Höhenflüge erleben die Jugendlichen im Sindelfinger Skaterpark. Martin Stanek (links) und Marco Fuchs Foto: factum/Granville

Die Stadt investiert 140 000 Euro in einen Pumptrack beim Glaspalast. Damit erfüllt sie den Wunsch von Jugendlichen, die für den Bau der Anlage Unterschriften gesammelt haben.

Sindelfingen - Martin, 26, mit Hipsterbart, gehört zu den Senioren im Sindelfinger Skaterpark beim Glaspalast. Seit elf Jahren verbringt er einen Großteil seiner Freizeit auf der Anlage. Abends, nach der Arbeit, schnappt er sich sein Skateboard und fährt über die Rampen am Glaspalast, springt „Ollies“ und „Kickflips“. Doch eigentlich langweilt ihn die Anlage. „Wenn ich nicht hier wohnen würde, würde ich nicht mehr kommen. Wenn man das so oft gefahren ist wie ich, braucht man was Neues.“ Ausflüge zu Skaterparks in der Region stehen deshalb auf dem Programm, wann immer Martin Zeit hat.

Sein Geheimtipp: Die Anlage in Pattonville (Kreis Ludwigsburg). Da gerät der Sindelfinger regelrecht ins Schwärmen. „Die haben einen ganz besonderen Belag. Wenn man fällt, rutscht man einfach weiter.“ Auch die Verletzungsgefahr sei dadurch geringer als auf hartem Asphalt wie in Sindelfingen. Überhaupt: „Die Rampen hier sind schon 15 Jahre alt. Das merkt man. Neue Anlagen bieten ganz andere Möglichkeiten“, meint der Experte. Gemeinsam mit anderen jungen Leuten hat er deshalb Unterschriften gesammelt – für eine Erweiterung der Sindelfinger Anlage.

Der Pumptrack kostet 140 000 Euro

Auch Justin, 19 Jahre, seit fünf Jahren in der Szene unterwegs, und Sylvia, 20, nach eigenem Bekunden Skateboard-Anfängerin, haben unterschrieben. Für dieses Projekt haben sie sich all jene zusammengeschlossen, die sich sonst nicht immer grün sind: die Skater, die Scooter mit ihren kleinen Rollern und die BMXler. Der Wunsch nach einer besseren Anlage eint sie. Nun will die Stadt diesen Wunsch erfüllen. Im kommenden Jahr wird eine sogenannte Pumptrack-Anlage gebaut. Das ist ein geschlossener Rundkurs aus Beton mit Wellen und Steilkurven. Die Geschwindigkeit beim Fahren wird durch Gewichtsverlagerung reguliert. Das Besondere daran: befahren kann man den Pumptrack mit allen möglichen Fahrzeugen und Sportgeräten: nicht nur mit Scootern, BMX-Rädern und Skateboards, sondern auch mit Inline-Skates, Longboards und sogar mit Laufrädern. Deshalb eignet sich die Strecke – im Gegensatz zu den Rampen – auch für alle Altersgruppen. Sogar Kleinkinder können schon ihre Runden drehen.

140 000 Euro investiert die Stadt in den Ausbau, der gut zum Image als Sportstadt sowie der einer kinder- und jugendfreundlichen Kommune passt. Direkt neben der bestehenden Skateranlage soll der Pumptrack auf einer Grundfläche von 450 Quadartmetern entstehen. Noch hat der Gemeinderat nicht zugestimmt. Doch das gilt das als reine Pro-forma-Sache. Die Mitglieder des Sozial- und Jugendausschusses stimmten zu.

Die jungen Skater in Sindelfingen sind begeistert, dass die Stadt ihren Wunsch umsetzt. „Endlich was Neues“, freut sich Martin. „Damit wird die Anlage auch für Jüngere interessant, und wir bekommen Nachwuchs“, meint Justin.

Schon jetzt lockt die Sindelfinger Anlage Funsport-Begeisterte aus der ganzen Region an. Jonas und Niklas, zwölf und 14 Jahre alt, sind extra aus Stuttgart-Möhringen nach Sindelfingen gefahren, eine Stunde mit S-Bahn und Bus. Den ganzen Nachmittag springen die beiden Jungs mit ihren Scootern über die Rampen. Ihr spezieller Wunsch: „Wir brauchen mehr Rails in verschiedenen Höhen“. Und sie zeigen auf einfache schmale Metallleisten, auf denen sie mit ihren Rollern entlangschlittern.

Die Highlights der Skater: die Parks in Reutlingen, Göppingen und Pattonville

Ältere Fun-Sportler wie Martin und Justin bevorzugen komplexere Geräte. Sie pendeln quer durch die Region von einer Anlage zur nächsten. Ihr Tipp: „Am besten ist es in Reutlingen. Ganz toll ist auch die neue Anlage in Göppingen“. Im Kreis Böblingen sehe es eher bescheiden aus. „Sindelfingen ist okay, wenn der Pumptrack fertig ist. Auch Holzgerlingen ist ganz gut geworden, wenn auch etwas klein“, so ihr Urteil. Vernichtend hingegen lautet die Beurteilung für die Anlagen in Böblingen und Herrenberg: „Die Rampen dort sind uralt und marode.“

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