Geldwäsche wird zumeist hart bestraft. Foto: picture alliance/dpa/Henning Kaiser

Ein 57-jähriger Obdachloser aus Sachsenheim beteiligt sich an dubiosen Geschäften. Ihm wird Geldwäsche vorgeworfen.

Vaihingen/Enz - Ein obdachloser Mann transferiert alle paar Tage Geldsummen ins Ausland, die unmittelbar zuvor auf seinem Konto eingegangen sind. Seiner Bank in Bietigheim kommt das merkwürdig vor. Sie meldet ihren Verdacht der Zollgeneraldirektion.

Ergebnis: Wegen Geldwäsche muss sich der 57-Jährige aus Sachsenheim seit Dienstag vor dem Strafgericht des Amtsgerichts Vaihingen an der Enz verantworten. Dass er von einer Bande lediglich als unbedarfter Mittler benutzt wurde, zeigte sich bereits am ersten Verhandlungstag.

Überweisungen belaufen sich auf 33000 Euro

Die Staatsanwaltschaft listete über einen Zeitraum von einem halben Jahr 26 Überweisungen an Empfänger zumeist in Mazedonien und dem Kosovo auf. Summa summarum 33 000 Euro. Knapp 4 000 Euro davon soll der Arbeitslose als Provision einbehalten haben. Die ersten 18 Fälle bewertete die Staatsanwaltschaft als leichtfertige Geldwäsche, da habe er über die Herkunft des Geldes noch nichts gewusst. Doch spätestens nach einer ersten Vorladung bei der Polizei wusste der Mann über die dunklen Geschäfte Bescheid, tätigte aber weitere Überweisungen.

Der gebürtige Ludwigsburger, der keine Ausbildung und keinen Beruf erlernt hat und seit mehr als einem Jahr in einer Obdachlosenunterkunft lebt, zeigte sich unbekümmert: „Ich hab’ nen Anruf bekommen, es wird Geld auf mein Konto überwiesen, das soll ich ins Ausland transferieren“, erzählte er. An vieles, was Richterin und Staatsanwalt von ihm wissen wollten, erinnerte er sich jedoch nicht. Auch kam ihm die Geschichte kaum merkwürdig vor. „Ich dachte, ich helfe jemanden, das finde ich in Ordnung.“ Ein Gutachten soll nun die Schuld- und Einsichtsfähigkeit des Angeklagten klären.

Die Masche mit dem angeblichen Gewinn beim Gewinnspiel

Den Ermittlungen der Polizei zufolge erhielten Menschen einen Anruf, sie hätten bei einem Gewinnspiel eine Menge Geld gewonnen. Doch um die Summe ausbezahlt zu bekommen, müssten sie noch Gebühren für den Transfer des Geldes überweisen. Diese landeten auf dem Konto des Angeklagten. Einige der Opfer ließen sich sogar mehrere Male zu Geldüberweisungen überreden.

So geriet etwa ein Selbstständiger aus Bayern in die Fänge der Organisation. „Ich hab’s leider geglaubt“, sagte der Mann leise im Gerichtssaal aus. Ihm wurde fast eine halbe Million Euro als Gewinn in Aussicht gestellt. Sieben Mal „überzeugte“ ihn ein Daniel Berger am Telefon oder auf WhatsApp zu zahlen. Am Ende war er 15 500 Euro los.

Der Prozess wird fortgeführt.

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