Im Saal des Rottweiler Landgerichts gelten erhöhte Sicherheitsregeln. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Es begann in der Weihnachtszeit vor einem Jahr. Ein Mann aus dem Kreis Tuttlingen versendet Drohbriefe an Unternehmen, Vereine, Kirchen. Er hofft auf schnelles Geld. Jetzt steht er in Rottweil vor Gericht.

Rottweil - Vor der Ersten großen Strafkammer des Landgerichts Rottweil muss sich von Mittwoch an ein 32-jähriger Mann wegen schwerer räuberischer Erpressung verantworten. Der im Kreis Tuttlingen wohnhafte Deutsche, der sich in Haft befindet, soll von Dezember 2019 an verschiedenen Empfängern anonyme Drohbriefe per Post und per Email geschickt haben. Auf diese Weise soll er versucht haben, mehrere Millionen Euro zu erpressen.

Der Mann habe gedroht, kompromittierende Fotos und Videos zu veröffentlichen. In anderen Fällen ging es um die Freisetzung von Giftstoffen und Krankheitserregern. Um dies abzuwenden, wurden die Opfer ultimativ aufgefordert, große Geldbeträge auf ein Bitcoin-Konto zu überweisen.

Schon im Januar klicken die Handschellen

Der Spuk dauerte nicht lange. Schon im Januar ermittelte die Polizei den Mann. Als sie ihn am 15. Januar festnahm, ging sie zunächst von einem Fall mit regionaler Ausstrahlung aus. Die Betroffenen – meist waren es Unternehmer, aber auch Krankenhäuser und kirchliche Einrichtungen – befanden sich im Schwarzwald-Baar-Kreis, im Zollernalbkreis, im Kreis Tuttlingen und im Kreis Rottweil.

Bei den weiteren Ermittlungen ergaben sich jedoch Parallelen zu ähnlich gelagerten Fällen in anderen Bundesländern. So hatten auch mehrere Fußball-Bundesligavereine und Fluggesellschaften die Drohschreiben erhalten. Insgesamt listet die Staatsanwaltschaft 39 Erpressungsversuche in ihrer Anklageschrift auf. Erfolg hatte der Mann allerdings nicht. In keinem Fall seien Überweisungen getätigt worden, erklärte die Staatsanwaltschaft.

Urteil noch im Oktober

Für den Prozess ordnete das Landgericht erhöhte Sicherheitsvorkehrungen an. Insgesamt sind acht Verhandlungstage angesetzt und acht Zeugen geladen. Ein Urteil könnte demnach am 21. Oktober fallen.

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