Der erste Überfall in einem Bankautomatenraum ging komplett schief. Foto: dpa

Zwei junge Männer gestehen vor Gericht zwei Überfälle. Einer fand im Vorraum einer Bank in Backnang statt, der andere in einer Tankstelle in Oppenweiler.

Backnang - Seit sechs Monaten sitzt der 19-jährige Angeklagte in Untersuchungshaft. Vor einer Jugendstrafkammer des Stuttgarter Landgerichts hat der schmächtig wirkende junge Mann am Dienstag gestanden, am 6. März im Geldautomatenraum einer Volksbankfiliale in Backnang eine Frau überfallen zu haben und am 14. März eine Tankstelle an der Hauptstraße in Oppenweiler. Im ersten Fall floh er ohne Beute, im zweiten mit 590 Euro.

Beide Angeklagten gestehen alles

Das Geld gab er seinem 18 Jahre alten Kumpel, der neben ihm auf der Anklagebank sitzt. „Er wollte einen Hund kaufen, hatte aber kein Geld. Da hat er mich gefragt, ob ich es ihm beschaffen könnte“, sagt der 19-Jährige. Nachdem der Ältere am Vormittag alles zugegeben hat, was ihm die Staatsanwaltschaft vorwirft, ringt sich auch der 18-Jährige nach der Mittagspause zu einem Geständnis durch. Fragen will er nicht beantworten. Die Scham darüber, seinem Freund die Schuld allein in die Schuhe schieben zu wollen, war wohl zu groß. Im Gegensatz zu diesem ist er auf freiem Fuß.

„Es ist gut für einige der Zeugen, dass wir sie jetzt nicht mehr hören müssen“, sagt der Vorsitzende Richter, den die Aussage des 19-Jährigen voll überzeugt hat. Mehrere Kumpels des 18-Jährigen hatten bei der Polizei behauptet, bei den Vorbereitungen zu den Taten mit dabei gewesen zu sein. Sie bescheinigten dem 19-Jährigen, die treibende Kraft gewesen zu sein. „Die waren gar nicht dabei“, sagt der 19-Jährige, der zum Tatzeitpunkt Drogen konsumierte, unter anderem „Legal High“, Kräutermischungen und synthetische Stoffe wie Badesalze, die über das Internet vertrieben werden. „Seien Sie froh, dass Sie davon keinen schlimmeren Schaden bekommen haben. Wir haben hier schon Zombies vor uns gehabt, mit denen wir wegen dieses Zeugs nicht mehr so sprechen konnten wie mit Ihnen“, kommentiert der Vorsitzende das.

Der Überfall auf den Geldautomaten geschah aus Geldmangel der beiden Angeklagten. So sei er beim Chillen im Zimmer des 18-Jährigen auf die Idee zu einem Raubüberfall gekommen, berichtet der 19-Jährige. Sein Kumpel habe ihn mit einem Schal und einem Messer ausgerüstet, dann sei er mit dem Bus nach Backnang gefahren. Der andere habe nicht mitkommen wollen. „Er hatte noch Bewährung.“

In dem Vorraum ging dann alles schief. Einer 46-jährigen Frau, die eben im Begriff war, Geld abzuheben, hielt er das Messer vor. „Sie war völlig panisch“, berichtet der Angeklagte, der zwar „Geld her“ rief, aber sofort flüchtete, als ein Mann auftauchte. Aus Sicht der beiden Angeklagten war der Überfall jedoch erfolgreich. „Ich war ja nicht festgenommen worden“, sagt der 19-Jährige, der mit dem Gesetz bis dahin noch nicht in Konflikt geraten war.

Flucht mit einem Schokoriegel

So willigte er ein, als sein 18-jähriger Freund ihn um Hilfe bat, da ihm das Geld fehlte, um einen Hund zu kaufen, der ihm angeboten worden war. Zuerst sollte eine Tankstelle in Sulzbach an der Murr überfallen werden. „Als wir dort ankamen, hatte die aber zu“, berichtet der 19-Jährige, der dieses Mal mit einer goldfarbenen Schreckschusspistole bewaffnet war.

Auf der Rückfahrt mit dem Bus kam dann die Idee, die Tankstelle an der Oppenweiler Hauptstraße zu überfallen. „Das ist jetzt nicht dein Ernst“, habe die Kassiererin gesagt, als der mit einer Sturmhaube maskierte Täter vor ihr stand. Während sie das Geld aus der Kasse nahm, bekam dieser Hunger. Er nahm einen Schokoriegel an sich, den er auf der Flucht mit dem Fahrrad verspeiste. – Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.

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