Das Stadtviertel, einst Ausgehmagnet, liegt im Dornröschenschlaf. Eine Bürgerinitiative will das ändern und erhält Unterstützung aus dem Gemeinderat.
Das Künstlerviertel in Böblingen soll wiederbelebt werden. Das hat sich die im Sommer gegründete Bürgerinitiative (BI) ProKüVi auf die Fahnen geschrieben. Dass es ihnen mit diesem Anliegen ernst ist, zeigen nicht nur regelmäßig stattfindende Treffen, sondern auch ein Haushaltsantrag, den die SPD/Linke-Fraktion im Böblinger Gemeinderat aktuell eingereicht hat.
Zwar engagieren sich nicht nur SPDler in der BI. Die Initiative ging aber von Tamara Atexinger aus, die im Juli im Namen des SPD-Stadtverbands zu einem Workshop in den Irish Pub in Böblingen geladen hatte. Das Viertel zwischen Breiter und Enger Gasse war in den 1980er- und 1990er Jahren einst ein angesagter Szene-Treffpunkt. Inzwischen dominiert dort der Leerstand.
Gastronomie, Kultur und Aufenthaltsqualität
Das will die BI ändern. Mehr Aufenthaltsqualität, eine Vielfalt an gastronomischen Angeboten und Platz für Kultur, lauteten Wünsche beim Workshop. Der Haushaltsantrag soll den Weg hin zur Wiederbelebung erleichtern. SPD/Linke beantragen laut einer Mitteilung, „das gesamte Areal als Sanierungsgebiet auszuweisen und ein Bebauungsplanverfahren einzuleiten, das die Aufwertung des Quartiers im Rahmen des Masterplans Schloßberg voranbringt.“
Kommunale Sanierungsgebiete können ausgewiesen werden, um Teile des Stadtgebiets aufzuwerten – beispielsweise wurde auf dieser Grundlage der Stadtteiltreff „Treff am See“ eingerichtet. Das bereits existierende Sanierungsgebiet „Böblingen Mitte“ endet derzeit allerdings kurz vor dem Künstlerviertel.
„Mit Herz und Charakter“
Ziel des Antrags ist es, dieses Gebiet zu erweitern. Die Zugehörigkeit zu einem Sanierungsgebiet hätte unter anderem den Vorteil, dass Privatpersonen einfacher Fördergelder für Haussanierungen beantragen könnten und die Stadt ein Vorkaufsrecht hätte.
Mit der Ausweisung als Sanierungsgebiet und mit Bürgerbeteiligung will die Fraktion SPD/Linke laut Mitteilung das bürgerschaftliche Engagement sichtbar machen und planerisch absichern. „Wenn wir es schaffen, diesen Mikrokosmos gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern neu zu beleben, entsteht ein Stück Stadt mit Herz und Charakter“, wird SPD-Stadträtin und Initiatorin des Antrags, Gerlinde Feine, zitiert.