In Madrid demonstrieren Menschen gegen die Festnahme des Rappers Hasél. Foto: dpa/Ricardo Rubio

Die umstrittene Festnahme des Rappers Hasél wegen Beleidigung des Königshauses hat in Spanien erneut zu Protesten geführt. Dabei kam es zu mehr als 50 Festnahmen.

Madrid - Die spanische Polizei hat bei erneuten Ausschreitungen nach der Verhaftung des Rappers Pablo Hasél wegen umstrittener Tweets in der Nacht zu Donnerstag mehr als 50 Menschen festgenommen. In Madrid wurden nach Angaben von Rettungsdiensten 55 Menschen verletzt, darunter 35 Polizisten. 19 Demonstranten wurden dort festgenommen. In Barcelona, Granada und mehreren anderen Städten gab es weitere Festnahmen. Hasél wurde derweil in einem weiteren Verfahren zu einer Haftstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt.

Auf dem zentralen Madrider Platz Puerta del Sol kamen am Mittwochabend hunderte Menschen zusammen, um gegen die „Zensur“ zu protestieren und die Freilassung des 32-jährigen Pablo Hasél zu fordern. Vermummte Demonstranten bewarfen die Polizei aus der Menge heraus mit Flaschen, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten. In Barcelona und weiteren katalanischen Städten errichteten Demonstranten brennende Barrikaden.

14 Verletzte

Zusammenstöße zwischen Unterstützern des Rappers und der Polizei gab es auch in den katalanischen Städten Gerona, Lleida und Tarragona. In ganz Katalonien wurden nach Polizeiangaben 33 Menschen festgenommen. 14 Menschen wurden demnach verletzt. Hasél war am Dienstagmorgen in seiner Heimatstadt Lleida verhaftet worden, nachdem er sich einen Tag lang mit Unterstützern in der Universität verbarrikadiert hatte.

Politiker aus mehreren Parteien verurteilten die Gewalt. Vize-Regierungschefin Carmen Calvo von der sozialistischen Partei sagte dem Fernsehsender RTVE: „Kein Recht kann mit Gewalt verteidigt werden. Das ist eine absolut rote Linie.“ Ministerpräsident Pedro Sánchez äußerte sich bisher nicht zu den Ausschreitungen, die inzwischen auch die Regierungskoalition belasten. 

Politiker kritisieren Urteil

Ein Abgeordneter des Koalitionspartners Podemos, Pablo Echenique, hatte beim Onlinedienst Twitter während der Ausschreitungen seine Unterstützung für die Demonstranten geäußert. Auch Vize-Ministerpräsident Pablo Iglesias von Podemos hatte das Urteil gegen Hasél kritisiert. 

Bereits am Dienstagabend war es bei Demonstrationen für Hasél zu gewalttätigen Konfrontationen mit der Polizei gekommen. Dutzende Menschen wurden dabei verletzt. Für Donnerstagabend wurden weitere Kundgebungen in Barcelona und anderen Städte angekündigt.

Darum geht es

Der Rapper soll wegen Beleidigung der spanischen Königsfamilie sowie staatlicher Institutionen eine neunmonatige Haftstrafe absitzen. Er hatte in Botschaften im Onlinedienst Twitter den früheren König Juan Carlos I. als „Mafiaboss“ bezeichnet und der Polizei die Folterung und Tötung von Demonstranten und Migranten vorgeworfen.

Haséls Verurteilung sorgt bei Menschenrechtsgruppen und Künstlern für Kritik. Amnesty International nannte die Verurteilung wegen Tweets und Textzeilen „ungerecht und unverhältnismäßig“. Auch der bekannte spanische Filmemacher Pedro Almodóvar und der Schauspieler Javier Bardem äußerten ihre Unterstützung für den katalanischen Rapper. 

Anderer Prozess für Hasél

Derweil wurde Hasél in einem Berufungsverfahren zu einem anderen Vorfall zu einer Gefängnisstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt. Das teilte ein Gericht in seiner Heimatstadt Lleida mit. Hasél wurde demnach verurteilt, weil er in einem einem Verfahren gegen zwei Polizisten einen Zeugen bedroht hatte. 

Laut Urteil hatte Hasél im Oktober 2017 im Kurzbotschaftendienst Twitter ein Foto des Zeugen veröffentlicht und diesen beschuldigt, gegen Geld entlastende Aussagen zugunsten der Beamten gemacht zu haben. Zwei Tage später bedrohte der Rapper den Zeugen in einer Bar.

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