsort. Für die städtische Qualität des Platzes entscheidend sei auch, „dass öffentliche Nutzungen der Randbebauung, wie Schule, Bürgertreff und Stadtarchiv, den Platz bespielen und beleben.“

Während die gut 50 Teilnehmer der Veranstaltung hinsichtlich der Platzplanung nur marginale Nachfragen zu Details hatten, war „Bürger aktiv im Stadtteil“, das Motto des Abends, davor intensiv genutzt worden. Denn da hatte die Neckarpark-Planerin Susanne Wehle-Faiß vom Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung den Stand der Planungen insgesamt skizziert, wobei sie in zwei Punkten intensiven Widerspruch erfuhr: Zum einen wurde angezweifelt, dass die Zahl der Parkplätze für Anwohner reichen werde, trotz des geplanten Quartiers-Parkhauses. Zum anderen hinsichtlich des Durchlasses zum Seelberg. Der aktuelle Zickzack soll für zwei Millionen Euro verschönert werden. Die Meinung der Versammlung dazu brachte Joachim Schlegel auf den Punkt: „Ich weiß, wie schwierig das planerisch ist. Richtig wäre trotzdem eine möglichst gerade durchgezogene Verbindung, als große Chance für eine städtebauliche Hauptachse mit direkter Verbindung bis zum Kurpark. Lieber fünf Jahre warten für die große Nummer und die richtige Lösung, als jetzt rumzudoktern ohne etwas zu elementar verbessern.“ Ein Beitrag, der mit starkem Beifall bedacht wurde.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: