Die Polizei untersucht den Unfallort am Olgaeck am Abend des 2. Mai 2025. Das Stuttgarter Amtsgericht muss jetzt die rechtlichen Folgen klären. Foto: SDMG

Der Prozess um den schweren Unfall mit einem Todesopfer und acht Verletzten am Olgaeck zieht sich in die Länge. Zeugen berichten von großem Durcheinander an der Unfallstelle.

Ein Polizist spricht leise, man versteht ihn kaum. Er könne sich nicht an alles erinnern, was an jenem 2. Mai 2025 am Olgaeck gesagt worden sei. „Ich stand selbst unter Schock“, sagt er als Zeuge am Stuttgarter Amtsgericht.

 

Damals war ein schwerer Mercedes-Geländewagen von der Fahrbahn abgekommen und gegen das Geländer der Stadtbahnhaltestelle gerollt. Eine 46 Jahre alte Frau verlor ihr Leben, acht weitere Menschen wurden teils schwer verletzt, darunter fünf Kinder.

45-minütiges Geständnis

Angeklagt ist der Fahrer des Wagens, ein heute 43 Jahre alte Unternehmer, wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung in acht Fällen sowie Gefährdung des Straßenverkehrs. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, fahruntüchtig gewesen zu sein. In seinem Blut seien Spuren eines Kokainkonsums festgestellt worden. Der Angeklagte hat bereits in seiner 45-minütigen Aussage eingestanden, in den Vortagen Kokain, am Vorabend zudem ein Schlafmittel konsumiert zu haben - „mehrere Tabletten“.

Zeugen beschreiben furchtbares Bild

Am Amtsgericht wird nun ein Zeuge nach dem anderen gehört, die meisten sind Polizisten, die vor Ort gewesen sind. Der anfängliche Verdacht einer Amokfahrt habe sich sehr schnell zerschlagen, sagen sie aus. Und beschreiben furchtbare Bilder. „Die Verletzten lagen teils auf dem Boden, teils auf der Treppe zur Stadtbahnhaltestelle“, erinnert sich ein Beamter. Da seien sehr viele Menschen gewesen, alles sei sehr laut gewesen, während er sich um die später verstorbene Frau gekümmert habe. „Alle haben nach Hilfe gerufen, die Kinder haben geweint und vor Schmerzen geschrien“, sagt der Oberkommissar.

Am heutigen Mittwoch läuft der Prozess um den Unfall am Olgaeck, bei dem eine Frau starb. Foto: LG/Ferdinando Iannone

Der Unfallverursacher, so schildern es Zeugen, habe verzweifelt und verwirrt gewirkt. Er habe sich um die Verletzten kümmern wollen, während ein Passant sein eigenes Kind aus dem Auto holte und auf die andere Straßenseite brachte. Er wurde zunächst in Polizeigewahrsam genommen, weil nicht klar gewesen sei, ob Fluchtgefahr besteht.

Auf der Wache sei er kooperativ gewesen, allerdings auffällig. Er habe stark geschwitzt und gezittert, zudem viel geredet, erinnern sich verschiedene Beamte. Ob vom Schock oder wegen der Restdrogen, ist offen - jedenfalls entschloss man sich, einen Drogentest zu machen. Der dann auch entsprechend positiv gewesen sei auf Kokain und Schlafmittel. Der Mann habe sich selbst nicht erklären können, warum es zu dem Unfall gekommen sei, habe abwechselnd vermutet, er könne eingeschlafen, abgelenkt gewesen oder vom Lenkrad abgerutscht sein. Die Todesnachricht habe ihn schwer getroffen.

Am Nachmittag haben die Sachverständigen das Wort, die den Unfall rekonstruiert haben. Klar ist bereits, dass der Mercedes maximal 34 Stundenkilometer schnell gewesen ist auf der rund 30 Meter langen Strecke von der Haltelinie an der roten Ampel bis zur Unfallstelle. Ein anderer Autofahrer sagt dazu, der Mercedes sei „sehr zügig“ angefahren.

Außerdem wartet ein schwerer Moment auf die Hinterbliebenen und anderen Opfer. Denn es gibt ein Video, das die Ausfahrt des Stadtbahntunnels gefilmt hat - und den Unfall. Das Gericht wird den Angehörigen dann freistellen, den Saal zu verlassen. Mit einem Urteil wird am späten Nachmittag oder Abend gerechnet.