Das Urbacher Asylheim stand lichterloh in Flammen und war nach dem Brand nicht mehr bewohnbar. Foto: SDMG

Ein 23-jähriger Angeklagter gibt vor dem Stuttgarter Landgericht zu, für ein Feuer in einer Urbacher Asylunterkunft am 16. März verantwortlich zu sein. Allerdings habe er nicht das Gebäude in Brand stecken, sondern sich selbst umbringen wollen.

Urbach - Der Brand der Asylbewerberunterkunft Wasenmühle in Urbach am 16. März ist schnell aufgeklärt worden. Noch während die Flammen aus dem Containergebäude schlugen, stellte sich ein 23-jähriger Bewohner der Polizei und erklärte, er habe das Feuer verursacht. Nun steht der junge Mann, der zwar afghanischer Staatsbürger ist, aber sein ganzes Leben in Teheran verbracht hat, vor einer Schwurgerichtskammer des Stuttgarter Landgerichts. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm schwere Brandstiftung vor, versuchte Brandstiftung mit Todesfolge und, was am gravierendsten wiegt, versuchten Mord. Zur Zeit des Brandes, der gegen 22 Uhr bemerkt wurde, hielten sich 22 Bewohner in dem aus Einzelcontainern zusammengesetzten Gebäude auf, das durch das Feuer unbewohnbar wurde. Der Schaden beträgt rund 150 000 Euro.

Kontrollverlust unter Alkohol

Der Angeklagte hat am Freitag zugegeben, für den Brand verantwortlich zu sein. Allerdings weicht seine Darstellung des Ablaufs von der Anklage ab. Der Staatsanwalt geht davon aus, dass der Mann mit einem Feuerzeug die Matratze seines Bettes in Brand gesetzt hat, dann aus dem Zimmer ging und von außen filmte, wie die Flammen aus dem Fenster seines Zimmers nach draußen schlugen. Der Grund für die Tat sei Frustration über seine Lebensumstände gewesen, außerdem habe er unter dem Einfluss von Cannabis gestanden und zudem rund ein Promille Alkohol im Blut gehabt.

Ihm sei es an dem Tag sehr schlecht gegangen, gibt der Angeklagte zu Protokoll. Er habe mit seiner Familie telefoniert und erfahren, dass seine Mutter sehr krank sei. Außerdem habe er solche Zahnschmerzen gehabt, dass er am liebsten seinen Kopf gegen die Wand geschlagen hätte. Etwas, was er ähnlich bereits vor zwei Jahren in einer Unterkunft in Rudersberg in die Tat umgesetzt hat: Dort hatte er mit dem Kopf so gegen die Bürotür eines Sozialarbeiters geschlagen, dass diese kaputt ging. Außerdem hatte er gedroht, Feuer zu legen, sollte er nicht wie gewünscht verlegt werden.

Am 16. März habe er bereits eine Flasche Wein und vier Schnäpse getrunken gehabt. Unter Alkohol wisse er oft nicht mehr, was er tue. An dem Tag sei es ihm so elend gegangen, dass er beschlossen habe, sich umzubringen, indem er sich selbst verbrannte. Er habe sein Feuerzeug genommen und sein Sweatshirt angezündet. Als dieses brannte, sei er jedoch erschrocken und zu sich gekommen. „Ich habe es ausgezogen und aufs Bett geworfen.“

Brand mit Handy gefilmt

Er habe angenommen, die Flammen seien ausgegangen und habe das Zimmer verlassen, das er zusammen mit einem anderen Mann bewohnte, der an diesem Abend nicht anwesend war. Deshalb habe er abgeschlossen und sei dann zur Toilette, weil ihm schlecht geworden sei. Als er wieder herauskam, sei bereits der Feueralarm ausgelöst gewesen und er sei vor das Gebäude gegangen. Dort habe er gesehen, dass es in seinem Zimmer brannte und zwar so, dass er nicht den Mut zu einem Löschversuch gehabt habe. Warum er dort sein Handy aus der Tasche nahm und den Brand filmte, konnte er nicht überzeugend erklären. Der Prozess wird am 24. Juli fortgesetzt.

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