Dieses Transparent zeigt Erdogan neben einem abgeklebten Hitler-Kopf. Foto: bin

Gut 250 kurdische und linke Aktivisten demonstrieren in Ludwigsburg am Freitag gegen den türkischen Militäreinsatz in Nordsyrien. Auf Plakaten werden zum Teil drastische Vergleiche gezogen.

Ludwigsburg - Die Musikhalle ist einmal mehr Ausgangspunkt für eine politische Demonstration in Ludwigsburg: Ein Bündnis aus kurdischen und linken Organisationen hat am Freitag gegen den umstrittenen Einsatz der türkischen Armee im kurdischen Nordsyrien protestiert. Auf den Plakaten und Transparenten werden drastische Vergleiche gewählt. Im Bundestagswahlkampf hatte es an gleicher Stelle eine Demonstration von AfD-Gegnern gegen eine Kundgebung mit Alice Weidel gegeben.

So stehen auf einem Banner die Jahreszahlen 1939 und 2018, das Porträtbild von Adolf Hitler ist zur Hälfte überklebt, rechts ist das des türkischen Präsidenten Erdogan zu sehen. Kinder tragen weiße Laken, die mit roter Farbe beschmiert sind und halten Erdogan-Porträts hoch, auf denen er als Vampir dargestellt sind. Und auch ein „Free Öcalan“-Transparent darf nicht fehlen, auf der die Freilassung des ehemaligen PKK-Anführers gefordert wird.

Die Demonstranten ziehen durch Ludwigsburg

Gut 250 Gegner des türkischen Militäreinsatzes haben sich versammelt und ziehen vom Bahnhof bis zum Marktplatz, die Polizei ist mit mehreren Mannschaftswagen vor Ort. Der ehemalige Bundestagskandidat der Linken, Peter Schimke, hält eine Rede zu Beginn. „Der türkische Staat versucht, das in Nordsyrien entstandene demokratische Projekt zu zerstören“, erklärt er. Der Einsatz türkischer Kampfjets über der kurdischen Stadt Afrin sei ein Kriegsverbrechen. Die Demonstranten skandieren „Hoch, die internationale Solidarität“, als sie durch die Stadt ziehen.

Ludwigsburg gilt als Hochburg der Kurden in der Region. Im September hatte ein Ableger des Verbandes „Demokratisches Kurdisches Gesellschaftszentrum“ auf dem Pragsattel in Stuttgart ein Öcalan-Banner auf der elektronischen Werbetafel am Hochbunker in Auftrag gegeben. „Heute Kobane, morgen Afrin“, steht auf einem Plakat. Die Demonstration am Freitag ist offiziell angemeldet, wie die Polizei bestätigt, Ordner der Veranstalter sorgen dafür, dass alles friedlich abläuft und der Zug geordnet durch die Straßen zieht.

Immer wieder ist der Konflikt zwischen Kurden und Türken vor allem in Ludwigsburg eskaliert, im vergangenen Jahr haben sich die kurdischeBahoz-Organisation und der türkische Boxclub Osmanen Germaniablutige Konflikte bis hin zu einer Straßenschlacht geliefert. Da es in Ludwigsburg eine große kurdische Szene gibt, die politisch gut organisiert und vernetzt sind, wohnten zahlreiche Anführer der Bahoz in Ludwigsburg. So wie schon vor einigen Jahren, als die Kurden in der PKK-nahen Organisation Red Legion organisiert waren – auch damals war Ludwigsburg immer wieder im Fokus des Konflikts.

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