Am nördlichsten Ende Stuttgarts liegt am Waldrand das Gelände des Stuttgarter Pudel-Klubs. Seit 1992 lassen Hundebesitzer ihre Lieblinge hier trainieren. Warum und aus welchem Zweck?
Auch harte Hunde gibt es in Stammheim. Die Justizvollzugsanstalt (JVA) befindet sich kaum einen Kilometer vom Trainingsgelände der Stuttgarter Pudelfreunde entfernt. Dennoch liegen zwischen den Orten Welten: „Unsere Hunde haben in der Regel ein sehr freundliches Wesen. Man kann sie überallhin mitnehmen“, sagt Peter Gaßner. Er war bis vor kurzem knapp 30 Jahre lang Vorsitzender des „Deutschen Pudel-Klubs e. V. (DPK) Bezirksgruppe Stuttgart“ und ist nun Stellvertreter.
„Wir sind ein weltoffener Verein, denn wir nehmen auch fremdrassige Hunde und Mischlinge auf“, sagt Gaßner mit einem Augenzwinkern. Der aktive Teil der rund 120 Mitglieder trifft sich immer samstags während der warmen Jahreszeit auf einer Wiese ganz in der Nähe des SC Stammheim-Sporthauses am Wald mit ihren Lieblingen. Das Gelände haben die Stuttgarter Pudelfreunde seit 1992 gepachtet.
„Wir sind ein reiner Freizeit-Klub“, sagt Sarah Linder, die Mitte März zur neuen Vorsitzenden gewählt wurde. Zuletzt sei bei den Pudel-Klub-Mitgliedern der Wunsch aufgekommen, mit den Hunden mehr zu trainieren. Da werde sie sich was überlegen, verspricht die 44-Jährige.
Alte Pudel plagen sich oft mit Knieproblemen
Peter Gaßner, der ehemalige Vorsitzende, kam übrigens zum Pudel wie die Jungfrau zum Kind: „Als Ehepaar hatten wir anfangs eine andere Rasse. Der Hund war zwar lieb, aber wir konnten ihn nicht von der Leine lassen, denn dann war er weg.“ Aber er und seine Frau Sabine wollten einen Hund, dem man nicht ständig hinterherrennen musste. Und so wurde es Vroni, das Pudelweibchen Vroni. „Wir hatten anfangs keine Ahnung von der Rasse. Als es hieß, dass man den Pudel regelmäßig scheren muss, haben wir erst einmal nach jemanden gesucht, der das kann.“ Die Frisörin verpasste Vroni einen Radikalschnitt: „Als wir sie wieder abholten, hätten wir sie kaum mehr erkannt“, erinnert sich Gaßner und lacht.
Nur langsam verblasst das Klischee vom verhätschelten Schoßhündchen. Viele stellen sich den Pudel immer noch als Begleiter älterer Damen vor, der die meiste Zeit auf dem Sofa als Couch-Potato verbringt: „Es sind aber in Wirklichkeit Hunde, mit denen man viel Freude hat. Sie sind aktiv, haben Ausdauer und man kann auch länger mit ihnen laufen“, sagt Gaßner.
Mit seiner früheren Pudelhündin hat er sogar den Jakobsweg absolviert. Das war in diesem Fall, des Pudels magischer Kern. In den 2010er-Jahren begab sich Gaßner auf Pilgerreise. Es ging vom Böhmerwald durch Bayern, Österreich, die Schweiz, quer durch Frankreich und bis auf die iberische Halbinsel zum Zielort Santiago de Compostela. Bei seiner Wanderschaft stets an seiner Seite: Pilgerpudel Klara.
Schon Goethe erwähnte den Pudel in seiner Literatur
Auch andere Besitzer schwören auf die treuen Fellnasen. Sogar in der Literatur wird der spezielle Niedlichkeitsfaktor dieser Spezies beschrieben. So lässt Goethe seinen Mephisto in die Rolle eines Pudels schlüpfen. Beim Osterspaziergang scharwenzelt der teuflische Verwandlungskünstler in dieser tierisch niedlichen Hülle um den Doktor Faust herum – bis Faust ihm Einlass in sein Studierzimmer gewährt. Gaßner kann den Effekt bestätigen: „Wenn ich mit meiner Pudelhündin komme, dann habe ich kein Akzeptanzproblem. Wir sind praktisch überall willkommen“. Das ist also des Pudels magischer Kern.