Eltern und Kindern demonstrierten im Sitzungssaal gegen die geplanten Kitaschließungen. Foto: Roberto Bulgrin

Esslinger Eltern laufen Sturm gegen die geplante Streichliste der Stadt. Sie kritisieren, dass auf das Wohl der Kinder wenig Rücksicht genommen wird.

Eine solche Kulisse gibt es in Gemeinderatssitzungen nur sehr selten: gedämpftes Geplapper und Kinder, die auf viel zu großen Stühlen aufgeregt hin- und herrutschen. Am Montag kamen mehrere Dutzend Eltern mit ihren Kindergartenkindern ins Alte Rathaus, um ihren Frust über die geplante Schließung eingruppiger Kindergärten zum Ausdruck zu bringen. Der Bürgersaal war proppenvoll. „Es wird heute keine inhaltliche Debatte zum Thema Kitas geben“, dämpfte Oberbürgermeister Matthias Klopfer zu Beginn die Erwartungen des Publikums. Auf der Tagesordnung des Esslinger Gemeinderats stand unter anderem die Einbringung des Nachtragshaushalts, der angesichts der schwierigen Finanzlage der Stadt notwendig geworden ist. Transparente und Plakate, die die Familien dabei hatten und hochhielten, seien im Sitzungssaal eigentlich nicht erlaubt, sagte Klopfer. Doch er drückte ein Auge zu. Als eine Mutter das Geschehen jedoch filmen wollte, wurde es dem OB zu viel und sie musste das Handy wegpacken.

 

Wo können die Kinder künftig wohnortnah in die Kita gehen

Die Eltern versuchten, ihre Anliegen in der Bürgerfragestunde zu Beginn der Gemeinderatssitzung vorzubringen. So wollte die Elternbeirätin Annalena Hecker beispielsweise wissen, wie und wo die Stadt beabsichtigt, 34 Berkheimer Kinder wohnortnah unterzubringen, wenn dort wie geplant zwei Kitas schließen. Klopfer verwies nur auf einen „dramatischen Rückgang der Kinderzahlen“. Detailfragen sollten die Eltern schriftlich einreichen, damit sie zu einem späteren Zeitpunkt im zuständigen Ausschuss zur Sprache kommen, vertröstete er sie. Annalena Hecker kritisierte, dass die Situation der Familien in den bisherigen Überlegungen keine Rolle spiele. „Die Kinder werden nicht gehört“, sagte sie, woraufhin es kurz Beifall im Publikum gab. „Es geht immer nur um das Wirtschaftliche, aber nicht um die emotionale Seite“, bekräftigte auch Jennifer Orhan. Sie hat als Elternbeirätin eine Online-Petition gegen die Schließungspläne gestartet.

Elternprotest vor dem Alten Rathaus in Esslingen. Foto: Roberto Bulgrin

Von dem geplanten Sparkurs der Stadt betroffen sind die evangelische Kita Finkenweg und der Waldorf-Kindergarten in Serach, die sich beide in freier Trägerschaft befinden. Hinzu kommen die Kita Altes Schulhaus, die Kita Konsumstraße und die Kita Sulzgrieser Straße. Sie werden von der Stadt getragen. Geplant ist, die fünf Einrichtungen Ende 2028 zu schließen. Damit sollen Betriebskosten reduziert werden. Zudem seien einige Häuser, die in städtischem Besitz sind, sanierungsbedürftig.

Erst Zusage, dann Schließung: Kritik an städtischer Kommunikation

Bereits gut eine Stunde vor Beginn der Sitzung hatten rund 50 bis 60 Eltern mit ihren Kindern zunächst vor dem Alten Rathaus Position bezogen. An der Aktion beteiligten sich Familien aller betroffenen Kitas. „Wir wollen laut sein, uns vernetzen und so viel Präsenz wie möglich zeigen”, sagte Cara Engel-Teske vom Waldorfkindergarten in Serach. Der Erhalt der kleinen Kitas sei für die Familien nicht nur wegen der kurzen Wege wichtig. „Viele Eltern wünschen sich kleine Einrichtungen und wollen keine großen Häuser und offene Einrichtungen“, berichtete die Mutter. Für die Kinder seien diese familiären Kitas wie ein Zuhause, sagte auch Jennifer Orhan. Sie aus diesem Umfeld herausreißen zu müssen, bereite den Eltern großes Kopfzerbrechen. „Die Stadt greift diese Ängste und Sorgen der Eltern nicht auf“, kritisierte Annalena Hecker. In den betroffenen Kitas sei die Stimmung sehr gedrückt. Das betreffe auch viele Erzieherinnen, die oft jahrelang eine Einrichtung aufgebaut hätten und sich nun darauf vorbereiten müssten, dass alles auseinandergerissen werde. „Das Vertrauen ist angekratzt“, sagte sie.

Die Eltern kritisieren zudem die mangelnde Kommunikation der Verwaltung. Zunächst hätten etliche Eltern eine Zusage für einen Platz in einer der betroffenen Kitas erhalten. Nur wenige Wochen später wurde ihnen mitgeteilt, dass diese geschlossen werden soll. So erging es beispielsweise Yvonne Platz aus Berkheim. Ihr wurde inzwischen ein Angebot in einer anderen Einrichtung gemacht, doch ein Wechsel kommt für sie – wie wohl für viele andere Eltern auch – nicht infrage. Sie hofft auf ein Einlenken der Stadt und der Gemeinderatsmitglieder.