Szene aus dem Musical „Abenteuerland“ Foto: Jochen Quast

Das Pur-Musical „Abenteuerland“, das vom 11. Februar an in Stuttgart zu sehen ist, sorgt für große Emotionen. Selbst Sänger Hartmut Engler ist überrascht, wie die Lieder neu aufleben.

Dieses „Abenteuerland“ macht selbst Hartmut Engler staunen – und auch stolz. „Dass unsere Songs mal zum Muscial taugen, hätte ich nie gedacht.“ Und der Sänger der Band Pur liebt es, die Songs mal aus einer ganz neuen Perspektive zu erleben: „Wir sitzen da, lehnen uns zurück und erleben unsere eigenen Songs in einem völlig neuen Zusammenhang.“

 

„Abenteuerland“: vom 11. Februar bis 15. März in Stuttgart

Wir treffen uns in einem Hotel in München, einen Tag zuvor fand nebenan im Deutschen Theater der Auftakt der „Abenteuerland“-Tour statt. Engler und seine Bandkollegen Joe Crawford und Rudi Buttas haben sich die Show angeschaut, die vom 11. Februar bis zum 15. März auch im Stuttgarter Theaterhaus gastiert.

Joe Crawford, Hartmut Engler und Rudi Buttas (von links) bei der „Abenteuerland“-Tourpremiere in München Foto: IMAGO/Michel Kaers

„Abenteuerland“ ist kein biografisches Nacherzählen der Bandgeschichte, sondern eine eigenständige Erzählung über Freundschaft, Aufbruch und das Festhalten an Träumen. Die Handlung spielt zwar im Hier und Jetzt, die Musik spannt aber einen Bogen über mehr als vier Jahrzehnte Pur-Geschichte. „Das Erstaunliche ist ja“, sagt Engler, „man merkt den Liedern überhaupt nicht an, ob sie vor 40 Jahren oder vor kurzem entstanden sind. Sie wirken zeitlos – und genau das wollten wir immer erreichen.“

Diese Zeitlosigkeit ist das Fundament des Musicals. Produzent und Autor Martin Flohr, bekennender Pur-Fan seit Jugendtagen, trägt die Idee schon lange mit sich herum. „Mein erstes Konzert überhaupt war ein Pur-Konzert“, erzählt er. „Ich habe mich sofort aufgehoben gefühlt. Da war dieses Gefühl: Du darfst hier genauso sein, wie du bist.“ Jahre später, auf dem Jakobsweg, hörte Flohr die Songs erneut – und erkannte ihr erzählerisches Potenzial. „Die Texte erzählen in sich schon kleine Geschichten. Ich wollte sie in ein großes Ganzes einbetten.“

„Drachen sollen fliegen“, als zentraler Song

Der entscheidende Moment kam beim ersten Treffen mit Hartmut Engler. „Ich hatte einen riesigen Respekt“, sagt Flohr. „Aber wir saßen dann einfach am Küchentisch, haben zusammen gelacht und geweint. Da war klar: Das kann funktionieren.“ Besonders ein Lied spielte dabei eine zentrale Rolle: „Drachen sollen fliegen“. „Das war unglaublich ergreifend“, erinnert sich Engler. „Da wusste ich: Wir lassen das zu.“

Für die Band bedeutet das Musical auch, die eigenen Lieder loszulassen. „Als Texter kenne ich natürlich die Situationen, in denen die Songs entstanden sind“, sagt Engler. „Und plötzlich stehen sie in einem ganz anderen Kontext – und wachsen dadurch.“ Ein persönliches Beispiel: „‚Dass es dir leid tut‘ war ursprünglich ein Streit mit einem Freund. Jetzt ist es eine Vater-Sohn-Szene. Das geht mir jedes Mal unter die Haut.“

Pur waren nie Kritikerlieblinge

Auch musikalisch sei das Projekt eine Bereicherung, sagt Bassist Joe Crawford. „Mich fasziniert, wie einzelne Textzeilen auf verschiedene Figuren verteilt werden – und trotzdem hundertprozentig passen.“ Gitarrist Rudi Buttas ergänzt: „Jeder Musiker interpretiert die Songs anders. Das ist spannend zu beobachten – und extrem hochwertig gemacht.“ Engler schwärmt besonders von den Chorarrangements: „Das ist große Kunst. Da merkt man erst, was alles in den Liedern steckt.“

Dass Pur heute als eine der erfolgreichsten deutschen Bands gilt, war lange nicht absehbar. „Wir waren nie Kritikerlieblinge“, sagt Buttas nüchtern. „Wir haben medial einiges an Schelte einstecken müssen.“ Engler erinnert sich gut an diese Jahre: „Nach dem Erfolg von ‚Abenteuerland‘ waren wir plötzlich die Zielscheibe. Der Dicke mit den Locken, der Tanzbär – da war viel Spott dabei.“ Die Band reagierte mit Beharrlichkeit. „Wir haben einfach weitergemacht“, sagt Crawford. „Für unser Publikum.“

„Abenteuerland“ traut sich auch an schwere Themen

Diese Haltung prägt Pur bis heute – und spiegelt sich im Musical wider. „Da wird nichts ironisch gebrochen“, sagt Flohr. „Die Emotionen sind ehrlich. Das ist vielleicht nicht modern, aber es ist wirkungsvoll.“ Tatsächlich traut sich „Abenteuerland“ auch an Themen, die im Musicalgenre selten sind. „Der zweite Teil wird sehr ernst“, sagt Engler. „Da geht es um Verzweiflung, um einen Suizidversuch. Ich hatte lange Angst, dass man das glattbügelt – aber es ist geblieben. Mutig und richtig.“

Getragen wird das Stück von einem Ensemble, das den Songs neues Leben einhaucht. Jana Stelley, die von Anfang an dabei war, beschreibt den Entstehungsprozess als Ausnahmeerfahrung. „Normalerweise kommt man zu einem fertigen Stück. Hier durfte man von Anfang an mitgestalten.“ Für sie persönlich war das Projekt auch ein Wendepunkt. „Ich hatte eigentlich überlegt, mit der Bühne aufzuhören. Und dann kam ‚Abenteuerland‘ – und plötzlich war die Leidenschaft wieder da.“

Hartmut Engler singt bei der Show mit – aber nur innerlich

„Abenteuerland“ feierte im Oktober 2023 im Düsseldorfer Capitol Premiere und lief dort 17 Monate lang. Seit Januar ist das Musical nun in einer überarbeiteten Fassung auf Tournee. Neu dabei ist Cedric Schröter, der allerdings schon ein paar Monate vor dem Tourstart einen Gänsehaut-Moment erleben durfte – als Gast beim traditionellen Pur-Konzert auf Schalke, bei dem im September 2025 der 30. Geburtstag des Albums „Abenteuerland“ gefeiert wurde. „Ich stand plötzlich in der Arena auf Schalke vor zehntausenden Menschen“, erzählt er. „Alle singen mit, überall Lichter – das war absurd und wunderschön zugleich.“

Dass die Band Pur selbst bei den Vorstellungen im Zuschauerraum sitzt, ist für die Musiker inzwischen selbstverständlich geworden. „Das ist für uns schließlich die einzige Möglichkeit, Pur live zu erleben“, sagt Crawford lachend. Engler gibt zu: „Am Anfang achte ich noch auf Details. Aber nach ein paar Minuten bin ich einfach Zuschauer – und singe innerlich mit.“

Pur und „Abenteuerland“

Band
Roland Bless und Ingo Reidl gründeten als Gymnasiasten im Jahr 1975 in Bietigheim-Bissingen die Band, die erst Crusade, dann Opus und seit 1985 Pur heißt. Hartmut Engler ist seit 1976 Sänger und Texter der Band. Das Album „Abenteuerland“ erschien im Jahr 1995 und war das erste Nummer-eins-Album von Pur. Es hat sich über zwei Millionen Mal verkauft und wurde mit vierfachem Platin-Status ausgezeichnet. Danach hat es fast jedes Album der Band auf Platz eins der deutschen Charts geschafft. Am 18. Dezember treten Pur im Rahmen ihrer Arena Tour 2026 in der Stuttgarter Schleyerhalle auf. Tickets gibt es hier.

Musical
Abenteuerland“ erzählt entlang von 30 Hits der Band Pur eine Familiengeschichte. Das Musical, das Martin Flohr geschrieben und produziert hat, feierte im Oktober 2023 im Düsseldorfer Capitol Premiere und lief dort 17 Monate lang. Am 7. Januar hat „Abenteuerland“ in einer veränderten Fassung Tourpremiere in München gefeiert. Vom 11. Februar bis zum 22. März gastiert das Musical im Theaterhaus in Stuttgart. Ticket gibt es hier. Weitere Stationen sind Basel, Dortmund, Oberhausen und Hannover.