Wegen Einbruchs in einen Supermarkt steht ein Trio vor dem Stuttgarter Landgericht. Foto: dpa

Erst beim zweiten Versuch gelang der Einbruch – und zwei junge Männer stahlen mehr als 20 000 Euro aus dem Tresor eines Supermarkts in Fellbach. Mit ihrem Komplizen teilten sie die Beute anschließend aber anders als zunächst vereinbart.

Stutttgart - Weil sie in einen Supermarkt in Fellbach eingebrochen sein sollen, müssen sich drei junge Männer derzeit vor dem Stuttgarter Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft sieht es als erwiesen an, dass das Trio bei der Tat im März 2017 rund 23 000 Euro aus dem Tresor des Geschäfts gestohlen hat.

Ein heute 21-Jähriger erklärte vor Gericht, es sei seine Idee gewesen, in den Laden einzubrechen. Er habe Schulden gehabt, unter anderem aufgrund seiner Spielsucht. Als eine Freundin, die ihm Geld geliehen hatte, ihm ein Ultimatum zur Rückzahlung gestellt habe, habe er Angst bekommen, dass sie seinem Chef von seinen Problemen erzähle und er seinen Job in einer anderen Filiale der betroffenen Supermarktkette verliere. Um seinen Plan in die Tat umzusetzen, habe er seinen damals besten Freund gefragt, ob dieser mitmachen wolle. Der Freund – heute 22 Jahre alt – fragte seinerseits einen Kumpel, ob er mit ihm gemeinsam den Einbruch verüben wolle. Alle drei Angeklagten erklärten übereinstimmend, dass es einige Zeit gedauert habe, bis man sich sicher gewesen sei, die Tat zu begehen. „Das war ein hin und her“, erinnerte sich einer der drei Männer vor Gericht.

Für das Alibi an die Tankstelle

Dann habe der 21-Jährige schließlich den Tresorschlüssel des Fellbacher Supermarkts aus der Handtasche seiner Mutter entwendet, die dort als Kassenchefin beschäftigt war, und ihn den anderen beiden übergeben. Durch seine Arbeit wusste er, dass zum Tatzeitpunkt, einem Sonntag, das Geld von zwei Tagen im Tresor zu finden sein müsste. Während der 22- und der 24-Jährige in der Nacht versuchten, eine Scheibe des Geschäfts einzuschlagen, suchte der 21-Jährige gemeinsam mit seiner Freundin eine Tankstelle mit Überwachungskameras auf, um sich von diesen filmen zu lassen und sich somit ein Alibi zu verschaffen.

Der Versuch mit einem Werkzeug aus der väterlichen Werkzeugkiste eine Scheibe einzuschlagen, misslang jedoch zunächst. Erst einige Stunden später wagten die beiden Männer einen neuen Versuch. Sie seien sehr aufgeregt gewesen, erklärte der 22-jährige Angeklagte. Mit zwei Geldtaschen, von denen sie eine auf der Flucht verloren haben sollen, seien sie nach Hause gerannt, berichtete sein 24-jähriger Komplize. Ursprünglich sei vereinbart worden, dass der 21-Jährige 30 Prozent der Beute erhält, die beiden anderen sich die übrigen 70 Prozent teilen. Tatsächlich behielten sie jeder rund 10 000 Euro und gaben nur 3 000 Euro ab. „Wir wollten mehr für uns haben“, erklärten sie der Vorsitzenden Richterin. Der 21-Jährige habe sich zwar geärgert, das Thema sei dann aber schnell gegessen gewesen.

Beute verspielt

Von dem Geld beglich der junge Mann seine Schulden nach eigenen Angaben zunächst nicht. Stattdessen verspielte er einen Teil davon, verwendete etwa 1000 Euro für einen Kurztrip nach Italien und erspielte sich vom Rest ein paar tausend Euro. Auch die beiden anderen Männer berichteten, dass sie ihre Beute für Kleidung, Partys und Essen „rausgehauen“ hätten. Während der heute 22-Jährige angab, selbst ebenfalls spielsüchtig zu sein und aufgrund seiner finanziellen Probleme und seiner allgemeinen Lebenssituation die Tat begangen zu haben, sagte der 24-Jährige zum Tatmotiv, er habe einfach eine Dummheit begangen. Das Geld habe ihn gereizt, er habe geglaubt, die Zukunft von sich, seiner Freundin und der gemeinsamen Tochter damit zu erleichtern.

Dem 21-Jährigen wirft die Staatsanwaltschaft zwei weitere versuchte Einbrüche in ein Autohaus und ein Juweliergeschäft vor, die er mit seiner damaligen Freundin begangen haben soll. Mit dem 22 Jahre alten Angeklagten soll er außerdem geplant haben, einen älteren Besucher des Spielcasinos, das die Männer regelmäßig frequentierten, mit Schreckschusswaffen zu bedrohen und auszurauben. Sämtliche Versuche sollen gescheitert sein, weil die Angeklagten glaubten, von Passanten entdeckt worden zu sein und daraufhin ihr Vorhaben abbrachen. Innerlich habe er sich sogar gewünscht, dass jemand vorbeikomme und er die Taten daher nicht vollenden könne, beteuerte der junge Mann.

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