Hörsäle sind an Unis und Hochschulen derzeit leer, geprüft werden soll trotzdem. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) hatte gebeten, Alternativen in Betracht zu ziehen – aber Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) bleibt dabei: Die Prüfungen zum Ersten Staatsexamen im Lehramt werden ab kommenden Montag an Universitäten und Hochschulen wieder angesetzt.

Stuttgart - Trotz der Proteste von Lehramtsstudierenden, trotz der Bitte der Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne), Alternativen in Betracht zu ziehen – Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) bleibt dabei: Ab kommenden Montag werden an Universitäten und Hochschulen die Prüfungen zum Ersten Staatsexamen im Lehramt wieder angesetzt, die Mitte März wegen des Coronavirus abgesagt worden waren. Studierende, die jetzt nicht antreten wollen, können auf Herbst verschieben. Andere Alternativen sind nicht vorgesehen.

Damit kommt das Kultusministerium dem Vorschlag der Wissenschaftsministerin nicht nach. Diese hatte darum gebeten, die Möglichkeit einer Durchschnittsnote zu prüfen. Studierende sollten sich als Alternative zu den Prüfungen eine Note aus ihren bisher erbrachten Leistungen errechnen lassen können. „Aus Sicht des Wissenschaftsministeriums ist das eine gute Lösung für die Studierenden. Dies wird in Hessen beispielsweise praktiziert“, so eine Sprecherin des Wissenschaftsministeriums gegenüber unserer Zeitung.

600 Studenten schreiben an Kultusministerin

Dieselbe Forderung hatten zuvor bereits knapp 600 angehende Lehrer aus dem ganzen Land an die Kultusministerin herangetragen. In einem Schreiben schilderten sie, warum eine adäquate Vorbereitung auf die Prüfungen nicht möglich sei. Unter anderem, weil Bibliotheken nur beschränkt zugänglich waren und es Studierende gibt, die sich derzeit um ihre Kinder kümmern müssten.

In ihrer Antwort auf den Brief betont die Kultusministerin, dass die Abschlussprüfungen so stattfinden müssen, „dass sie am Ende jedem Vergleich mit den Vor- und Folgejahren standhalten können“. Genau diese Vergleichbarkeit sehen die Studierenden aber in Gefahr. „Wir müssen unsere Prüfungen in einer absoluten Ausnahmesituation machen, die es so noch nie gab“, sagt Florian Diez, einer der Sprecher der Initiative Optionales Durchschnittsexamen Baden-Württemberg.

Kritik an Wissenschaftsministerium

Nun hat die Wissenschaftsministerin erneut einen Vorstoß gewagt und ihre Kollegin gebeten, zu prüfen, ob man wenigstens allen Lehramtsstudenten einen so genannten Freischuss zubilligen kann, also einen weiteren Prüfungsversuch. Für diesen Weg hat sich das Land Bayern entschieden.

„Wir wundern uns sehr darüber, dass das Wissenschaftsministerium nun im Wochentakt mit Änderungsvorschlägen kommt“, sagt eine Sprecherin des Kultusministeriums dazu unserer Zeitung. Sie verweist darauf, dass die Entscheidung Ende April, das Staatsexamen durchzuführen, in enger Abstimmung zwischen beiden Ministerien getroffen worden sei. Deshalb sei der neuerliche Vorschlag der Wissenschaftsministerin auch „kein Thema“ für das Kultusministerium.

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