Der wegen des versuchten Totschlags Angeklagte 52-Jährige war Mitglied im Schützenverein. Dessen Ehefrau engagierte einen Detektiv, weil sie ahnte, dass ihr eifersüchtiger Gatte sie überwachte.

Stuttgart - Was hat sich im Wagen der 36 Jahre alten Ehefrau des Angeklagten an jenem Abend im Januar dieses Jahres zugetragen, in dem er den Liebhaber offenbar fast mit einem Messer tötete? Das wollte Ute Baisch, die Vorsitzende Richterin am Landgericht Stuttgart, am zweiten Verhandlungstag erhellen. Klar ist, dass die 36-Jährige Todesangst hatte, „weil mein Mann auch zwei Pistolen besaß“, wie sie berichtete. Klar ist auch, dass der 29 Jahre alte Begleiter, der die Frau auf einem Parkplatz im Sindelfinger Wald getroffen hatte, mehrere Stichwunden erlitt. Der Staatsanwalt geht von einem versuchten Totschlag des Ehemannes aus.

Ehefrau trifft Liebhaber auf Parkplatz: Gab es keinen Sex?

Zunächst ersparte die Richterin Baisch der 36-Jährigen am zweiten Prozesstag, Details über das intime Treffen sowie Einzelheiten der in die Brüche gegangen Ehe mit dem 52-Jährigen in der Öffentlichkeit preiszugeben. Hinter verschlossenen Türen stand die Frau, die sich von ihrem Ehemann scheiden lassen wollte – dieser befindet sich dem 8. Januar dieses Jahres in Untersuchungshaft – Rede und Antwort. Die Besucher der Verhandlung erfuhren später jedoch Näheres, als ein Ermittler des Kriminaldienstes aus Leonberg als Zeuge gehört wurde, der am Tatabend – dem 7. Januar – die Ehefrau befragt hatte. Demnach soll es in dem Wagen der Frau keinen Geschlechtsverkehr gegeben haben. Ob sie nackt gewesen sei, als sie mit ihrem Begleiter auf der Rückbank des Wagens saß, darüber machte sie keine Angaben. Dafür räumte sie aber ein, dass sie den 29-Jährigen bereits seit einigen Jahren kenne und dieser in ihrer Nähe wohne.

Schwerverletzter fährt selbst ins Krankenhaus

Ihr Mann sei, nachdem er etliche Male gegen die Fensterscheibe ihres Wagens geschlagen hatte, durch die Fahrertür in das Auto eingedrungen, habe sich auf den Sitz gekniet und versucht, auf sie einzustechen. Der Staatsanwalt sprach von vier Messerhieben, die er der Frau verpassen wollte. „Mein Freund warf sich vor mich“, sagte die 36-Jährige den Ermittlern. Demnach hat der Angeklagte laut der Staatsanwaltschaft auch auf den 29-Jährigen eingestochen. Der Mann erlitt Verletzungen am Hals, Bauch, Oberarm und auf der Stirn. Später setzten der Ehemann und der 29-Jährige den Kampf vor dem Wagen fort. Die 36-Jährige war geschockt. Sie habe ihren Wagen zuerst ein Stück zurückgesetzt und sei dann vom Parkplatz gefahren, „als die beiden noch am Boden lagen“.

Ihr Freund sei in seinen Wagen gestiegen, das habe sie beobachtet. Per Telefon hätten sie sich verständigt. Ihm gehe es nicht gut, er fahre nun in eine Klinik, habe er ihr gesagt. Die Frau folgte ihm dorthin. Er kam auf eine Intensivstation.

Küchenmesser vor dem Beifahrersitz gefunden

Der Ehemann war in den Wald geflüchtet. Das Messer habe er weggeworfen, gab er vor Gericht zu Protokoll. Tatsächlich sei ein Küchenmesser vor dem Beifahrersitz der 36-Jährigen gefunden worden, berichtete der Polizeibeamte. Der 52-Jährige habe als Mitglied eines Schützenvereins über zwei Schusswaffen verfügt. Die Frau hatte einen Detektiv beauftragt, der für sie herausfinden sollte, ob und wie ihr eifersüchtiger Ehemann gegen sie vorgeht. Dieser Detektiv fand bei ihm eine leere Packung eines GPS-Geräts, im Auto der Frau aber nichts. Der Peilsender, mit dessen Hilfe der Mann seiner Frau auf den Parkplatz gefolgt war, befand sich im Zigarettenanzünder. Der Prozess soll an sechs Verhandlungstagen fortgesetzt werden.

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