Sabrina Gula mit ihren Töchtern Annie und Katie sowie und Jula aus der Ukraine (im Hintergrund) Foto:  

Bei bestem Wetter haben Plochingen und Altbach am Wochenende ihre Orte und ihre Markung geputzt. Das hat sich gelohnt – wie immer. Neben dem üblichen Müll sind auch kuriose Fundstücke aufgetaucht, etwa ein alter Herd oder ein Christbaum mit Lametta.

Rund 110 Teilnehmerinnen und Teilnehmer räumten dieses Mal in Plochingen mit auf. Viele Gruppen brauchten keine Ansage, sondern machten sich selbstständig vom Treffpunkt an der Schafhausäckerhalle auf den Weg zu ihrer angestammten Strecke – am Neckarknie hat der Frühjahrsputz für die Stadt eine lange Tradition. Franzi und Hansi Maier fuhren auf den Pfostenberg, um den Parkplatz beim Fußballgelände zu reinigen: offenbar ein beliebter Treffpunkt im Wald. Leider bleiben dabei Flaschen und vieles andere zurück, auch Bauschutt oder kistenweise vergammeltes Obst wurde schon abgeladen. „Ich könnte jetzt schon wetten, dass am Montag wieder Müll dort liegt“, stellte Martin Laukmichel vom Arbeitskreis Plochinger Vereine etwas düster fest.

 

Der AKPV organisiert in Kooperation mit der Stadt die Aktion „Sauberes Plochingen“. Die letzte Auflage fand nach längerer Coronapause im vergangenen Herbst statt, aber schon da sei klar gewesen, „dass wir es auf jeden Fall im Frühling wieder machen“, so die AKPV-Vorsitzende Annette Krämer-Schmid. Denn wenn das Gras noch niedrig und die Vegetation licht ist, sehe man einfach mehr.

In den Lettenäckern waren etliche Mütter mit Kindern am Start. Sabrina Gula hatte neben ihren Töchtern Annie (7) und Katie (5) auch Jula Horobetz dabei: Die junge Frau aus der Ukraine ist als Geflüchtete neu bei der Familie und machte gleich bei der Putzaktion mit. „Passt auf, hier ist viel Hundekacke“, warnte Gula die anderen auf dem Parkplatz, wo sie Sardinenbüchsen, Zigarettenschachteln und mehr aufsammelten. Dabei gibt’s in den Lettenäckern mehrere Hundekotstationen, wie Annie feststellte.

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Gleich um die Ecke, am Fußweg zwischen Schorndorfer Straße und Wohngebiet, pickten Maike Martens mit Josefine und Emilia und Michaela Kohler mit Paula und Mathilda gerade alles Mögliche aus dem Gebüsch: „Wir haben schon alles gefunden“, berichteten die Mädchen und zählten auf: Grappa-Flaschen, Nescafé-Gläser oder Masken. „Da vorne liegt ein Kochtopf“, stellte Maike Martens fest, was bei den Mädels einen Lachanfall hervorrief. Sie hatten Spaß, auch wenn der Hintergrund nicht lustig war: Frauen und Mädchen sammelten auf, was Autofahrer achtlos aus dem Fenster geworfen hatten.

Vom Stumpenhof bis zum Neckarhafen erstreckte sich die Aktion, auch der Bruckenwasen war einbezogen. Dort, am „Hundestrand“, zerkleinerten die Bootsführer von der Feuerwehr mit der Motorsäge Baumstämme: Schwemmholz von den Brückenpfeilern des Ottos-Stegs. Deren Betonsockel machen sie einmal jährlich frei, „und manchmal trifft sich das mit der Markungsputzete“, sagte Andreas Franz. Dieses Mal traf es sich zudem, dass die Jugendfarm Brennholz brauchte: „Da bringen wir es nachher hin.“ Die Jugendfeuerwehr war mit einem Dutzend Leuten auf dem Gelände unterwegs und fand dabei unter anderem einen verirrten Gullydeckel. Davut Özyurt und Yakup Aydinli vom türkisch-deutschen Kulturverein entdeckten unter der Neckarbrücke haufenweise Flaschen und Dosen – auch hier scheint ein Treffpunkt zu sein.

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In Altbach waren bereits drei Jahre seit der vorigen Aktion vergangen: 2019 hatte die evangelische Kirchengemeinde bei der Aktion die Fäden in der Hand, dieses Mal die Unabhängige Wählervereinigung (UWV). Deren Vorsitzender Mathias Lipp schickte die Teilnehmer mit einem laminierten Ortsplan auf den Weg, auf dem die zugeteilten Bezirke und die Sammelpunkte für den Müll eingezeichnet waren. Er freute sich über rund 100 Teilnehmer, darunter zahlreiche Kinder und Jugendliche. Auch der Musikverein war mit einigen Teenagern vertreten, die mit Klaus Bleher, dem Leiter des Jugendorchesters, Eimer und Müllsäcke füllten. „Viel Papier, Plastik, Glas“, hätten sie schon gefunden, zählten die Jugendlichen auf, „und viele Masken“.

Aber auch Sperrmüll und andere große Stücke fanden sich in Altbach, wo die ganze Markung einschließlich der Außenbereiche abgeklappert wurde: ein Herd, ein Fahrrad und ein Christbaum samt Lametta waren dabei. Am Fuß der Hochbrücke zeigte sich das aus Plochingen bekannte Phänomen: Wo man mit dem Auto hinfahren kann oder wo Autos vorbeifahren, liegt der meiste Unrat.

Hitliste der Fundstücke

Frühjahrsputz Bei der Aktion „Sauberes Plochingen“ waren alle Gemeinderatsfraktionen und alle großen Vereine beteiligt. In Altbach waren 15 Teams, ebenfalls größtenteils aus den örtlichen Vereinen, vertreten.

Hitliste Die „Top 5“ beim eingesammelten Müll waren – so zumindest der Eindruck – in beiden Gemeinden ähnlich: Essensverpackungen aller Art, Getränkeflaschen und -dosen, Coffee-to-go-Becher, Masken und Zigarettenkippen.

Ungewöhnliches Zu den größeren Fundstücken gehörten: ein Gullydeckel, ein Christbaum samt Lametta, eine Waschmaschine, eine Camping-Toilette, ein Gartenstuhl, Sofa-Polster, die Hängeschränke einer Einbauküche oder ein Herd.