Kurz nach der Tat: Eine K Foto: 7aktuell.de/Simon Adomat

Eine 70-Jährige soll in Künzelsau einen Siebenjährigen erwürgt haben. Von der nächsten Woche an wird ihr deshalb in Heilbronn der Prozess gemacht. Die Frau schweigt bisher, das Motiv gibt Rätsel auf.

Heilbronn - Der Name steht noch auf dem Klingelschild, daneben der Hinweis, dass Werbung unerwünscht ist. Die Rollläden sind jedoch heruntergelassen, Laub liegt in der Garageneinfahrt. Das ehemals gepflegte Einfamilienhaus in Künzelsau (Hohenlohekreis) ist offensichtlich unbewohnt, verlassen. Denn die Frau, die hier lebte, sitzt in Untersuchungshaft und steht von Dienstag, 27. November, an vor dem Landgericht Heilbronn. Die Anklage lautet auf Totschlag. In dem unweit des Krankenhauses in Künzelsau (Hohenlohekreis) gelegenen Haus soll die ehemalige Krankenschwester Elisabeth S. am 27. April dieses Jahres einen siebenjährigen Jungen erwürgt und die Leiche anschließend in der Badewanne abgelegt haben.

Der Fall verursachte bundesweit Aufsehen. Der Vater hatte seinen Sohn bei der heute 70-Jährigen abholen wollen, die als Pflegeoma regelmäßig auf den Jungen aufpasste. Er fand das Kind tot in der Badewanne. Die Frau war zunächst verschwunden. „Nach der Tat habe sie sich im Bereich des Kocherufers bis zum Abend des Folgetages verborgen“, steht in der Anklageschrift. Und weiter: „Bei der Rückkehr in ihre Wohnung am 28. April wurde die Angeklagte festgenommen und befindet sich seitdem in Untersuchungshaft.“

Die Angeklagte soll den Jungen „innig geliebt“ haben

Seit fünf Jahren wurde der Junge aus der 15 000-Einwohner-Stadt immer wieder von der Witwe betreut, des Öfteren soll er auch in ihrem Haus übernachtet haben. Die Angeklagte habe den Jungen „innig geliebt“, zitiert das Magazin „Stern“ eine Freundin der Familie. Der Junge seinerseits soll die Pflegeoma ebenfalls geliebt, die Eltern sollen ihr vertraut haben. Sie galt in Künzelsau als unbescholtene Bürgerin. Die Gewalttat passt daher nicht ins Bild. Wie konnte es mutmaßlich dazu kommen, wäre die Frau überhaupt zu einer solchen Tat fähig? Dies soll ein psychiatrisches Gutachten aus dem Klinikum Weissenhof in Weinsberg (Kreis Heilbronn) klären, das die Staatsanwaltschaft in Auftrag gegeben hat.

Die Beschuldigte selbst schweigt zu den Vorwürfen – auf Anraten ihrer Anwältin, wie es heißt. Die Verteidigung hat die Heilbronner Rechtsanwältin Anke Stiefel-Bechdolf übernommen, deren Kanzlei bereits mehrfach Mandanten öffentlichkeitswirksam in Kapitaldelikten vor Gericht vertreten hat. Vor 14 Jahren beispielsweise etwa schlug der Fall des Bäckers aus Siegelsbach Wellen, der bei einem Banküberfall eine Frau getötet und zwei Menschen schwer verletzt hat. Anke Stiefel-Bechdolf hat sich auf Strafrecht spezialisiert und ist sechsmal in Folge vom Nachrichtenmagazin „Fokus“ zur deutschen Top-Anwältin gewählt worden.

33 Zeugen sind geladen

In Künzelsau sei es um die entsetzliche Tat inzwischen still geworden, erzählt eine ehemalige Bekannte der Angeklagten. Das Motiv gibt weiterhin Rätsel auf. Nun soll die Schwurgerichtskammer klären, was am 27. April in dem Einfamilienhaus tatsächlich geschah. Geladen sind neben der Angeklagten und ihrer Verteidigerin die Nebenkläger, die Eltern des getöteten Jungen, deren Anwalt, 33 Zeugen sowie drei Sachverständige, darunter ein Psychiater.

Acht Verhandlungstage sind für den Prozess angesetzt. Am 30. Januar 2019 soll das Urteil gesprochen werden.

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