Die protestierenden Flüchtlinge vor dem Integrationsministerium in Stuttgart unterbrechen ihren Hungerstreik bis Montag. Dann wollen sie sich mit Integrationsministerin Bilkay Öney (SPD) und Vertretern des Landratsamts im Main-Tauber-Kreis treffen, aus dem sie in die Landeshauptstadt gekommen sind. Foto: Max Kovalenko

Der Hungerstreik von Flüchtlingen in Stuttgart zeigt Wirkung: Jetzt will Integrationsministerin Öney persönlich in den Main-Tauber-Kreis reisen.

Stuttgart - Die protestierenden Flüchtlinge vor dem Integrationsministerium in Stuttgart unterbrechen ihren Hungerstreik bis Montag. Dann wollen sie sich mit Integrationsministerin Bilkay Öney (SPD) und Vertretern des Landratsamts im Main-Tauber-Kreis treffen, aus dem sie in die Landeshauptstadt gekommen sind. „Wir haben uns gemeinsam entschlossen, den Hungerstreik zu unterbrechen, um den Verantwortlichen ein weiteres Mal die Möglichkeit zu geben, unsere Forderungen zu akzeptieren“, teilten die Asylbewerber am Freitagabend mit. Voraussetzung sei, dass das Treffen auf Augenhöhe stattfinde und unter anderem ein Übersetzer bereitstehe.

Öney will sich im Main-Tauber-Kreis ein Bild machen

Aus Sicht der Asylbewerber mussten erst vier von ihnen während des fünftägigen Hungerstreiks wegen Gesundheitsproblemen ins Krankenhaus kommen, bis ihr Anliegen ernst genommen wurde. Die Flüchtlinge demonstrieren insgesamt schon seit Mitte Juli gegen die nach ihren Angaben schlechte Unterbringung im Main-Tauber-Kreis. Zudem fordern sie unter anderem Geld statt Sachleistungen. Öney hatte am Freitag angekündigt, sich persönlich ein Bild von den Gemeinschaftsunterkünften in Külsheim und Bad Mergentheim zu machen. „Geplant ist auch ein Gespräch mit Herrn Landrat Reinhard Frank. Die protestierenden Flüchtlinge in Stuttgart wissen von diesem Termin, bei dem sie sich selbstverständlich auch äußern können.“

Die Verwaltung der baden-württembergischen Landeshauptstadt hatte sich angesichts des Hungerstreiks zuvor besorgt gezeigt. Ein Sprecher sagte, es werde mehrmals am Tag medizinische Hilfe angeboten. Die Demonstranten würden trinken, aber das Essen verweigern. Der Wechsel von Sachleistungen zu Geld werde aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen, bekräftigte ein Sprecher des Landratsamtes auf Anfrage. Bislang können die Asylbewerber mit einer Punktekarte in einem Laden einkaufen - künftig sollen sie Geld bekommen. Diesen Kompromiss hatte die Sozialdezernentin des Amts bei einem ersten Treffen mit dem zuständigen Abteilungsleiter des Ministeriums vor einigen Tagen gemacht. Die Verträge mit dem Laden könnten demnach allerdings frühestens zum 1. Januar 2014 beendet werden.

Ein Hungerstreik von protestierenden Asylbewerbern hatte vor kurzem in München für Aufsehen gesorgt. Die Polizei räumte das Camp Ende Juni schließlich, um drohende Todesfälle zu verhindern. Dort hatten die Flüchtlinge tagelang nichts getrunken.

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