Ein 56-Jähriger muss sich in Berlin wegen Mordes verantworten. Foto: dpa

Zehn Jahre lang lag die Leiche eines Rentners in einer Tiefkühltruhe. Der Berliner Witwer wurde nicht vermisst. Der Mann, der jahrelang dessen Rente kassierte, weist vor Gericht den Mordvorwurf zurück.

Berlin - Nach fast viermonatigem Prozess um einen zerstückelten Rentner in einer Tiefkühltruhe sorgt der Angeklagte für eine Überraschung: „Ich habe mich schuldig gemacht, aber ich habe ihn nicht ermordet“, erklärte der 56-Jährige am Freitag vor dem Landgericht. „Er war tot, als ich ihn in seiner Wohnung gefunden habe.“ Der Angeklagte gab zu, dass er die Leiche zerstückelte und verschwinden ließ. „Ich wollte von seiner stattlichen Rente profitieren“, hieß es in der Aussage, die der Verteidiger verlas.

Zehn Jahre lag die zerteilte Leiche des Witwers in dessen Wohnung im Stadtteil Prenzlauer Berg - und niemand vermisste ihn. Das Verbrechen hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst und auch die Frage aufgeworfen, ob Senioren gerade in Großstädten zunehmend vereinsamen.

Dem angeklagten Trödelhändler wird unter anderem Mord aus Habgier, Heimtücke und zur Ermöglichung einer anderen Straftat zur Last gelegt. Er soll sich das Vertrauen des Witwers erschlichen und nach dem Verbrechen großen Aufwand betrieben haben, um dessen Tod zu verschleiern. Polizisten hatten Anfang Januar 2017 die Wohnung geöffnet und die zerteile Leiche gefunden.

Angeklagter: Rentner lag tot in der Wohnung

Der Angeklagte erklärte nun über seine Verteidiger, er habe den Rentner sei längerem gekannt. Sie seien für einige Zeit Nachbarn gewesen. Der 80-Jährige habe nach dem Tod seiner Frau 2006 verstärkt Kontakt gesucht und in seiner Einsamkeit häufiger angerufen. „Er beauftragte mich auch mit kleineren Aufgaben“, so der Angeklagte. Ende 2006 habe ihn der Witwer gebeten, sich über Weihnachten und Silvester um dessen Wohnung zu kümmern. „Er wollte wegfahren und gab mir Wohnungsschlüssel.“

Der 56-Jährige will am 28. Dezember 2006 den Rentner tot in dessen Wohnung gefunden haben. „Er saß im Sessel, den Kopf zurückgelehnt, eine Wunde an der Stirn. Er war tot.“ Neben dem Sessel habe eine kleine Pistole gelegen. „Einen Abschiedsbrief fand ich nicht.“ Ihm sei der Gedanke gekommen: „Was wäre, wenn niemand von dem Tod erfahren würde.“ Er habe mit der Rente und den Ersparnissen des Rentners seine Spielsucht finanzieren wollen.

„Ich habe eine Tiefkühltruhe bestellt und bezahlt“, erklärte der 56-Jährige weiter. Weil die Leiche zu groß war, habe er sie zerteilt und im Eis versteckt. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass es so lange laufen könnte.“ Als er verhaftet wurde, habe er sich „befreit gefühlt“.

Zehn Jahre lang habe er die Rente des Witwers kassiert, so die Anklage. Der Trödelhändler habe im Namen des Opfers mit gefälschter Unterschrift Steuererklärungen und Schreiben an die Hausverwaltung verfasst, einen Post-Nachsendeauftrag erteilt und stets Miete für die Wohnung in der Hosemannstraße gezahlt.

Auch das Gericht zeigte sich überrascht von der Erklärung des 56-Jährigen. Der Prozess wird am 9. März fortgesetzt.

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