Eingeschlagenes Schaufenster aus der Krawallnacht in Stuttgart. Foto: dpa/Silas Stein

Zwei junge Männer stehen nach der Stuttgarter Krawallnacht wegen versuchten Totschlags vor Gericht. Sie sollen sich bei manchen ihrer Taten gefilmt haben.

Stuttgart - Die Hauptverhandlung gegen zwei 19 und 17 Jahre alte Angeklagte, die in der sogenannten Stuttgarter Krawallnacht im vorigen Jahr einen Studenten schwer verletzt haben sollen, wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit fortgesetzt. Es heißt, der jüngere Angeklagte habe am ersten Prozesstag einige der schweren Vorwürfe eingeräumt. Sein Mitangeklagter schweigt hingegen.

 

Die jungen Männer aus Geislingen und aus Esslingen müssen sich wegen versuchten Totschlags, wegen besonders schweren Landfriedensbruchs, gefährlicher Körperverletzung und wegen tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte vor der 3. Jugendstrafkammer des Landgerichts verantworten. Sie sollen mit zu den Ersten gehört haben, die in der Nacht auf den 21. Juni Polizisten attackierten.

Kontrolle löste Krawalle aus

Auslöser der Krawalle war offenbar die Polizeikontrolle eines 17-Jährigen am Eckensee wegen Drogenverdachts gewesen. Sofort solidarisierten sich dabei etliche meist junge Männer mit dem 17-Jährigen und gingen gegen die Polizisten vor. Die Einsatzkräfte wurden mit Steinen, Flaschen und anderen Gegenständen beworfen, woran sich die Angeklagten beteiligt haben sollen. Einer der beiden habe einen Stuhl mit voller Wucht auf die Beamten geworfen. Anschließend hätten die zwei Angeklagten mit anderen Tätern Einsatzfahrzeuge der Polizei demoliert.

Kurz vor Mitternacht sollen die jungen Männer einen 24-jährigen Studenten auf der Grünfläche an der Bolzstraße niedergeschlagen haben. Der Student hatte die Flaschenwürfe gesehen und die Angreifer zum Aufhören bringen wollen. Er bekam einen Faustschlag ins Gesicht, verlor das Bewusstsein und soll dann von den Angeklagten mit Tritten malträtiert worden sein. Dabei sei das Opfer mindestens einmal stampfend auf den Kopf getreten worden. Als die Täter von dem 24-Jährigen abließen, soll einer der Angeklagten gesagt haben: „Der ist tot, Mann.“

Der Student trug Verletzungen an Kopf, Schultern, Nacken und am Oberkörper davon. Zudem brachen dem jungen Mann die Vorderzähne ab.

32 Polizisten verletzt

Anschließend sollen die Angeklagten ein weiteres Einsatzfahrzeug der Polizei auf der Königstraße demoliert und Flaschen auf Polizisten geworfen haben. Dabei, so ist zu erfahren, sollen sie sich munter mit dem Mobiltelefon gefilmt haben.

Die Polizei hat umfangreiches Videomaterial gesichtet. Darunter soll es eine Filmsequenz geben, die den 19-Jährigen bei der Attacke auf den Studenten entlastet. Allerdings sind auch Belastungszeugen geladen.

In jener Nacht sind 32 Polizeibeamtinnen und -beamte verletzt worden. 24 Einsatzfahrzeuge der Polizei und ein Wagen des Deutschen Roten Kreuzes wurden demoliert. Der Schaden belief sich auf rund 100 000 Euro. Zudem hatten die Randalierer 41 Ladengeschäfte auf der König- und Marienstraße beschädigt oder gar verwüstet. In elf Geschäften wurde geplündert. Der Schaden hier: rund 360 000 Euro.

Der Prozess gegen die zwei jungen Männer wird hinter verschlossenen Türen fortgesetzt.