Mit hochwertigem Zubehör lassen sich Fahrzeuge aufwerten. Foto: dpa

In zwei Logistikunternehmen im Kreis ist ein 30 Jahre alter Mann mit Komplizen eingedrungen und hat Autoteile im Wert von über 200 000 Euro erbeutet. So finanzierte er seine Drogensucht. Nun muss er in Haft.

Böblingen - Zwei Jahre und acht Monate muss ein 30-Jähriger wegen Diebstahls hinter Gitter. Er hatte im Oktober des Jahres 2014 und im darauffolgenden März in einer Firma im Kreis Böblingen hochwertige Automobilzubehörteile im Wert von mehr als 200 000 Euro gestohlen – um seinen Drogenkonsum zu finanzieren. Der Mann gestand, was sich für ihn beim Strafmaß auszahlte. Die Achsen, Lenkräder und Airbags, die er gestohlen hatte, aber sind verschwunden.

„Es stimmt, dass ich die Taten begangen habe“, ließ der Angeklagte seinen Verteidiger in dem Verfahren vor dem Böblinger Schöffengericht am Mittwoch erklären. Am 11. Oktober 2014 war er zusammen mit Komplizen bei einem Logistikunternehmen in Ehningen eingestiegen und hatte 140 AMG-Lenkräder, aber auch Airbags und Kompletträder mitgehen lassen. Der Wert der Beute: etwa 52 000 Euro. „Man musste wissen, wo die AMG-Teile liegen“, sagte ein als Zeuge geladener Polizist. „Wir gingen daher von Insiderwissen aus.“ Auf das Gelände des Ehninger Logistikunternehmens gelangt man problemlos. Auch das Gebäude, in dem hochwertiges Zubehör für Automobilhersteller lagern, ist alles andere als ein Hochsicherheitstrakt.

Komplize in Firma stellt Gabelstapler bereit

Noch leichter hatte es der Angeklagte bei dem Diebstahl von 34 Achs-Paaren für Mercedes-Fahrzeuge im Wert von circa 160 000 Euro aus einem Böblinger Logistikunternehmen im vergangenen März. Dort hatte der heute 30-Jährige zehn Jahre lang gearbeitet. Sozusagen ein Ex-Kollege hatte Anfang März vor Feierabend ein Fenster für ihn geöffnet und einen Gabelstapler bereitgestellt. Dafür habe er dem Komplizen 8000 Euro versprochen, gestand der Angeklagte, nachdem sich sein Anwalt mit den anderen Prozessbeteiligten auf eine Höchststrafe von unter drei Jahren für ein Geständnis geeinigt hatte.

Auch den Namen seines Helfershelfers aus dem Böblinger Betrieb nannte der 30-Jährige. Der als Zeuge geladene Mann wurde noch auf dem Flur des Amtsgerichts vorläufig festgenommen. Wer ihm bei den Diebstählen allerdings noch geholfen hat, darüber schwieg sich der Angeklagte aus. Helfer hatte er aber unbedingt benötigt. „Eine Achse wiegt zwischen 30 und 40 Kilogramm“, sagte ein Daimler-Mitarbeiter in dem Verfahren. Er ging von 45 gestohlenen Achsen aus. Schon verbaute und selbst wegen eines Materialfehlers verschrottete Teile würden dokumentiert, erklärte der Beschäftigte des Automobilherstellers die höhere Stückzahl.

Die Beute der Diebstähle ist bis heute spurlos verschwunden. „Wo die Achsen sind, haben wir nicht rausgefunden“, erklärte ein Polizist dem Richter. Die Tat vom Oktober 2014 war seiner Meinung „schlecht geplant“. Abnehmer für die Achsen habe der Angeklagte nicht gehabt. Die Teile spielten aber offenbar in mehreren Telefongesprächen eine Rolle. Im Zuge eines Ermittlungsverfahrens wegen schweren Ladendiebstahls hatte die Polizei mehrere Telefone von Verdächtigen überwacht. Dabei kam sie dem Angeklagten auf die Spur, dessen Name einer der Überwachten in seiner Vernehmung nannte. Bilder der gestohlenen Achsen, die der 30-Jährige mit seinem Mobiltelefon verschickt hatte, erhärteten den Verdacht.

Als Schüler in der großen Pause „gekifft“

Dass der 30-Jährige vom rechten Weg abkam, liegt an seinem Drogenproblem. Mit 15 Jahren habe er begonnen, in der Schule Marihuana zu rauchen, ließ der Angeklagte seinen Anwalt eine Erklärung verlesen, die der Angeklagte vorbereitet hatte. Gemeinsam mit anderen habe er schon bald regelmäßig in der großen Pause „gekifft“ – und sei schließlich von der Schule geflogen. Damals habe er seinen Eltern versprochen, die Hände von Drogen zu lassen.

Das wollte ihm aber nicht glücken. Er rauchte weiterhin Marihuana, probierte Ecstasy aus und schnupfte auch Kokain. Er machte zwar den Hauptschulabschluss, aber keine Ausbildung und kam als 18-Jähriger mit seinen Eltern aus dem nordrhein-westfälischen Recklinghausen in den Kreis Böblingen. Abgesehen von einem Jahr, in dem er arbeitslos war, hatte der Angeklagte immer eine Beschäftigung – bis zu seiner Verhaftung im vergangenen Juli.

„Schade, dass Sie auf die schiefe Bahn geraten sind“, sagte der Vorsitzende Richter Werner Kömpf. „Es hätte anders laufen können.“ Er verurteilte den 30-Jährigen, wie vom Staatsanwalt gefordert, zu zwei Jahren und acht Monaten Gefängnis. Kömpf hofft, dass der Angeklagte Lehren daraus ziehe und eine Therapie mache.

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