Insgesamt entstehen auf dem Olga-Areal gerade 224 neue Wohnungen – 116 davon sollen gefördert sein. Nicht alle befinden sich allerdings auf dem Areal. Foto: Archiv Nina Ayerle

Vor allem die soziale Durchmischung wird an dem künftigen Stadtquartier auf dem Olga-Areal gerne gelobt. Doch viele der angekündigten Sozialwohnungen befinden sich gar nicht auf dem Grundstück, sondern sie werden mittelbar belegt – also irgendwo anders in Stuttgart.

S-West - Das Olga-Areal gilt als Vorzeigeprojekt, baulich, ökologisch und sozial. Angepriesen wird von den Bauträgern gerne die soziale Durchmischung. Insgesamt entstehen auf dem Grundstück des ehemaligen Kinderkrankenhauses 224 Wohnungen – 116 davon sind laut Angaben der Stadt gefördert. Davon entfallen 35 auf das Modell „preiswertes Wohneigentum“ PWE), 27 sind für „mittlere Einkommensbezieher“, 54 sind Sozialmietwohnungen.

Doch manche im Westen kritisieren bereits, dass es mit der „sozialen Durchmischung“ nicht ganz so weit her sei. So schrieb uns ein Leser über unsere Facebook-Seite Stuttgart-West: „Billig wohnen wird das dort nicht!“

Vor mehr als einem Jahrzehnt hat Rüdiger Ahrendt angefangen, für das Olga-Areal zu kämpfen. Arendt, Bürger aus dem Westen, war im Jahr 2007 klar, wenn das Kinderkrankenhaus Olgäle den Standort verlässt, dann muss da ein Quartier hin, dass zum Westen passt. Wie wird Stadtentwicklung gestaltet und vor allem von wem? Für Arendt, Sprecher der Initiative, stand fest: Die Bürger müssen da auf jeden Fall mitsprechen. Deshalb hat er die Bürgerinitiative „Projektgruppe Olgäle 2012“ gegründet.

Gemeinschaft steht bei den privaten Bauherren im Vordergrund – billig ist es trotzdem nicht

Letztlich konnte sich die Initiative soweit miteinbringen, dass die Grundstücke zum Festpreis an diejenigen mit dem besten Konzept vergeben wurde – nicht an die mit dem besten Preis. „Es ging bei uns nicht darum, einfach 13 Wohnungen zu bauen, sondern immer auch um das Thema Gemeinschaft“, sagt Ahrendt kürzlich unserer Zeitung. Einige Familien, die innerhalb einer Baugemeinschaft mit bauen, erhalten PWE-Förderungen. Sie bezahlen etwa 4000 Euro für den Quadratmeter – was deutlich unter der örtlichen Vergleichsmiete im Stuttgarter Westen liegt. Aber natürlich liegt das Areal eben in bester Innenstadtlage, der Westen gehört nach wie vor zu den beliebtesten Stadtbezirken.

Trotzdem gibt es auch viele Sozialwohnungen dort. Auf dem Baufeld 1, auf dem die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG) baut, schaffe man – so das städtische Unternehmen – mit Sozialmietwohnungen, Kindergarten und Nachbarschaftszentrum „wichtige soziale Ankerpunkte“ für das neue Olga-Areal. Die SWSG baut laut Ankündigung 28 Wohneinheiten im Programm „Allgemeine Sozialmietwohnungen“ – das bedeutet, die Mieter müssen einen gültigen Wohnberechtigungsschein haben.

Allerdings befinden sich nur die Hälfte der angegebenen Sozialmietwohnungen auf dem Olga-Areal. „Zur Verbesserung der Durchmischung hat die SWSG beschlossen, die Hälfte der Sozialwohnungen mittelbar zu belegen“, sagt der Sprecher Peter Schwab. 14 Wohnungen werden also frei vermietet, zum Ausgleich stelle die SWSG voraussichtlich im Stuttgarter Osten 14 Wohnungen für Mieter mit Wohnberechtigungsschein bereit.

Eine mittelbare Belegung soll die soziale Durchmischung fördern

Die Begründung für dieses Instrument in der Wohnraumförderung: „Auf dem neuen Olga-Areal wie in den mittelbar belegten Wohnungen lässt sich an der Adresse nicht ablesen, dass hier Sozialwohnungen ausgewiesen sind.“ Tatsächlich wurde dieses Instrument eigens zu diesem Zweck eingeführt: zur Schaffung eines lebendigen Quartiers, in dem Menschen mit niedrigem und Menschen mit höherem Einkommen zusammen leben. Der Gemeinderat hat im Juli 2016 beschlossen, die Anteil des geförderten Wohnungsbaus auf den städtischen Arealen zu erhöhen, um die Zielzahlen im geförderten Wohnungsbau, also Sozialmietwohnungen, überhaupt zu erreichen. Ein Investor kann aber Wohnungen, die ihm an anderer Stelle gehören, zu Sozialwohnungen umwandeln. Weil sich gegen dieses Instrument in 2016 Widerstand geregt hat, ließ das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau dieses von der EU überprüfen. Von Seiten der EU hieß es damals, es gebe rechtlich keine Bedenken gegen die mittelbare Belegung.

Die Wohnungen des Siedlungswerks auf dem Olga-Areal sind alle gefördert

Das Siedlungswerk baut auf dem Areal 57 Wohnungen, von denen 23 in das Programm „Mittlere Einkommensbezieher“ fallen und 26 allgemeine Sozialmietwohnungen sind. Stand jetzt würden sich diese Wohnungen alle auf dem Areal im Westen befinden, heißt es von einem Sprecher der Geschäftsführung. Die öffentlich geförderten Mietwohnungen würden 33 Prozent unter der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen, die Mietwohnungen für Mittlere Einkommensbezieher etwa 20 Prozent.

Ende 2017 gab es 14 443 Sozialmietwohnungen in Stuttgart. Das Liegenschaftsamt überprüft, ob die Verlegung stattfindet: „Die Wohnungen müssen spätestens bis zum Bezug der mittelbaren Wohnungen zu Verfügung stehen – ist das nicht der Fall, interveniert das Amt“, sagt die städtische Pressesprecherin Jana Steinbeck.

Im Frühling 2019 will die SWSG mit dem Bau der neuen Wohnungen auf dem Olga-Areal fertig sein. Bis dahin müssten also auch, wie geplant, die übrigen 14 Sozialmietwohnungen im Stuttgarter Osten bereitstehen.

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