Oscar Pistorius soll seine Freundin Reeva Steenkamp getötet haben. Foto: dpa

300 Journalisten aus aller Welt kommen zum Mordprozess gegen Paralympics-Star Pistorius. In Südafrika startete sogar ein eigener Pistorius-TV-Kanal. Zeugen fühlen sich bedrängt.

300 Journalisten aus aller Welt kommen zum Mordprozess gegen Paralympics-Star Pistorius. In Südafrika startete sogar ein eigener Pistorius-TV-Kanal. Zeugen fühlen sich bedrängt.

Pretoria - Kurz vor Beginn des spektakulären Mordprozesses gegen den Paralympics-Star Oscar Pistorius an diesem Montag hat der Medienrummel mit voller Wucht begonnen.

Der südafrikanische Kabelanbieter Multi-Choice nahm am Sonntag auf einem eigens geschaffenen Pistorius-Kanal seine Berichterstattung rund um die Uhr auf. Mehrere Fernseh- und Radiostationen wollten ab Montag live aus dem Gerichtssaal in Pretoria übertragen.

300 Reporter aus aller Welt

Das Oberste Gericht der Provinz Gauteng hatte dem trotz der Einwände von Pistorius zugestimmt. Es ist das erste Mal in der Geschichte Südafrikas, dass ein solcher Prozess live übertragen wird. Etwa 300 Journalisten aus aller Welt haben sich angekündigt. Aus den USA und Großbritannien sind mehr als ein Dutzend Medien vertreten, zahlreiche Reporter kommen auch aus Deutschland, Frankreich oder Japan.

Journalisten ausländischer Medien haben der "Sunday Times" zufolge Zeugen im Pistorius-Prozess drangsaliert. Reporter hätten versucht, im Kreis von Angehörigen und Freunden der Zeugen "schmutzige Wäsche" auszugraben, zitierte die Zeitung einen Polizeioffizier. Mehrere Zeugen der Anklage, unter ihnen Polizisten, haben sich demnach über solche Belästigungen bei der Staatsanwaltschaft beschwert.

Pistorius: Hielt sie für Einbrecher

Der behinderte Sportstar hatte in der Nacht zum 14. Februar 2013 seine Freundin, das Model Reeva Steenkamp, in seiner Wohnung durch eine verschlossene Badezimmertür erschossen. Der 27-Jährige sagt, er habe einen Einbrecher in der Wohnung vermutet. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm gezielten Mord an der 29-Jährigen vor. Seit Ende Februar 2013 ist Pistorius gegen Kaution in Freiheit.

Am Montag wird Staatsanwalt Gerrie Nel die Anklage vortragen. Pistorius, der sich bisher als Opfer eines "entsetzlichen Irrtums" dargestellt hat, wird sich als "schuldig" oder "nicht schuldig" bekennen müssen. Danach beginnt die Zeugenvernehmung: Geladen sind allein von der Anklagebehörde 107 Polizisten, Forensiker und andere Experten sowie Nachbarn und Personen aus dem persönlichen Umfeld von Pistorius und des Opfers. Der Prozess ist zunächst auf 15 Verhandlungstage angesetzt.

Schießwütiger Sportstar?

Bei dem Indizienprozess wird es besonders um die Glaubwürdigkeit des Angeklagten gehen. Die Ausstrahlung eines jetzt veröffentlichten Videos, das Pistorius an einem Schießstand zeigt, scheint die Staatsanwaltschaft zu bestätigen, die den 27-Jährigen als schießwütig darstellt.

Die am Wochenende im britischen Sender Sky News veröffentlichten Aufnahmen zeigen den Sprintstar, wie er mit einer Pistole auf eine Wassermelone schießt. Man hört die Stimme eines Mannes, der die explodierte Melone mit den Worten kommentiert: "Sie ist viel weicher als ein Gehirn, aber...". Der Sender berichtete, es sei die Stimme von Pistorius.

Die Familie von Oscar Pistorius betonte noch einmal ihre Solidarität mit dem Angeklagten. "Wir lieben Oscar, wir glauben ihm, wir werden während des gesamten Prozesses zu ihm stehen", betont der Onkel, Carl Pistorius, auf der Website des südafrikanischen Sportidols. Weder die Familie noch die Anwälte würden die Medienberichte kommentieren: "Die Zeit für öffentlichen Kommentare ist vorbei", so der Onkel, bei dem der Angeklagte seit seiner Freilassung gegen Kaution lebt. Pistorius wird auch nach jedem Verhandlungstag in das Haus seines Verwandten zurückkehren.

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