Die Kokons aus Baumwollgarn von Stefanie Seiz-Kupferer in der Stadtkirche provozieren. Foto: Seiz-Kupferer

Zwei Wochen lang sorgten besondere Kunstobjekte in der Stadtkirche für Diskussionen. Besonders die Kokons aus Baumwollgarn. Diese Woche endet die Aktion. Wie?

Die beiden Künstlerinnen Stefanie Seiz-Kupferer und Stephanie Abben haben für Wirbel, Provokation und Diskussionen mit ihrer Kunst in der Cannstatter Stadtkirche gesorgt. Beim Kunst- und Dialogprojekt unter dem Motto „Metamorphosen“ haben vor allem die Objekte aus Baumwollgarn im Kirchenraum für Aufsehen gesorgt.

 

„Ich hätte nicht damit gerechnet, dass die Kunstausstellung so provoziert und gleichzeitig ein solch positives Echo in der Stadtgesellschaft erzeugt“, erklärt Stadtkirchenpfarrer Alexander Stölzle. Die textilen Kokons und Wandgemälde entfalten sich mitten in der gotischen Architektur und regen zum Nachdenken über das Thema Wandel an.

Wandel und innere Verwandlung

„Es geht darum, sich künstlerisch, gesellschaftlich und theologisch mit Wandel, Verletzlichkeit und innerer Verwandlung auseinanderzusetzen – Themen, die am Ende des Kirchenjahres naheliegen aber auch in einer Zeit gesellschaftlicher Spannung besondere Aktualität besitzen“, so der Stadtkirchenpfarrer.

Im Chorraum sind diese Kunstwerke von Stephanie Abben zu sehen. Foto: Alexander Stölzle

Ungewöhnliche Aktion war der Volkstrauertag, der eine Vernissage darstellte mit ökumenischem Gottesdienst und weltlichem Gedenken durch den Bezirksvorsteher. Zudem diskutierten Vertreter aus Politik, Kunst, Theologie und Zivilgesellschaft über die Erinnerungskultur im 21. Jahrhundert, den Umgang mit globalen Konflikten und die Frage, „wie gesellschaftliche Wandlungsprozesse friedensstiftend gestaltet werden können“, so Stölzle. Die Kunstinstallation hätten dabei einen eindrücklichen Resonanzraum geboten, um Fragen von Verlust, Trauer und Hoffnung neu zu verorten. Auch Textmeditationen, Orgelmusik machten die „Metamorphosen“ hörbar mit einer Livestream-Übertragung mit über 10000 Aufrufen.

Wandel in der Altstadt sehen und diskutieren

Die Ausstellung ist am 28. November nochmals zu sehen. Um 17 Uhr beginnt ein Stadtrundgang in der Altstadt: Wandel sichtbar und erlebbar machen mit Stefan Betsch. Pfarrer Stölzle sieht den Wandel in der Altstadt beim Gewerbe, dass Traditionsgeschäfte gehen, kleine Ateliers und Geschäfte für junge Familien den Platz einnähmen. Es zögen viele junge Familien her, weil Wohnraum noch günstiger sei und sie „die bodenständige Urbanität von Cannstatt“ schätzen. „Als Kirche werden wir als Ankerpunkt wahrgenommen, weil wir für die gute Tradition stehen und gleichzeitig uns wandelbar zeigen mit neuen integrativen Formaten, den Blick nach vorne richten und hoffnungsvoll bleiben. Das wird von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft wahrgenommen“, so Stölzle. Cannstatt habe durch verschiedene politische Entscheidungen gelitten. „Da sieht ich Handlungsbedarf und Verständigungspotenzial“, erklärt der Pfarrer. Um 18 Uhr ist Finissage mit Impulsen und Musik. Veranstalter sind die Stadtkirchengemeinde Bad Cannstatt, Geist und Geld e.V. und das Bezirksrathaus.