Auch für Ämter und die Justiz stellt das Coronavirus eine nie da gewesene Herausforderung dar. Unser Redakteur fordert, aus der Pandemie Lehren zu ziehen – und bei der Durchsetzung der Regeln Augenmaß walten zu lassen.
Region Stuttgart - Wenn sogar eine damals beteiligte Polizistin vor Gericht den Überblick darüber verliert, wie viele Menschen unter welchen Voraussetzungen an diesem oder jenem Tag zusammenkommen durften – oder auch nicht –, ist das ein Zeichen dafür, wie viel Verwirrung die Maßnahmen zum Infektionsschutz vor allem zu Beginn der Pandemie ausgelöst haben.
Immerhin: Dieser Tage wird von den Behörden offen kommuniziert, von welcher Zahl von Neuinfektionen an sie welche Einschränkungen bekannt geben werden. Vor allem zu Beginn des Shutdowns war dies anders. Bei vielen Menschen kam das – nicht ohne Grund – so an, dass jeder in Sachen Infektionsschutz sein eigenes Ding drehen würde, dass viele der Maßnahmen willkürlich ausgedacht und zunächst provisorisch umgesetzt seien.
Das nächste Virus kommt bestimmt
Dabei war das Coronavirus nicht die erste Gelegenheit, sich über den Infektionsschutz Gedanken zu machen. Schweinegrippe, Sars, Vogelgrippe – all diese Krankheiten wären für gut bezahlte Funktionäre eigentlich ein Anreiz gewesen, für den Fall der Fälle vorzusorgen und nicht erst dann zu reagieren, wenn die Infektionswelle schon heran schwappt.
Welche Maßnahmen können ein grassierendes Virus wirklich eindämmen? Und wie gelingt es den Behörden, diese mit Augenmaß umzusetzen? Diese Erkenntnisse gilt es nun nüchtern zu analysieren und die Konsequenzen zu verinnerlichen. Es braucht ein verbindliches und vor allem nachvollziehbares System, nach dem sich die Einzelnen, die Ämter und die Geschäftsbetreiber in Zukunft richten können. Denn das nächste Virus kommt bestimmt, wie auch immer es heißen mag.