Der Angeklagte, hier in einer Aufnahme vom 7. Februar, schweigt weiter. Foto: Kuhnle (Archiv)

Auch am dritten Tag des Totschlagsprozesses am Landgericht Heilbronn um die tote Feuerwehrfrau aus Marbach schweigt der Ehemann und mutmaßliche Täter.

Nach zwei kurzen Prozesstagen hat die 1. Schwurgerichtskammer des Landgerichts Heilbronn am dritten Verhandlungstag erstmals Zeugen zu Wort kommen lassen – darunter mehrere Bewohner der beiden Häuser, in deren gemeinsamem Keller der Brand ausgebrochen war. Angeklagt wegen Totschlags an seiner Ehefrau ist ein 28-jähriger Mann, beide waren Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr, allerdings in unterschiedlichen Ortsgruppen.

 

Ein 85-jähriger Hausbewohner, der in der Nacht zum 6. August vergangenen Jahres wie alle anderen 37 Bewohner auch, das Haus im Eisenachweg in Marbach nach einem Feueralarm verlassen musste, schilderte, er habe beim Hinausgehen den Angeklagten in einiger Entfernung gesehen und das Bedürfnis gehabt, sich „aus medizinischer Sicht“ um ihn zu kümmern. „Wir hatten im Haus mittlerweile gehört, dass etwas Schlimmes passiert ist“, erklärte der Rentner. Ein Feuerwehrmann oder Polizeibeamter in zivil hätten ihn jedoch daran gehindert, sich dem 28-Jährigen zu nähern. „Der Angeklagte sah aus, als sei er in einem Schockzustand. Er kauerte am Boden und war zusammengesunken“, schilderte der 85-Jährige seine Beobachtungen.

Wegen 9/11 schnell reagiert

Die Ehefrau des Mannes berichtete, sie habe einen leichten Schlaf und sei gegen 3.30 Uhr durch einen leisen Ton aufgewacht. Sie habe zunächst vermutet, der Rauchmelder in ihrer Wohnung habe angeschlagen, dann habe sie registriert, dass das Geräusch aus dem Keller komme. Sie habe ihren noch tief schlafenden Mann sowie den Sohn und ihren Enkel, die gerade beide aus New York zu Besuch gewesen seien, geweckt. Dann habe sie Handy und Schlüssel ergriffen, einen Mantel über den Pyjama gezogen und sei nach unten gegangen. „Mein Sohn und der Enkel haben den 11. September in New York erlebt, die waren ganz schnell draußen“, erzählte die 84-Jährige.

Im Treppenhaus habe man den Qualm gerochen und Rauchschwaden gesehen, man habe aber noch gut durch das Haus hinuntergehen können. „Vor dem Haus habe ich dann gesehen, wie aus Lüftungsschächten von Haus Nummer acht dicker Rauch quoll“, führte die Frau weiter aus. Sie seien dann vom DRK betreut und mit Kaffee und Tee versorgt worden. Gegen 10 Uhr am Vormittag seien sie in ihre Wohnungen zurückgekehrt, nachdem durchgelüftet worden sei.

Die Staatsanwaltschaft geht in ihrer Anklage davon aus, dass der Angeklagte mit seiner Frau, die Leiterin der Marbacher Jugendfeuerwehr war, in der Nacht zum 6. August 2023 in einen lautstarken Streit geraten ist, weil diese sich von ihm trennen wollte. Dabei habe der Angeklagte beschlossen, seine Ehefrau zu töten. Er soll ihr mit einem stumpfen Gegenstand auf den Kopf geschlagen haben, sodass sie bewusstlos wurde, und ihr dann entweder ein Kissen aufs Gesicht gedrückt oder eine Tüte über den Kopf gezogen haben, sodass diese verstarb. Anschließend hat er nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft die nur mit Slip und Shirt bekleidete Frau in den Keller des Nachbarhauses getragen, die Keller beider Häuser sind verbunden.

Kartonagen um die tote Frau drapiert und angezündet

Dort hat er laut Anklage Kartonagen, Bretter und Grillanzünder um die Leiche drapiert und entzündet, um durch einen Brand seine Tat zu verschleiern. Zudem habe er einen Feuerlöscher neben seine bereits tote Frau gestellt, um den Eindruck zu erwecken, sie sei beim Löschen des Feuers gestorben. Anschließend sei er zurück in seine Wohnung gegangen, ohne sich darum zu kümmern, in welche Lebensgefahr er die ahnungslosen 38 Bewohner der beiden Häuser brachte. Der Schaden durch das Feuer wird auf rund 150 000 Euro geschätzt.