Vor dem Landgericht Stuttgart wird der Fall eines 32-Jährigen verhandelt, der ein Casino ausgeraubt haben soll. Foto: dpa/Archiv

Weil er im Oktober vergangenen Jahres ein Casino in Backnang ausgeraubt haben soll, muss sich ein 32-Jähriger vor dem Stuttgarter Landgericht verantworten. Verzweiflung sei der Grund für die Tat gewesen, erklärte er im Prozessauftakt.

Stuttgart - Mit einem 30 Zentimeter langen Messer bewaffnet soll ein heute 32-Jähriger im Oktober vergangenen Jahres ein Casino in Backnang ausgeraubt haben. Seit Dienstag muss sich der gebürtige Kölner deshalb vor dem Stuttgarter Landgericht verantworten.

Der Angeklagte hatte die Tat bereits im Rahmen der Haftbefehlseröffnung eingeräumt. Im Prozess schilderte er nochmals den Tathergang. Demnach habe er am Abend des 20. Oktober vergangenen Jahres beschlossen, das Casino, das ihm bekannt war, auszurauben. „Das war ein kurzer Entschluss, um irgendwie an Geld ranzukommen“, sagte er. Ein Mann, den er noch nicht lange kannte, und der gegenüber seiner Wohnung eine Postadresse hatte, habe ihn mit dem Auto zu der Spielhalle gefahren. „Ich hab mich alleine nicht getraut. Also hab ich ihn gefragt, ob er mitmacht“, so der Angeklagte. Der Komplize habe das Auto in einer Seitenstraße geparkt und dort gewartet, um ihn nach der Tat nach Hause zu fahren. Von dem Messer habe er gewusst.

Angeklagter ist polizeibekannt

Der Angeklagte betonte, dass er nicht vorgehabt habe, jemanden mit der Waffe zu verletzen. Er habe das Messer aus seiner Küche mitgenommen, um damit zu drohen und so an das Geld zu gelangen. Sein Plan funktionierte, wie er weiter schilderte: Die Kassierin habe die Plastiktüte, die er ihr hingehalten habe, mit Geld gefüllt und auf seine Anweisung hin auch noch eine weitere Schublade geöffnet, aus der sich der Mann selbst Scheine griff. „Es ging echt sehr schnell“, erinnerte er sich. Insgesamt hat der 32-Jährige so laut Anklageschrift 2315 Euro erbeutet, 1871 Euro davon stellte die Polizei später in seiner Wohnung sicher.

Eine für derartige Delikte relativ hohe Summe, erklärte eine Kriminalbeamtin, die als Zeugin auftrat. Ermittlungen hätten ergeben, dass der Angeklagte am Tag zuvor offenbar kein Geld mehr gehabt und deshalb verschiedene Menschen in seinem Umfeld um Bares angepumpt habe. Er sei ihren Backnanger Kollegen bereits bekannt gewesen, weil er zuvor mehrfach wegen aggressiven Verhaltens aufgefallen sei.

Schriftliche Entschuldigung

Tatsächlich hat der 32-Jährige laut dem Vorsitzenden Richter eine Reihe von Vorstrafen – unter anderem wegen Betrugs, Unterschlagung, Diebstahl, Körperverletzung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Deshalb befindet er sich derzeit in Haft. „Da hat sich viel in meinem Denken geändert. Man fängt an, langsam zu reflektieren“, sagte der Angeklagte. Er präsentierte dem Gericht ein Schreiben, in dem er sich bei der Kassiererin des Casinos entschuldigt. Darin spricht er von einer „grauenhaften Tat“. „Mir tut es im Herzen leid und ich meine das ernst“, zitierte der Vorsitzende Richter aus dem Brief.

Die Frau, die aus familiären Gründen verhindert war und daher am Dienstag vor Gericht nicht angehört werden konnte, geht ihrer Tätigkeit im Casino zwar nach wie vor nach, der Überfall habe sie aber schon sehr mitgenommen, schilderte die Kriminalbeamtin in ihrer Aussage vor Gericht ihre Beobachtungen.

Zu seinem Motiv sagte der Angeklagte, der keine Berufsausbildung hat und Hartz IV bezieht, dass ihn angesichts seiner Schulden die Verzweiflung gepackt habe. Zudem habe es Streit mit seiner Frau gegeben, weil er das Geld vom Sozialamt, das für Heizkosten vorgesehen war, kurz zuvor verzockt hatte. Der 32-Jährige, der nach eigenen Angaben bis zum Anfang dieses Jahres regelmäßig Marihuana konsumiert hatte, erwartet mit seiner Frau Ende November das erste Kind. Auch deshalb wolle er sich ändern, betonte er.

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