Weil die Prüfungsunterlagen an einer Realschule in Bad Urach geöffnet waren, muss die Prüfung im ganzen Land verschoben werden. Foto: dpa

Nur eines ist bislang klar nach der Panne bei der Abschlussprüfung für die Mittlere Reife: Fehlverhalten von Lehrkräften an einer Schule zog schwere Folgen nach sich.

Stuttgart - Aufgaben für Abschlussprüfungen an Schulen sind eine sensible Sache. Deshalb wird damit ganz selten Schindluder getrieben. Jetzt deutet alles darauf hin, dass an einer Bad Uracher Gemeinschaftsschule jegliches Fingerspitzengefühl für den Umgang damit fehlte.

Was ist passiert?

Die Bad Uracher Gemeinschaftsschule bemerkte am vergangenen Freitag den geöffneten Prüfungs-Umschlag für das Fach Deutsch mit beschädigtem Siegel. Von wem und wann er geöffnet wurde, ist derzeit nicht nachzuvollziehen. Klar ist aber laut Kultusministerium, dass die Unterlage von mehreren Menschen an der Barbara-Gonzaga-Gemeinschaftsschule nacheinander verwahrt wurde - zeitweise auch bei einer Lehrkraft zu Hause.

Lesen Sie hier, warum Schüler und Lehrer genervt sind.

Warum ist eine solche Panne so schlimm?

Wegen der Gefahr einer Verbreitung der Aufgaben - etwa über das Internet - wurde der ursprüngliche Termin für die Deutsch-Abschlussprüfung für die Mittlere Reife an diesem Mittwoch verschoben. Rund 40 000 Schüler müssen sich auf ein neues Datum am 27. April einstellen. Dabei müssen sie ihr Wissen in Deutsch über eine Mathe- und eine Englischprüfung hinaus quasi konservieren. „Das bedeutet eine Belastung und mehr Stress für die Schüler“, sagt die Sprecherin des Landesschülerbeirats, Madeleine Schweizerhof. Außerdem schlagen die Druckkosten für die Aufgaben doppelt zu Buche.

Wie lauten die Sicherheitsvorgaben?

Die Schulleiter oder Vertreter mit entsprechender Vollmacht müssen die versiegelten Prüfungsaufgaben frühestens fünf Arbeitstage vor dem Beginn der schriftlichen Abschlussprüfungen bei den Staatlichen Schulämtern abholen. Danach sollten sie nach Ministeriumsangaben unverzüglich sicher untergebracht werden, etwa in einem Tresor, einem Stahlschrank oder in einem abschließbaren Raum. Der Schulleiter öffnet den versiegelten Umschlag mit den Aufgaben am jeweiligen Prüfungstag frühestens um 6.00 Uhr. Alle Beteiligten sollen bis zum Beginn der Prüfung dafür sorgen, dass keinerlei Informationen dazu weitergegeben werden.

Wie kommen die neuen Aufgaben an die Schulen?

Die Schulleiter müssen beim Abholen der neuen Aufgaben für den 27. April die alten Umschläge verschlossen bei den Staatlichen Schulämtern zur Vernichtung abliefern. Im Gegenzug erhalten sie die neuen Aufgaben, deren Kuverts gut sichtbar gekennzeichnet sind, um Verwechslungen auszuschließen.

Ist der Fall der Gemeinschaftsschule einmalig?

Nein, im Jahr 2011 musste die schriftliche Prüfung an den zweijährigen Berufsfachschulen und Berufsaufbauschulen im Fach Mathematik verschoben werden. Es bestand der Verdacht, dass die Vertraulichkeit der Prüfungsaufgaben nicht gewährleistet werden konnte. Im vergangenen Jahr hatten Einbrecher einen Tresor mit Prüfungsaufgaben an einem Stuttgarter Gymnasium geknackt. Daraufhin mussten Mathematik- und Englisch-Aufgaben in ganz Baden-Württemberg und auch in einigen anderen Bundesländern ausgetauscht werden.

Lassen sich solche Pannen künftig vermeiden?

Der Landeschef der Schulleitervereinigung, Werner Weber, meint: „Dagegen gibt es keine 100 Prozent verlässliches Mittel. Wenn es jemand drauf anlegt, dann kann er alle Prüfungen knacken.“

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