Omnisbuse auf holprigen Asphalt – Anwohner der Bahnhofstraße hoffen auf baldige Sanierung Foto: Patricia Sigerist

Nach dem Protest der neuen Geschäftsinhaber verschiebt die Stadtverwaltung die eigentlich fürs Frühjahr 2018 vorgesehenen Arbeiten um mindestens zwei Jahre.

Fellbach - Baustelle fertig, nächste Baustelle! Noch vor wenigen Wochen schien der Zeitplan für die Umgestaltung in der südlichen Bahnhofstraße eng getaktet: Nach den weitgehend beendeten Arbeiten auf dem Gelände der früheren Stanzfabrik Wüst sollten im Frühjahr erneut Bagger anrücken, um die Straßen neu zu gestalten. Die neuen Läden könnten „das Weihnachtsgeschäft noch mitnehmen“, erklärte Baubürgermeisterin Beatrice Soltys noch im Herbst. Nach dem nächsten Maikäferfest aber sollte der Bau starten und bis zum Fellbacher Herbst 2018 beendet sein.

Erster Grund ist die finanzielle Situation Fellbachs

Dieser Zeitplan ist seit wenigen Tagen überholt. Stattdessen wird die Maßnahme nach aktuellem Stand um rund zwei Jahre geschoben. Die Umgestaltung beginnt also frühestens im Frühjahr 2020 und dauert bis Anfang 2021. Auf diese Verschiebung verständigten sich Bauverwaltung und Geschäftsinhaber in einem Gespräch. Die Baudezernentin sieht nach dem Treffen mit den Ladenbesitzern „zwei Argumente, die gegen den sofortigen Weiterbau sprechen.“ Erster Grund ist die finanzielle Situation Fellbachs: Bei den heftigen Haushaltsdebatten im Gemeinderat wurde die Verschiebung des auf drei Millionen Euro geschätzten Straßenbaus bereits angeregt. Zweites Argument sind die Bedenken der Unternehmen. Soltys versichert: „Beides nehmen wir sehr ernst.“

Die neuen Geschäfte wünschen sich demnach eine Zeit ohne Baustelle vor dem Ladeneingang, um einen Kundenstamm aufzubauen und organisatorische Abläufe zu festigen. Mit das Wichtigste dürfte aber sein, dass die Geschäfte in Fellbach erst bekannt werden wollen. „Kunden zu Fans zu machen, das dauert!“, erklären die Inhaber.

Die kommenden Monate dürften für den langfristigen Erfolg der Geschäfte von immenser Bedeutung sein. In dieser Phase jedoch den Straßenraum zu sanieren, sodass Kunden oder Lieferanten den Weg nur unter erschwerten Bedingungen finden, sei ziemlich kontraproduktiv. „Das würde uns schmerzen“, sagt ein Geschäftsinhaber.

Dass die Straße beim Wüst-Areal umgestaltet werden muss, bezweifeln weder Händler noch Rathaus

Seit der Eröffnung befinden sich auf dem Wüst-Areal ein Lebensmittelmarkt mit 2000 Quadratmeter Fläche und das benachbarte Reformhaus Escher. Für den Einzug weiterer Händler laufen Gespräche. Außerdem sind Wohn- und Büroflächen entstanden, Kunden und Anwohner können in der neuen Tiefgarage parken.

Dass die Straße beim Wüst-Areal umgestaltet werden muss, bezweifeln weder Händler noch Rathaus. „Wir wollen die Aufenthaltsqualität steigern, Straßenräume und Verkehrsströme neu aufstellen und breitere Bürgersteige schaffen“, erläutert Beatrice Soltys. Als sie die Pläne Ende September im Gemeinderat vorstellte, hatte sie erklärt, dass der Radweg aus Platzgründen wegfallen müsse. Um die Unfallgefahr zu senken, soll in dem Abschnitt Tempo 20 eingeführt werden. Angepeilt ist ein „belebter Stadtraum“, ähnlich dem Konzept beim Rathaus-Carrée. Gefordert ist ein Miteinander aller Verkehrsteilnehmern.

Diese Planung samt langsamerer Fahrweise für Autos und Lastwagen wird von den Unternehmern offenbar mitgetragen. „Wir gehen davon aus, dass das Tempo reduziert wird“, heißt es. Die Händler fordern die Einführung der Tempo-30-Zone in der ganzen Bahnhofstraße. Vor dem Wüst-Areal galt diese Begrenzung bereits in der Bauphase. Ein Ladeninhaber sagt: „Der Lärm in den Nachtstunden ist deutlich angestiegen, seit das Tempolimit gefallen ist.“

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