Der Marsch von Pegida und AfD kam nur sehr langsam voran. Foto: dpa

Bei den Protesten in Chemnitz sind am Samstag mehr als 8000 Menschen auf die Straße gegangen. Nach Angaben der Versammlungsbehörde nahmen rund 4500 Menschen an einem gemeinsamen Marsch der AfD und des ausländerfeindlichen Bündnisses Pegida teil.

Chemnitz - Mehrere tausend Menschen haben in Chemnitz unter dem Motto „Herz statt Hetze“ gegen Fremdenfeindlichkeit demonstriert. Auch zahlreiche Spitzenpolitiker beteiligten sich am Samstag an der Großdemonstration.

Tausende Teilnehmer schlossen sich derweil einer Kundgebung der AfD an, die einen so genannten Schweigemarsch veranstaltete. Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz, um Ausschreitungen wie in den vergangenen Tagen zu verhindern.

An der von einem breiten Bündnis getragenen Großdemo unter dem Motto „Herz statt Hetze“ beteiligten sich einem Sprecher der Stadt Chemnitz zufolge rund 3500 Menschen, zunächst war von 2500 Teilnehmern die Rede gewesen. An der Kundgebung nahmen am Samstagnachmittag auch mehrere Spitzenpolitiker wie SPD-Vizechefin Manuela Schwesig, Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch und die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock teil.

AfD und Pegida marschieren gemeinsam

Mehr als zwei Stunden nach Beginn dieser Demonstration versammelten sich mehrere tausend Menschen zu der AfD-Kundgebung. Auch Teilnehmer einer Demonstration der rechten Organisation Pro Chemnitz schlossen sich an, nachdem die Organisatoren diese für beendet erklärt hatten. Laut dem Sprecher der Stadt beteiligten sich rund 4500 Menschen. Zunächst war die Teilnehmerzahl sogar auf 6000 geschätzt worden.

Sehen Sie hier eine Videoreportage von den Geschehnissen am Samstag in Chemnitz:

AfD-Politiker aus mehreren Landesverbänden waren am Samstag in Chemnitz. Auch die fremdenfeindliche Pegida-Bewegung schloss sich der Kundgebung an. In dem Aufruf zu dem sogenannten Schweigemarsch hieß es, es solle „um die Toten und Opfer der illegalen Migrationspolitik“ in Deutschland getrauert werden. In Chemnitz war vergangenes Wochenende ein 35-jähriger Deutscher getötet worden. Zwei Männer aus Syrien und dem Irak sitzen deswegen in Untersuchungshaft. Danach kam es zu Demonstrationen in der Stadt, an denen sich gewaltbereite Rechtsextreme beteiligten. Dabei gab es auch Angriffe auf Ausländer. Bei Krawallen wurden mehrere Menschen verletzt.

Die Polizei versucht beide Lager auseinanderzuhalten

Die Polizei versuchte am Samstag mit einem Großaufgebot, die Demonstrationen auseinanderzuhalten. Bis zum frühen Samstagabend kam es nach Angaben einer Polizeisprecherin zu keinen Ausschreitungen. Im Kurzbotschaftendienst Twitter bezeichnete die Polizei die Situation an einigen Stellen der Stadt aber als „spannungsgeladen“. Die Einsatzkräfte hätten zum Teil angreifen müssen.

An der Großdemo unter dem Motto „Herz statt Hetze“ nahmen mehrere Bundes- und Landespolitiker teil. Sie wolle gegen gegen „Hass, Hetze und Gewalt“ demonstrieren, sagte SPD-Vizechefin Schwesig. Die Grünen-Vorsitzende Baerbock mahnte, ein „Angriff auf Demokratie und Rechtsstaatlichkeit“ erfordere ein „Aufstehen der ganzen Gesellschaft“. Die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) forderte, Hetzern „unsere Stärke und unsere demokratische Grundüberzeugung mit aller Kraft“ entgegenzusetzen.

Bündnis für ein friedliches Chemnitz

Dass Chemnitz „weder grau noch braun“ sei, müsse jetzt in „Wort und Tat“ gezeigt werden. Ein Bündnis von Bürgern, Unternehmen und Wissenschaftlern aus Chemnitz hatte die Bewohner der Stadt unter dem Motto „Chemnitz ist weder grau noch braun“ zu mehr Engagement für ein friedliches Miteinander aufgerufen. In mehreren Tageszeitungen erschienen großformatige Anzeigen mit dem Aufruf. Zu den Unterzeichnern gehören zahlreiche in Chemnitz ansässige Firmen.

Chemnitz habe „seine guten Seiten und seine Probleme“, heißt es in dem Aufruf. Die Stadt könne aber nicht mit „Hass, Gewalt, Intoleranz und vor allem Wegschauen“ leben. In den vergangenen Jahren sei aus einer grauen Stadt ein buntes, lebenswertes Chemnitz geworden. „Wir müssen und wollen uns wieder einschalten, damit aus bunt nicht braun wird.“ Vor allem wolle das Bündnis zeigen, das die Mehrheit in der Stadt „demokratisch und offen denkt“. Diese Verantwortung müsse jeder übernehmen.

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