Q-Fieber, auch Ziegengrippe genannt, ist eine Erkrankung, die insbesondere bei Rindern, Schafen und Ziegen vorkommt Foto: dpa

Mit interaktiver Karte - Der Name klingt rätselhaft, aber die Erkrankung ist nicht ungefährlich. Nicht nur in Horb, sondern auch in mindestens acht anderen Kreisen im Land ist das Q-Fieber ausgebrochen.

Stuttgart - Als vor einigen Jahren die BSE-Seuche ausbrach und dabei auch vor Deutschland nicht haltmachte, war die Sorge von Landwirten wie Verbrauchern gleichermaßen groß. Was passiert, wenn verseuchtes Fleisch in den Umlauf gerät und schwere Krankheiten bei Menschen hervorruft? Nun gibt es erneut Unruhe – wenn auch auf anderer Ebene. In knapp einem Dutzend Landkreisen in Baden-Württemberg ist das Q-Fieber im Juli ausgebrochen. „Uns sind 39 Fälle übermittelt worden“, sagte eine Sprecherin des Landesgesundheitsamts am Donnerstag auf Anfrage unserer Zeitung. Die Experten des Landes, aber auch in den Gesundheitsämtern auf Kreisebene gehen davon aus, dass weitere Fälle hinzukommen werden.

Q-Fieber, auch Ziegengrippe genannt, ist eine Erkrankung, die insbesondere bei Rindern, Schafen und Ziegen vorkommt. Sie wird durch das Bakterium Coxiella burnetii verursacht. Der Erreger kann aber auch auf den Menschen übertragen werden, wie sich zu Beginn dieser Woche in Horb (Kreis Freudenstadt) gezeigt hat. Dort wurde inzwischen bei fünf Personen durch eine Blutuntersuchung das Q-Fieber nachgewiesen. Als Konsequenz daraus wurde das für dieses Wochenende geplante Dorffest in Horb-Dießen abgesagt. Es sei „eine reine Vorsichtsmaßnahme“, teilte das Landratsamt in Freudenstadt mit. Zu dem Fest waren 1500 Besucher erwartet worden. Alle Infizierten hätten das Krankenhaus inzwischen wieder verlassen.

Die Infektion mit dem Q-Fieber verläuft häufig symptomlos oder ähnlich einer Sommergrippe und wird mit Antibiotika behandelt. Nach Aussage von Christoph Meier, stellvertretender Leiter des Gesundheitsamts Freudenstadt, klagen die Betroffenen über hohes Fieber, Schüttelfrost und Glieder- bzw. Kopfschmerzen. Während ansonsten gesunde Menschen die Erkrankung bei rechtzeitiger Behandlung relativ leicht bewältigen können, ist sie für immungeschwächte Personen, Schwangere oder Menschen mit Herzfehlern deutlich gefährlicher. Die Gesundheitsämter raten deshalb dazu, bei entsprechenden Anzeichen für die Erkrankung zum Arzt zu gehen und sich testen zu lassen.

Die meisten Fälle gibt es im Zollernalbkreis

Nach Angaben des Landesgesundheitsamts beim Regierungspräsidium Stuttgart sind neben den fünf betroffenen Personen in Horb bisher 19 Fälle aus dem Zollernalbkreis, fünf aus dem Landkreis Rottweil, weitere fünf aus dem Kreis Göppingen sowie jeweils ein Fall aus den Kreisen Esslingen, Heidenheim, Ludwigsburg, Reutlingen, Sigmaringen und Ulm bekannt und nachgewiesen. Hinzu kämen Fälle, „die noch in Abklärung sind“, bei denen also die Auswertung der Blutproben noch nicht vorliegt.

In der Regel wird das Q-Fieber von wiederkäuenden Tieren wie Schafen, Kühen und Ziegen auf den Menschen übertragen. Die Gefahr geht vor allem von Nachgeburten und Sekreten aus, die die Tiere auf den Wiesen hinterlassen und die dann – bei extrem trockener Witterung wie in den vergangenen Wochen – leicht eintrocknen. Die Erreger können dann durch den starken Wind, wie er letzt landesweit herrschte, aufgewirbelt und verteilt werden. Auch Rehe gelten als mögliche Übertragungsherde, wenn sie von Zecken befallen werden. Deren Kot, der im Wald zurückbleibt oder auf der Wiese dann von Schafen mit dem Gras gefressen wird, gilt laut Gesundheitsamt „als hochinfektiös“.

Nach Auskunft der Behörden „besteht aber kein Grund zur Panik“. Trotz der in kurzer Zeit stark gestiegenen Fallzahlen spreche nichts dagegen, jetzt in den Sommerferien einen Spaziergang durch den Wald oder eine Fahrradtour durch Wiesen zu unternehmen. Im Übrigen, so Meier, bestehe „keine Gefahr für eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung“. Die Inkubationszeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit liege zwischen drei und 30 Tagen. Obwohl die Behörden in Freudenstadt davor warnen, die Fälle von Horb zu dramatisieren, herrschen dennoch erhöhte Vorsichtsmaßnahmen. So soll es in den nächsten Tagen vor Ort in Horb eine Informationsveranstaltung für die Bürger geben. Q-Fieber trete „immer mal wieder auf“, heißt es und sei gerade im Schwarzwald häufig anzutreffen. So habe es vor einigen Jahren im Murgtal mehrere Vorfälle gegeben. Aber nicht nur dort: Im vergangenen Jahr war das Q-Fieber rund um die Gemeinde Steinheim am Albuch (Kreis Heidenheim) ausgebrochen.

Auf einer interaktiven Karte finden Sie eine Übersicht über die Q-Fieber-Fälle im Land: www.stn.de/qfieber

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