Vor dem Amtsgericht in Ludwigsburg wird gegen drei junge Männer wegen Raubes und gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Foto: /factum /Granville

Im März 2018 kommt es am Ludwigsburger Bahnhof zu tumultartigen Szenen, ein 25-Jähriger wird mit einem Messer verletzt. Drei Männer stehen deshalb nun vor Gericht – allerdings wegen anderer Straftaten.

Ludwigsburg - Es sind Vorfälle wie diese, deretwegen der LudwigsburgerBahnhof einen so schlechten Ruf genießt und viele S-Bahn-Fahrer froh sind, wenn sie möglichst schnell wieder wegkommen: Am Abend des 25. März 2018 ist viel los in und um den Bahnhof. Menschen hasten nach Hause, kaufen ein oder warten auf den Bus. Als es auf dem breiten Gehweg zwischen Bahnhof und Taxistand zum Tumult kommt, wird es noch hektischer. Es wird geschubst, geschrien, Fäuste fliegen – später zückt einer ein Messer.

Drei junge Männer stehen deshalb nun wegen Raubs beziehungsweise gefährlicher Körperverletzung vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft zwei von ihnen, einem 21- und einem 20-Jährigen, beide aus Syrien, vor, dass sie einen 19-Jährigen Kurden umzingelt, ihn bedroht und aufgefordert hätten, ihnen seine Wertsachen auszuhändigen. Das Opfer soll während der Auseinandersetzung auf den Boden gefallen sein, die beiden Angreifer machten sich mutmaßlich mit seinem Handy und seinem Geldbeutel aus dem Staub.

25-Jähriger bekommt Messer in den Rücken

Drei Bekannte des 19-Jährigen, die sich ebenfalls am Bahnhof aufhielten, hatten den Angriff bemerkt und nahmen gemeinsam mit dem Benninger die Verfolgung auf. Am Synagogenplatz stellten sie die Räuber. Ein 25-jähriger Friseur, der in Marbach wohnt, dürfte das heute noch bereuen. Im Getümmel stach ihm ein dritter Mann mit einem Messer in den Rücken, die Waffe traf zwar die Niere, lebensgefährlich waren die Verletzungen aber nicht. Bis heute ist nicht bekannt, wer für den fünftägigen Krankenhausaufenthalt des Mannes die Verantwortung trägt. Der Angreifer verlor bei der Aktion zwar offenbar ein Handy, das der 25-Jährige später im Krankenhaus der Polizei übergab. Nützliche Hinweise auf die Identität des Messerstechers lieferte das Telefon aber nicht.

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Am Tag nach dem Angriff auf dem Synagogenplatz kam es erneut zu einem Aufeinandertreffen zwischen dem 19-Jährigen und den beiden Syrern. Dieses Mal am Busbahnhof vor einem Café. Mit dabei war auch ein weiterer 20-Jähriger aus Syrien, der dritte Angeklagte. Die drei Männer hatten sich wohl mit einem Metallrohr, das zu einer Shisha gehört, einer mit Nägeln präparierten Holzlatte und einem Hammer bewaffnet. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die drei das am Vortag verloren gegangene Handy des Messerstechers zurückhaben wollten. Wieder eskalierte die Situation. Bei dem Angriff soll der 20-Jährige einen Auszubildenden der Firma Trumpf mit einer der Waffen auf den Kopf geschlagen haben.

Urteil fällt erst Anfang März

Zu rekonstruieren, was sich genau im März vor zwei Jahren am Bahnhof abgespielt hat, dürfte für das Gericht unmöglich sein. Ein Polizist, der damals vor Ort war, beschrieb die Zeugenaussagen als „großes Wirrwarr“. Ähnlich lief auch die Verhandlung am Donnerstag ab. Die drei Angeklagten bezichtigen vor allem den 19-jährigen Benninger der Lüge. Die Situation, die sie versuchten herunterzuspielen, sei eskaliert, weil es bereits am Vortag einen Disput gegeben habe. Das Opfer sei an der handgreiflichen Auseinandersetzung genauso schuld gewesen. Handy und Geld hätten sie nicht gestohlen, sondern lediglich vom Boden aufgehoben. Der 19-Jährige wiederum behauptete, die Angeklagten überhaupt nicht zu kennen.

Weil am Montag ein aus Sicht der Verteidigung wichtiger Zeuge fehlte, wird die Verhandlung erst Anfang März fortgesetzt. Dann fällt auch ein Urteil.

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