Eingeschüchtert im Gerichtssaal: die ehemalige Hausdienerin und Zeugin. Foto: dpa

Acht Prinzessinnen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten stehen in Brüssel vor Gericht: sie sollen ihre Bediensteten in einem Luxushotel über Monate gequält und gedemütigt haben.

Brüssel - Mit ihren schwarz lackierten Fingernägeln, den blondierten Haaren und der westlichen Kleidung hebt sich die etwa 40-Jährige Tunesierin kaum ab von vielen anderen Migranten aus Nordafrika. Sie habe Angst, ihre Aussage zu machen, flüstert sie ihrer Anwältin zu. Zwei Stunden lang hat sie ruhig in der ersten Reihe von Saal 4 im Tiefparterre des Brüsseler Justizpalastes gesessen. Eingezwängt zwischen den fünf Anwälten der fünf Prinzessinnen und den sieben Anwälten, die ihre Interessen und die der anderen zehn Opfer in diesem Fall moderner Sklaverei vertreten. Nur sie und eine weitere ehemalige Kollegin sind so mutig, vor Gericht auszusagen. Es soll Repressionen gegeben haben – bis hin zu ihrer Familie in Tunesien.

Nachts geweckt, beschimpft und beleidigt

Jetzt ist sie an der Reihe: Sie schildert, wie sie von der Familie eines Emirs aus den Vereinigten Arabischen Emiraten erst als Hausangestellte angeheuert wurde, dann aber bald wie eine „Sache“ behandelt wurde. Nachts habe sie auf einer dünnen Matratze auf dem Boden vor der Zimmertür ausharren müssen, immer auf Abruf bereit, wenn die Herrschaft ein Glas Wasser wollte. Oder eine Massage. Letzteres konnte auch zwei Mal kurz hintereinander mitten in der Nacht vorkommen. Sie sei beschimpft und beleidigt worden: „Hund, Kuh, Hure.“ Sie habe keinen Anspruch auf Freizeit oder Urlaub gehabt, der Pass war ihr abgenommen worden. Und Lohn? Den habe sie auch nicht bekommen.

Das Sicherheitspersonal der Familie passte auf, dass keiner der Hausangestellten entwischen konnte. Als eine Kollegin es dennoch versuchte, sei sie drei Tage lang, ohne etwas zu essen zu bekommen, in einem Zimmer eingesperrt worden.

Die Gäste vom Golf hatten mehr als hundert Zimmer gemietet

Der Fall war im Juli 2008 ins Rollen gekommen, als ein Opfer flüchtete und sich den Behörden offenbarte. Früh morgens fand dann eine Razzia im Brüsseler Luxushotel Conrad statt, wo die Familie des Scheichs über Monate hinweg die ganze vierte Etage mit einer Flucht von über hundert Zimmern gemietet hatte. Eine der Töchter der Familie konnte keinen Nachwuchs bekommen und befand sich für die Fruchtbarkeitsbehandlung in der belgischen Hauptstadt. Nach Überzeugung von Menschenrechtsorganisationen handelt es sich bei den Misshandlungen nicht um einen Einzelfall. Human Rights Watch spricht davon, dass Hausangestellte in den Emiraten so gut wie keinerlei Rechte haben. Die Prinzessinnen konnten Belgien damals unbehelligt verlassen. Eine Kaution wurde nicht verlangt.

Die Strafen könnten auch für Araber teuer werden

Acht Jahre später wird ihnen nun in Brüssel der Strafprozess gemacht. Keine von ihnen ist vor Gericht erschienen. Ihre Anwälte haben vergeblich versucht, die Eröffnung des Prozesses zu verhindern. Auf das Delikt, sklavenartige Beschäftigung, steht in Belgien eine Strafe von bis zu fünf Jahren Haft. Die Anwälte der Opfer erwarten aber eher, dass eine saftige Geldstrafe verhängt wird. Hinzu kommen zivilrechtliche Forderungen der Opfer. Allein die Anwältin der Tunesierin fordert für ihre Mandantin eine Entschädigung von 467 632 Euro. Damit sollen der Lohnausfall, die körperlichen und seelischen Qualen abgegolten werden, die ihr zwischen 2005 und 2008 zugefügt wurden. Da insgesamt elf Geschädigte ihre Ansprüche geltend machen, und die belgische Sozialversicherung 157 000 Euro an geschuldeten Beiträgen einfordert, kann die Strafe wohl selbst für Prinzessinnen aus Tausendundeiner Nacht richtig ins Geld gehen. Mit einem Urteil wird etwa in einem Monat gerechnet.

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