Wegen des Public Viewings der Partie Deutschland-Schweiz baut der Kulturverein beim Sindelfinger Straßenfest den Fischgrill vorzeitig ab.
Als am Dienstagabend die Seleção um Superstar Christiano Ronaldo gegen die Tschechen kickte, war die Public-Viewing-Zone auf dem Wettbachplatz fest in portugiesischer Hand. Ab Freitag wird das zumindest teilweise wieder so sein, wenn die Deutsch-Portugiesische Vereinigung für Kultur und Sport beim Internationalen Straßenfest Sindelfingen (ISF) den Grill anwirft und es rund herum rauchig-lecker nach Sardinen, Sepia und Garnelen duftet.
Für die Associação Recreativa Portuguesa Sindelfingen (ARPS), die in ihrem Vereinsheim am Wettbachplatz Meeresfrüchte aus der Heimat anbietet, ist das Straßenfest in jedem Jahr eine enorm wichtige Einnahmequelle. Aus diesem Grund war es für das Vorstandsteam um den neuen Vorsitzenden Antonio Gaspar (49) und seinen Stellvertreter José Maranho (55) keine einfache Entscheidung, ihren Stand am Sonntagnachmittag vorzeitig abzubauen, um den Fans der Deutschen Nationalelf den Vortritt zu überlassen.
Portugiesen verzichten auf Umsatz von vier Stunden
Genau das werden die Portugiesen ab 16 Uhr tun, damit pünktlich zum EM-Vorrundenspiel Deutschland gegen die Schweiz alles für das Public Viewing bereit ist. „Ich finde es schade, weil wir dadurch schon Verlust machen werden“, kommentiert José Maranho die Entscheidung. Man habe beim portugiesischen Großhändler Fonseca in Singen Fisch für drei Tage bestellt. Wenn der Grill vier Stunden weniger als geplant in Betrieb ist, bleibt eine Menge Fisch übrig – und damit auch einiger Umsatz auf der Strecke.
„Deswegen haben wir da einen Deal vereinbart“, erklärt Straßenfestorganisator und neuer ISF-Chef Mario Marino. Zum einem werde der ISF-Verein beim Straßenfest tatkräftig beim Abbauen unterstützen und zum anderen werde man beim Helferfest im Herbst die Portugiesen bitten, den übrigen Fisch auf den Grill zu werfen. „Wir bezahlen das dann“, sagt Marino. Andernfalls hätte man ja sowieso ein Catering gebraucht.
Mit dieser Lösung können die Portugiesen wohl ganz gut leben. Vielleicht ist das eine oder andere Vereinsmitglied auch gar nicht so traurig, wenn die Schicht am Sonntag etwas früher endet. Schließlich bedeutet das Internationale Straßenfest für das rund 15-köpfige Helferteam normalerweise an drei Tagen hintereinander jeweils 18 Stunden oder länger auf den Beinen zu sein.
Verein kämpft gegen Mitgliederschwund
Die hohe Arbeitsbelastung mag im Februar dieses Jahres auch ein Grund für den Wechsel im Vorstand gewesen sein. Wie auch viele andere Kulturvereine kämpft auch die rund 80 Mitglieder starke ARPS gegen einen zunehmenden Schwund im Ehrenamt.
Im Moment überwiegt jedoch die Vorfreude aufs große Fest: „Bei schönem Wetter hört der Grill niemals auf“, berichtet Maranho lächelnd davon, wie letztes Jahr zum Auftaktabend am Freitag nach nur zwei Stunden bereits 200 Kilo Fisch verkauft waren. Sollte das diesmal wieder so sein, bleibt vielleicht doch nicht so viel übrig fürs Helferfest.