Im Amtsgerichtsgebäude an der Bahnhofstraße ist nahezu eine ganze Familie erschienen. Foto: Pascal Thiel

Ein 40-jähriger Mann steht wegen falscher Verdächtigung vor Gericht, kommt aber noch mal davon. Offenbar war ihm gar nicht klar, was er falsch gemacht hatte.

Waiblingen - Solche Familienstreitereien gibt es wohl allerorten: Die erwachsenen Kinder liegen sich wegen des Wohls der Eltern – und wohl auch wegen deren Vermögen – in den Haaren. So auch bei einer Familie in einer Remstalkommune, wo die Eltern gemeinsam mit einem von zwei Söhnen und einer Tochter im Eigenheim wohnen, jeder in einer separaten Wohnung. Die Geschwister sind seit Jahren über Kreuz mit dem Bruder im Haus, die Mutter traut anscheinend allen drei Kindern nicht. Diesen Eindruck gewann man jedenfalls am Montagmorgen vor dem Waiblinger Amtsgericht, wo nahezu die komplette Familie vorgeladen war.

„Der lebt nur auf Kosten anderer.“

Die Hauptrolle kam dabei dem 40-jährigen Sohn zu, der mit seinen Eltern und der Schwester in der Remstalkommune lebt. Dieser hatte seine Geschwister im Januar bei der Polizei angezeigt, weil sie angeblich die Unterschriften der Eltern auf Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten gefälscht hätten. Allerdings relativierte der 40-Jährige diesen Vorwurf etwas später vor einem Rechtspfleger des Amtsgerichts: seine Eltern hätten nicht gewusst, was sie unterschrieben, sagte er damals.

Schließlich wendete sich das Blatt dann gegen ihn, als er nun wegen falscher Verdächtigung vor dem Kadi stand. Und obwohl eigentlich ausschließlich sein Anwalt für ihn zur Sache sprechen sollte, konnte er nicht an sich halten. „Mein Vater war gar nicht in der Lage, das zu verstehen. Er hat Alzheimer.“ Sein Bruder habe die Situation ausgenutzt. „Der lebt doch nur auf Kosten anderer.“

Wie sich während der Zeugenaussagen dieses Bruders und der Schwester herausstellte, sind sie seit langem mit dem 40-Jährigen über Kreuz. „Er beschimpft unsere Mutter und hat sie auch schon geohrfeigt“, berichtete der 34-jährige Bruder, der zusammen mit der 45-jährigen Schwester die Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten für die Eltern vor drei Jahren in die Wege geleitet hatten. Dem Vater sei es damals schlecht gegangen. Um Geld sei es dabei nicht gegangen, beteuerte die Schwester. „Unsere Eltern haben ihr Vermögen bereits an uns übertragen“, sagte die 45-Jährige.

Die Mutter will nicht gewusst haben, was sie unterschrieb

Sie hätten die Dokumente bei einem Internetdienstleister für rechtliche Vorsorge erstellen lassen und diese dann den Eltern vorgelegt, sagte die Schwester. „Wir haben ihnen gesagt, was da drin steht. Aber meine Mutter will manchmal nicht hören, was man sagt. Sie sagt dann einfach, tu dies oder das.“

Die Mutter behauptete schließlich, sie und ihr Mann hätten nicht gewusst, was sie da unterschrieben hatten. „Ich dachte, das ist alles für das Krankenhaus.“ Sie habe sich schließlich ihrer Schwester anvertraut, die ihr dazu geraten habe, alles annullieren zu lassen. Das habe sie schließlich auch mit Hilfe eines Anwalts getan. „Man weiß ja nicht, was die drei alles getan haben“, meinte sie im Hinblick auf ihre Kinder.

Die Stimmung in der Familie scheint jedenfalls nicht die beste zu sein, dennoch leben alle unter einem Dach und wollen das auch nicht ändern. Die Schwester spricht von ihrem älteren Bruder als „der Person“, die Mutter traut allen dreien nicht. In dieser aufgeheizten Situation hat sich der 40-Jährige wohl vergaloppiert, als er seine Geschwister anzeigte, sie hätten die Unterschriften gefälscht. Auf den Kopien, die er zu Gesicht bekommen hatte, waren die Signaturen allerdings kaum lesbar. Deshalb sagte er später, seine Eltern hätten schon unterschrieben, aber nicht gewusst was.

Das Verfahren wird eingestellt

Das Verfahren wurde schließlich wegen geringer Schuld eingestellt. Der Verteidiger hatte argumentiert, sein Mandant habe trotz seiner Erklärungen nicht richtig verstanden, was an der Anzeige falsch gewesen sei. Von Vorsatz könne auf keinen Fall die Rede sein. Seine Auslagen für den Prozess muss der 40-Jährige selbst bezahlen, die Gerichtskosten trägt der Staat.

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