Eine neue Auswertung der Humboldt-Universität zu Berlin von mehreren Studien zeigt: Frauen kommen als Singles besser zurecht als Männer. Woran das liegt und was das mit Freunden zu tun hat.
Frauenzeitschriften und inzwischen auch soziale Medien sind voll mit Ratschlägen, wie Frau endlich den richtigen Partner finden kann. „Neue Liebe mit 50? So finden Sie den richtigen Partner“ oder „Diese fünf Regeln der Sofa-Theorie helfen dir deine große Liebe zu finden“. Manche raten gar: „Geben Sie die Suche nach dem perfekten Partner auf.“ Der Tipp ist: ein unperfekter Partner tut es auch. Das klingt ein bisschen so, als wäre es besser irgendeinen Partner zu haben als keinen.
Frauen suchen dringender einen Mann als Männer eine Frau – das galt lange als das vorherrschende gesellschaftliche Credo. Eine neue Studie von Forschenden der Humboldt-Universität, der University of Minnesota und der Universität Amsterdam kommt nun allerdings zu einem anderen Ergebnis. Die Psychologen haben 50 psychologische und soziologische Studien aus den letzten 20 Jahren ausgewertet. Demnach sind romantische Beziehungen für Männer viel wichtiger sind als für Frauen.
Männer bleiben auch eher in einer Beziehung
„Männer sind offenbar tendenziell stärker darauf fokussiert, feste Beziehungen einzugehen. Außerdem wirken sich diese Beziehungen bei Männern positiver auf das Wohlbefinden und Gesundheit aus als bei Frauen“, sagt Iris Wahring, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Psychologie der Humboldt-Universität, in einer Presseerklärung der Universität. Auch die Lebenserwartung hänge bei Männern stärker davon ab, ob sie in einer festen Beziehung lebten als bei Frauen. Die Hauptautorin der Studie sagt zudem, dass Männer auch seltener eine Trennung initiieren, danach stärker unter Einsamkeit leiden und weniger dazu neigen, die positiven Seiten einer Trennung zu sehen.
Für die Untersuchung, die im Fachmagazin „Behavioral and Brain Sciences“ erschienen ist, haben die Forscher ein Modell ausgearbeitet, das Geschlechterunterschiede in verschiedenen Phasen von Beziehungen berücksichtigt. Einbezogen haben sie aber nur heterosexuelle Beziehungen in zumeist westlichen Industrieländern.
Aber einige Erklärungen konnten die Forscher ausfindig machen. Dabei gehe es vor allem um emotionale Bedürfnisse, sagt Iris Wahring. So wisse man aus anderen Studien, dass Frauen nach wie vor ein größeres soziales Umfeld haben. Heterosexuelle Männer seien daher stärker von ihrer festen Partnerin abhängig, um ihre emotionalen Bedürfnisse zu befriedigen. In vielen Studien geben Männer auch an, dass ihre Frau auch gleichzeitig ihre „beste Freundin“ sei, während Frauen dies seltener so sehen.
Zudem würden schon kleine Mädchen ihre Gefühle und Verletzlichkeiten mit ihren Freundinnen teilen, sagt Co-Autor Paul van Lange von der Universität Amsterdam. Auch würden sie sich im Laufe ihres Lebens sehr viel stärker unterstützen als dies in Männerfreundschaften üblich sei. „Schon kleine Kinder erleben diese Normen“, sagt er. Ohne eine Partnerin fehle es Männern daher häufig an sozialer Unterstützung – was weitreichende Konsequenzen für die Gesundheit und das Wohlbefinden habe.
Sollten Frauen lieber Single bleiben?
Paul Dolan, Professor für Verhaltenswissenschaften an der London School of Economics, ist bereits im Jahr 2023 vor allem in sozialen Netzwerken durch ein lustiges Video bekannt geworden, in dem er sagt: „Wenn du ein Mann bist, solltest du wahrscheinlich heiraten. Wenn du eine Frau bist, vergiss es.“
Der Forscher schreibt in seinem Buch „Happy ever after“ unter anderem über seine Beziehungsforschung. Dazu hat er Daten aus Langzeitstudien gesammelt, also Studien, bei denen Forscher die Probanden über einen längeren Zeitraum begleitet haben. Ein Teil seiner Daten stammt aus dem American Time Use Survey (ATUS), einer Umfrage, die die Zufriedenheit und Unzufriedenheit unverheirateter, verheirateter, geschiedener, getrennter und verwitweter Individuen miteinander verglich. Verheiratete Frauen mit Kindern hatten demnach ein erhöhtes Risiko für seelische und körperliche Krankheiten und waren insgesamt unzufriedener.
Die gesellschaftliche Ansicht sei aber meistens immer noch anders: „Weißt du, du siehst eine 40-jährige Frau, die nie Kinder gehabt hat und denkst: Allgütiger, das ist eine Schande, oder? Vielleicht wird sie eines Tages den Richtigen finden und alles wird sich ändern.“
Laut Dolan wäre aber auch eine andere Option möglich: „Vielleicht wird sie eines Tages den Falschen treffen und das wird alles verändern. Vielleicht wird sie den Typen treffen, der sie weniger glücklich, weniger gesund macht und sie wird verfrüht sterben.“
Dolan konzentriert sich in seiner Forschung vor allem darauf, was uns glücklich macht. Und die glücklichste Untergruppe seien statistisch gesehen unverheiratete, kinderlose Frauen. Dennoch betont er, jeder müsse selbst für sich herausfinden, welches Lebensmodell am besten passe.