Vor allem junge Menschen gehen gegen das Regime in Teheran auf die Straße. Foto: AP

Die Proteste werden den Iran nicht aus den Angeln heben, mein unster Korrespondent Martin Gehlen. Der Bürgerkrieg in Syrien ist den Menschen ein abschreckendes Beispiel.

Teheran - Zündeln ist gefährlich, schnell kann sich ein kleines Feuer am Ende zu einem verheerenden Flächenbrand weiten. Das mussten jetzt auch Irans Hardliner erleben, als sie letzte Woche mit ein paar gezielten lokalen Protesten in Maschad die Unzufriedenheit mit der Regierung von Hassan Ruhani schüren wollten. Doch binnen Stunden und Tagen erwuchs daraus eine seit vielen Jahren beispiellose Welle an Demonstrationen, die sich nun ebenfalls gegen die fundamentale Konstruktion der Islamischen Republik und gegen die Schmarotzer-Clique an ihrer Spitze richtet. Denn der Nachwuchs, für den Staatsgründer Chomeini nur noch eine ferne Plakatikone ist, will endlich teilhaben an den Freiheiten ihrer Altersgenossen in anderen Ländern und an dem Reichtum ihrer Heimat, den sich seit Jahrzehnten korrupte Kleriker und ihre Machtzirkel gegenseitig zuschanzen.

Keine Aussicht auf Entspannung

Aber auch der außenpolitische Befreiungsschlag, der dem moderaten Präsidenten Ruhani 2015 mit dem Atomvertrag gelang, kommt bei seinen Landsleuten bis jetzt nicht in deren Alltagsleben an. Stattdessen machen seine Gegner mit ihren Raketentests und der aggressiven regionalen Hegemonialpolitik alle Aussichten auf Entspannung kaputt. Wie es weitergeht, kann derzeit niemand sagen, auch wenn der Boden unter der Islamischen Republik sichtbar schwankt. Wahrscheinlich jedoch werden die Proteste den Gottesstaat auch diesmal nicht aus den Angeln heben, denn mit Syrien steht dem iranischen Volk inzwischen genau vor Augen, in welch apokalyptische Schlächterei friedliche Reformforderungen münden können.

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