Wer einsam ist, leidet auch körperlich. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Einsamkeit aktiviert das Schmerzzentrum im Gehirn, sagt der Ulmer Psychiater Manfred Spitzer. Der Zustand könne dann unter anderem zu Diabetes und Krebs führen.

Stuttgart - Einsamkeit ist nach Erkenntnissen des Ulmer Psychiaters Manfred Spitzer gesundheitsschädlicher als Rauchen, Übergewicht oder Alkoholkonsum. Laut Studien müsse das ungewollte Alleinsein als „Killer Nummer eins“ betrachtet werden, sagte Spitzer am Freitag in Stuttgart bei einem Fachtag des württembergischen Evangelischen Blinden- und Sehbehindertendienstes. Der erhöhte Pegel an Stresshormonen im Blut von Einsamen führe häufiger zu Diabetes, Krebs und Infektionskrankheiten.

Einsamkeit aktiviert das Schmerzzentrum

Spitzer wies darauf hin, dass Einsamkeit im Gehirn das Schmerzzentrum aktiviere. In Großbritannien versuchten Ärzte deshalb jetzt, Einsamen statt Medikamenten gemeinschaftsfördernde Aktivitäten wie Kochkurse oder die Teilnahme an einer Theatergruppe zu verschreiben. Jungen Menschen empfiehlt der Psychiater, ein Instrument oder eine Sportart zu erlernen, um später in einem Orchester oder beispielsweise in einer Fußballmannschaft mitzuspielen.

Waldbesuche haben positive Wirkung

Der exzessive Gebrauch von Computer, TV und Smartphones von bis zu acht Stunden täglich bei Jugendlichen befördert nach Einschätzung des Wissenschaftlers Einsamkeit. Soziales Lernen und Sprachentwicklung würden dadurch beeinträchtigt. Positiv wirkten sich dagegen ehrenamtliches Engagement und Waldbesuche auf das persönliche Lebensglück aus.

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